Handelsblatt pinocchiot weiter – über Ende der Gratiskultur

November 8, 2010 by Florian Treiß · 2 Comments
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Vergangene Woche verlieh Thomas Knüwer einen Pinocchio des Tages an “Handelsblatt”-Chefredakteur Gabor Steingart – und heute habe ich so meine Zweifel, ob nicht auch die heutige Titelgeschichte “Rückkehr der Normalität” zur Zukunft der Medien eine etwas lange Nase bzw. lange Beine hat. Mittlerweile ist die Story auch online verfügbar – Das Ende der Gratiskultur ist gekommen, lautet die noch griffigere Headline auf handelsblatt.com. Der Teaser lautet im Web:

Zwanzig Jahre nach der Erfindung des Internets bricht eine neue Epoche an. Inhalte gibt es künftig nicht mehr umsonst. Medienunternehmen führen weltweit immer mehr Bezahlangebote im Web und in der Mobiltelefonie ein und haben damit großen Erfolg.

Munter geht’s weiter:

Auch in Deutschland geht die Umsonstkultur zu Ende. Springer hat bereits 280 000 Apps von “Bild” und “Welt” verkauft. Angesichts der Tatsache, dass es hierzulande nur knapp zwei Millionen iPhones gibt, eine beachtliche Zahl. “Bild” ist mittlerweile die meistverkaufte Nachrichten-App des Landes.

Und in einem begleitenden Infotext heißt es schließlich zur Einführung von Paid Content bei Rupert Murdochs britischer “Times”:

Die ersten Ergebnisse des Experiments sind ermutigend: Die Zahl der “Times”-Nutzer ist weit weniger dramatisch zurückgegangen, als einige Experten im Vorfeld prophezeit hatten. Von einem Kundenexodus von bis zu 90 Prozent war ursprünglich die Rede. Nach Angaben der Marktforscher von Nielson ist die Zahl der individuellen Nutzer (Unique Visitors) jedoch lediglich um 42 Prozent auf 1,78 Millionen pro Monat gefallen.

Das Problem an diesen beiden Artikeln ist: Sie stehen auf dünnen Füßen. So fragt sich Focus-Online-Redakteur Björn Sievers berechtigterweise auf Twitter:

Hab ich was verpasst? Wer war das noch gleich mit dem "großen Erfolg" mit Bezahlinhalten im Netz? http://bit.ly/a5mznJ #paidcontent

Die Aussagen des Titelthemas wie “Inhalte gibt es künftig nicht mehr umsonst”, für die das “Handelsblatt” immerhin sechs Redakteure eingesetzt hat, sind einfach viel zu pauschal und gehen zu sehr in eine Richtung, kritische Stimmen, dass Paid Content nicht oder nur eingeschränkt funktioniert, gibt es nicht. Das wird schon deutlich beim angeblichen Beweis, dass Rupert Murdochs “Times” gar keinen großen Kundenexodus hat. Doch die zitierte Nielsen-Studie spricht eine andere Sprache: Zwar liegt der Schwund von Unique Visitors tatsächlich bei nur 42 Prozent – doch das bezieht sich nur auf die Startseite, die weiterhin kostenlos ist und nur kurze Teaser bietet. In der Nielsen-Studie steht aber auch, dass faktisch nur 12 Prozent der Unique User danach tatsächlich für Artikel hinter der Paywall zahlen. Das zeigt diese Grafik aus dem Nielsen-Blog, wo noch weitere Details stehen:

times-uk-paywall

Somit sind wir also doch wieder bei 90 Prozent, sorry, 88 Prozent Nutzerschwund. Wer es dann als einen Fakt verkauft, dass es Inhalte künftig nicht mehr umsonst geben wird, der legt vor allem eines hin: Eine sehr steile These.

Zudem bleibt fraglich, wieviel Geld Springer denn nun überhaupt mit seinen tollen Apps verdient. Denn die 280.000 gekauften Apps von “Bild” und “Welt” fürs iPhone kosten einmalig erstmal nur 79 Cent bzw. 1,59 Euro pro Download. Das sind also nur Peanuts. Und wenn Springer über diese Apps im Anschluss eine nennenswerte Anzahl von Abos verkauft hätte, hätte der Verlag die Zahl bestimmt schon veröffentlicht. So bleibt die Frage, wie solche doch recht billigen Apps jemals nennenswerte Umsätze liefern sollen. Zum Vergleich: “Bild” verkauft an einem einzigen Tag über 3 Mio gedruckte “Bild”-Exemplare zum Copypreis von mindestens 50 Cent.

Update 9.11.: Marcel Weiß hat die Berichterstattung des “Handelsblatts” zu Paid Content auf neunetz.com zerpflückt.

Update 10.11.: Auch der ehemalige “Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer hat die Story nun auseinandergenommen: Autosuggestion beim “Handelsblatt”.

iPad und die Sehnsucht nach Reduzierung

November 8, 2010 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Medien 

Stefan Niggemeier liefert eine der wohl besten Analysen zum Thema iPad und Verlage ab. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schrieb er gestern u.a.:

Viele Anwendungen arbeiten mit der Metapher der Zeitung; die App der „Welt“ simuliert die groben Fasern von Papierkanten, an umgeknickten Ecken wird „umgeblättert“. Es spricht wenig dafür, dass das der Weg ist, junge Leute, die „Digital Natives“, die ohnehin wenig Erfahrungen mit Zeitungen oder Zeitschriften haben, nun auf diesem Gerät für die eigenen Inhalte zu begeistern. Aber die sind nach Meinung vieler Beobachter auch nicht die, die sich für ein iPad vorrangig begeistern können. Es ist eher eine ältere, analogere Generation.

Und:

Hier gibt es offenkundig ein Bedürfnis eines Teils der Mediennutzer nach Endlichkeit und Überschaubarkeit – im Gegensatz zum unendlichen, unüberschaubaren Internet. Es ist eine Sehnsucht nach dem Gefühl, eine Zeitschrift komplett „durchgeblättert“ zu haben, oder die Illusion, informiert zu sein, wenn man die ganze 20-Uhr-“Tagesschau“ gesehen hat. Das trifft sich bestens mit dem Traum vieler Verleger, um die eigenen Inhalte einen Zaun zu ziehen, am Eingang ein Kassenhäuschen aufzustellen und durch eine Taschendurchsuchung zu kontrollieren, dass niemand etwas mitgehen lässt.

Unbedingt den ganzen Artikel lesen! Derweil erzählt Springer-Chef Mathias Döpfner heute im großen “Handelsblatt”-Interview auf S. 8/9 eine Abkehr von der “Umsonst-Kultur des World-Wide-Web”: Die “Phase der kindlichen Begeisterung für die neue Technologie rund um das Internet” gehe erkennbar zu Ende. Ebenfalls eine spannende Lektüre. Online gibt es bislang nur Zusammenfassungen, entweder beim Handelsblatt oder bei turi2.

Update 17 Uhr: Nun steht auch das gesamte Döpfner-Interview online.

Wo bleibt “F*** you” von Cee-Lo Green als MP3-Download?

Oktober 2, 2010 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
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Liebe Plattenindustrie, so wird das nix: Seit Tagen hab ich nen Ohrwurm von Cee-Lo Greens Song “Fuck you”, will ihn mir nun endlich kaufen, und was lese ich bei iTunes? Voraussichtlich erhältlich ab 22. Oktober. Bei Amazon ebenfalls keine Chance. Liebe Leute von Warner Music, der Song ist im Web schon seit Wochen ein Hit, läuft auch im Radio z.B. bei NRJ Sachsen in der Explicit Version rauf und runter – und wenn er sich irgendwann ausgedudelt hat, dann wollt Ihr ihn dann doch mal als legalen MP3-Download verkaufen? So wird das nix mit dem Aufschwung der Musikbranche… Bis dahin muss ich wohl mit YouTube vorlieb nehmen. Und da gibt’s das offizielle Video der Explicit Version für uns Deutsche natürlich nicht, “dieses Video enthält Content von WMG. Es ist in deinem Land nicht verfügbar”. Immerhin: Mit deutschen Texttafeln gibt’s es das dann doch, aber mit fein nach “German Lyrics” suchen, sonst wird das nichts:

Ach ja, und die ulkige Kinder-Version “Forget You” gibt’s dort sogar auch, witzisch:

Aber bitte, liebe Musikindustrie: Klagt nicht über Umsatzschwund, wenn der Dope, den die Leute hören wollen, nirgends verkauft wird. Ist für mich das gleiche Geschrei wie bei den Verlegern und der “Gratis-Kultur” im Internet. Nur: Wenn’s nix zu kaufen gibt, wo sollen dann die Umsätze herkommen?

Netzwerk Recherche 2010 – eine Nachlese #nr2010

Juli 12, 2010 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Journalismus, Medien 

Prolog

Anreise mit Hindernissen: Eigentlich wollte ich am Freitag um 10.30 Uhr beim Jahreskongress von Netzwerk Recherche in Hamburg eintreffen – doch das war ein Satz mit x, das war wohl nix. Wer konnte schon ahnen, dass Deutsche Bahn, ein Selbstmord und Kühe auf den Gleisen für insgesamt vier Stunden Verspätung sorgen würden? Doch der Reihe nach: Der ICE startete in Leipzig statt um 6.51 Uhr erst mit 40 Minuten Verspätung. In Teltow kurz vor Berlin dann eine Notbremsung: Offenbar hatte sich ein Selbstmörder vor den Zug geworfen. Neunzig Minuten Stillstand, dann Evakuierung des Zuges. Interessant, wie so etwas funktioniert: Alle Passagiere müssen sich in einem Wagen sammeln, wo es per Leiter raus aus dem Zug geht und dann per Leiter wieder in einen anderen Zug, der die Reisenden weiter nach Berlin bringt. Dort Ankunft mit zweieinhalb Stunden Verspätung, mehrere Anschlusszüge verpasst. Drei Stunden später als eigentlich geplant dann der Anschlusszug nach Hamburg. Eingestiegen. Doch eine halbe Stunde tut sich nix. Personalmangel, weil die Mitarbeiter ebenfalls Probleme bei der Anreise wegen “Personenschäden” haben, u.a. hat auch noch ein ICE einen Graffiti-Sprayer auf der Strecke Berlin-Magdeburg erwischt. Nix geht mehr. Nach 30 Minuten dann also doch weiter. Eine Signalstörung. “Uns wurden Kühe auf den Gleisen gemeldet – wir müssen jetzt auf Sicht fahren” die nächste Ansage. Auch dieser Zug sammelt so seine Verspätung von einer Stunde auf. Doch ob es ein Fahrgastentschädigung für insgesamt vier Stunden gibt, ist unklar, so die Schaffnerin. Schließlich lägen fast alle Verspätungen an höherer Gewalt. Endlich in Hamburg mit der U-Bahn zum NDR. Dort ist alles schon am Laufen, ich habe vier Vortragsrunden verpasst. Aber wie ich später erfahre, hatten noch viele andere Teilnehmer das Anreiseproblem, mancher Vortrag wird deswegen sogar verschoben.

Nestbeschmutzer gesucht – Wer kontrolliert die Journalisten?

Die erste Veranstaltung, die ich dann mitnehmen kann, dreht sich um Medienjournalismus. Die Diskutanten hauen mit markigen Sprüchen um sich: “Jeder Text von epd-Medien über die ARD löst zehnmal mehr interne Diskussionen aus als ARD-interne Kritik”, meint Thomas Leif, sieht einen Markt für Medienjournalismus, doch dem fehle es an Personal. Am besten gefällt mir Thomas A. Meyer, Chefpublizist des Ringier-Verlags – er hätte mit seiner Schlagfertigkeit und Originalität wohl auch Stand-up-Comedian werden könnt und mimt in der Runde den größten Kritiker: “Ein Lotterjournalist wird Moderator der wichtigsten Talkshow Deutschlands”, teilt er aus.  Danach wettert er gegen einen “Spiegel”-Kollegen, er habe in Sachen Kanzlerin Merkel erst “Marienkult” betrieben, nun plötzlich “Verteufelung”. Doch dass sich Journalisten nicht gegenseitig kritisieren, sei ja unsere Kultur, dies sei wie bei Ärzten die erst ein Konsilium einberufen müssen.

Stefan Aust, Copyright: Florian Treiß

Aufregung im Mediendschungel – Stefan Aust und seine Projekte

Kurzfristig ins Programm gehoben haben die Veranstalter ein Plauderstündchen mit Stefan Aust über dessen aktuelle Projekte. Er erzählt, dass er sich bei der Übernahme von N24 an einem alten Modell orientiert, dass er einst bei Spiegel TV entwickelt hatte: Die Zulieferung von “extrem billigen Nachrichten” für Vox, die zudem auch für den Sender XXP verwendet wurden, der um diese Nachrichten herum gebaut worden war und um Dokumentationen ergänzt wurde. “Ich glaube, man kann es hinkriegen, aber es ist schwer”, so Aust über die Sanierung von N24, den er vor wenigen Wochen zusammen mit dem N24-Management übernommen hatte.  Er betont auch, dass er momentan nur Gesellschafter ist und nicht Geschäftsführer. Der Sender sei außerdem ein Langzeitprojekt, er wolle ihn nicht bloß “wie eine Heuschrecke aufhübschen” und dann wieder verkaufen. Auch sei die ebenfalls erworbene Produktionssparte Maz & More anders als kolportiert “kein Sahnestückchen”. Zu glauben, man könne damit reich werden, sei ein “großes Irrtum”, das Projekt sei vielmehr einfach ein großes Abenteuer.

Zum Zeitschriftenprojekt “Woche” kokettiert Aust, er habe letztes Jahr beim Vertragsabschluss mit der WAZ-Gruppe “einmal einen hellen Moment gehabt” und sich die Rechte einräumen lassen, sollte das Projekt nicht von der WAZ realisiert werden. Auch sagt er: “Ich wär mir nicht so sicher, dass die ‘Woche’ schon bei allen Verlagen vorgestellt wurde.” Schließlich sei er bislang nur eine Art Architekt gewesen, “der nicht verantwortlich ist, die Kredite für die Bauherrn zu besorgen.” Er gibt sich zuversichtlich, die “Woche” mit der neuen Ausgangsbasis verknüpft mit N24 doch noch realisieren zu können, eventuell auch mit branchenfremden Investoren. “Ich kann nicht schwören, dass es klappt”, schränkt er aber ein. Offenbar ist er skeptisch, dass doch noch ein etablierter Verlag anbeisst: Diese hätten die Macht untereinander aufgeteilt, da gehe “nicht einer in den Vorgarten des anderen”. Aber: “Die sollen sich nicht alle ins Hemd machen.” Dass er die “Woche” vor allem aus Rache am “Spiegel” realisieren wolle, sei “total lächerlich”, so Aust: “Ich werd den Deubel tun, mir was auszudenken, nur um mich an jemanden zu rächen.” Als er beim NDR einst nicht Panorama-Chef geworden sei, habe er sich auch nicht gerächt.

Link-Tipps zu Aust: Meedia hat die Veranstaltung noch ausführlicher zusammengefasst als ich. Und die “Zeit” hat mittlerweile ein Aust-Porträt von vergangener Woche online gestellt.

Im Anschluss besuchte ich am Freitag noch die Diskussionsrunden “Schnüffeln, Spitzeln,Spionieren: Boulevard-Recherche ohne Grenzen” sowie “Wir haben keine Chance – Nutzen wir sie. Berufseinstieg im Journalismus”, wozu ich mir aber keine Notizen gemacht habe. Nur soviel: Letztere Veranstaltung war als Präsentation des neuen Readers “Wie aus Praktikanten Journalisten werden” gedacht, der Interviews mit vielen Nachwuchsjournalisten enthält und beim Netzwerk bestellt werden kann.

Markus Beckedahl, Stefan Niggemeier, Maybritt Illner, Hans-Jürgen Jakobs, Georg Mascolo

Heilsbringer „Paid Content“: Rettung für den Online-Journalismus?

Am Samstag morgen zum Munterwerden dann eine Elefantenrunde zu Paid Content – die brachte allerdings nicht viel neues und ging auch nicht über den Kenntnisstand heraus, den ich neulich auf dem European Newspaper Congress referiert hatte und der z.B. im April auch Thema beim Media Coffee von news aktuell Thema gewesen war. Einige Notizen seien hier dennoch zusammengefasst: “Spiegel”-Chefredakteur Georg Mascolo sagt: “Spiegel Online ist frei und wird frei bleiben” und sagt zudem, im Netz gebe es viele Informationen, für die er auch nicht bezahlen wolle. Man solle Paid Content auch nicht einfach nur mit Bezahlinhalt übersetzen – eine Bedeutung von Content sei auch der “Gehalt von Informationen”. Medienblogger Stefan Niggemeier kritisiert, dass im deutschen Online-Journalismus zu sehr auf Masse gesetzt werde. Er vermisse im Web, dass auch mal Geschichten weggelassen werden wie in den Printausgaben der Qualitätszeitungen. Wenn Websites mehr auf Klasse als auf Masse setzen würden, würde die Zielgruppe hochwertiger – ein gewichtiges Argument gegenüber Mediaagenturen statt der schieren Reichweite. Mit der könnten nämlich nur die Nr. 1 und 2 des Marktes gut leben, der Rest nicht. Dem pflichtet Georg Mascolo bei: Ihm sei es egal, dass Bild.de Spiegel Online bei der Reichweite mittlerweile überholt habe, schließlich müssten die Inhalte zur Marke und zur journalistischen Vision passen.

Das sieht auch Hans-Jürgen Jakobs von Sueddeutsche.de so. Anders als bei Radio & TV sei das Reichweitenwachstum im Web fatal – “Sie kriegen immer weniger TKP, je mehr Nutzer sie haben”.  Außerdem würden Websites bestraft für ihre Präzision und Genauigkeit, die sie liefern, schließlich seien die Klick-Werte auf Werbung “beschämend niedrig”. Doch dabei würden die Werbungtreibenden außer Acht lassen, dass die Werbung ja dennoch wie eine Zeitungsanzeige wahrgenommen werde, selbst wenn sie nicht geklickt werde. Zur Diskussion, ob man journalistische Artikel einzeln verkaufen könnte, sagte Jakobs: “Ein De-Bundeling von Angeboten ist aufwändig, bringt nur Kleckerbeträge und macht wenig Sinn.” Auch Sueddeutsche.de wird also vermutlich kostenlos bleiben – und hat übrigens neben Werbung noch eine zweite Einnahmequelle, die den Laden profitabel macht: Für den Verkauf von Print-Abos über die Website werden intern Provisionen gutgeschrieben. Und Sueddeutsche.de ist der größte Abowerber der “Süddeutschen Zeitung”.

Am Samstag besuchte ich ansonsten recht wenig Veranstaltungen, darunter eine Plauderrunde mit Georg Mascolo, in wie weit der “Spiegel” Recherchevorteile gegenüber anderen Medien habe, so wie Ashwin Ramans Bericht über das Leben als Kriegsreporter. Dort flogen die Fetzen, als sich der ehemalige ZDF-Korrespondent Stephan Hallmann mehrmals aus dem Publikum heraus einmischte. Und Günter Wallraff verkündete bei einer Veranstaltung, der habe nun genug Sponsoren zusammen für seine Stiftung zur Förderung des Undercover-Journalismus. Noch in diesem Jahr soll es die ersten fünf Stipendien geben. Weitere Infos dazu bei derwesten.de.

Copyright der Fotos: Florian Treiß

Journalisten glauben nicht an Paid Content

Juni 17, 2010 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Journalismus, Medien 

Nur 26 Prozent der deutschen Journalisten räumen Paid Content, also journalististischen Bezahlinhalten im Netz, gute oder sehr gute Chancen ein. Das ist eines der spannendsten Ergebnisse aus dem Medien-Trendmonitor 2010 der dpa-Tochter news aktuell, für den 2.700 Journalisten befragt wurden. Offenbar glauben Journalisten nicht an ihre eigenen Auftrags- bzw. Arbeitgeber: Nur ein Viertel hält Verlage und Medienunternehmen für gut oder sehr gut gerüstet für die digitale Zukunft. Weitere Infos in meiner Zusammenfassung der Studie bei turi2 oder direkt im Blog von news aktuell bei Jens Petersen. Oder hier als Slideshare-Präsentation die komplette Studie:

Wen das Thema interessiert, der möge sich auch gern die Folien zu meinem Vortrag Finanzierung von digitalem Content auf dem ENC 2010 hier im Blog anschauen.

Mensch, Maschine, Marke: Einloggen13

Juni 14, 2010 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Journalismus, Medien 

Klick- und Lese-Tipp: 15 Volontäre der Evangelischen Journalistenschule haben binnen zweieinhalb Tagen ein Online-Magazin über Journalismus und Social Media produziert: Einloggen13. Unterteilt in drei Ressorts – Mensch, Maschine, Marke -  geht es unter anderem um Leser-Feedback via Facebook,  digitale Kaffeekassen wie Flattr und darum, wie Unternehmer-Journalisten selbst zur Marke werden können. Ein echt gelungener Überblick zu meinen Lieblingsthemen. Weitere Infos zum Projekt  gibt’s bei Matthias Spielkamp, der die Studis betreut hat.

(Gefunden via medialdigital.de)

taz verdient 143 Euro mit Flattr

Juni 2, 2010 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Medien, Web 

Flattr ist ja gerade in aller Munde, auch ich habe Flattr nun in mein Blog eingebaut und schrieb erst gestern darüber. Seitdem sind schon wieder spannende Artikel zu dem neuartigen Micropayment-Dienst erschienen: Robert Basic kommt nach einer Umfrage zu dem Schluss, dass Otto-Normal-Blogger nur 1 bis 10 Euro im Monat damit verdienen kann. Derweil hat taz.de die erste Auszahlung von Flattr bekommen: Für die Artikel innerhalb der ersten zwölf Tage nach Einführung erhielt taz.de immerhin 143,55 Euro, auf den Monat hochgerechnet wären das über 300 Euro. Klingt für so eine große Zeitung nicht viel, aber Flattr ist ja noch in der Closed-Beta-Phase – und Flattr hat bereits eine lebendige Diskussion über das Bezahlen von Inhalten losgetreten. Da geht also hoffentlich noch was.

PS: Auch das Blog Spreeblick hat seine Einnahmen offengelegt und formuliert Wünsche, was sich bei Flattr noch verbessern sollte.

trice.de mit Flattr

Juni 1, 2010 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Medien, Web 

Dankeschön-Ökonomie jetzt auch in meinem Blog: Seit ein paar Tagen habe ich den Dienst Flattr bei trice.de integriert. Unter den einzelnen Artikeln gibt es nun neben den gewohnten Funktionen wie Kommentaren und Facebooks Gefällt-mir-Button auch einen Flattr-Button. Damit können Leute, die meine Texte interessant finden, per Mausklick Dankeschön sagen und mir dadurch einen kleinen Geldbetrag zukommen lassen. Das System ist noch in der Erprobungsphase, um mitzumachen, braucht man einen Einladungscode. Wer Interesse daran hat: Mir eine Mail oder einen Kommentar zukommen lassen. Ich kann aktuell noch drei Leute einladen. Alternativ kann man sich auch bei Flattr.com einen Einladungscode bestellen, das kann aber durchaus mal eine Woche dauern.

Wie das alles funktioniert, will ich hier nicht groß erläutern, empfehlenswert ist z.B. ein Blick auf taz.de: Die “taz” hat als erstes größeres deutsches Medium vor knapp zwei Wochen Flattr eingeführt. Jeder Blogger und Website-Betreiber kann im Prinzip mitmachen: Wer im Monat bereit ist, mindestens 2 bis 10 Euro für interessante Artikel auszugeben, der kann bei sich selbst Flattr-Buttons einbinden und bekommt entsprechend Geld ausgeschüttet, je nachdem wie häufig seine Flattr-Buttons angeklickt werden. Ich bin nun gespannt, ob sich das System durchsetzt, es wäre eine clevere Alternativ zu festen Preisen bei Paid Content.

Hier ein Erklär-Video:

Und ein Video-Interview mit Peter Sunde, dem Erfinder von Flattr:

PS: Noch zwei interessante Links zu Flattr – Carsten Scheibe räumt bei stern.de Flattr gute Chancen ein, interessante Statistiken und Hintergründe zur Einführung von Flattr bei netzwertig.com.

Finanzierung von digitalem Content #enc10

Mai 18, 2010 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Journalismus, Medien 

Der European Newspaper Congress 2010 in Wien ist zwar schon ein paar Tage her, aber da mich im Nachgang mehrere Mails erreichten, die um die Folien zu meinem Vortrag “Finanzierung von digitalem Content” im Rahmen des European Publisher Forum baten, möchte ich sie nun auch hier veröffentlichen:

Für mich war der Kongress eine ganz besondere Erfahrung: Erstmals bekam ich die Chance, als Referent auf einer solchen Veranstaltung aufzutreten – und das gleich im pompösen Festsaal des Wieners Rathauses. Auch die anschließende Podiumsdiskussion mit Romanus Otte von der “Welt” und Stefan Weigel von der “FTD” fand ich sehr spannend.

Noch einige Links, die meinen Vortrag aufgegriffen und teils selbst zusammengefasst haben:

Unbundle the Bundle

April 16, 2010 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Journalismus, Medien 

Georg Mascolo, Karen Heumann, Claus Strunz - Copyright: obs/news aktuell

“Unbundle the Bundle” – mit diesem markigen Claim hat Claus Strunz (im Foto rechts) vom “Hamburger Abendblatt” bei einer Podiumsdiskussion von news aktuell seine Meinung zu Paid Content kundgetan, die ich nur unterschreiben kann. Denn was man im Bereich Paid Content bislang sieht, sind Abo-Modelle: So kann man die Website des “Hamburger Abendblatts”, eine der wenigen in Deutschland mit Bezahlmodell, nur dann vollständig nutzen, wenn man a) ein Print-Abo hat oder b) ein Online-Abo für 7,99 Euro abschließt. Wieso aber kann ich als Gelegenheitsnutzer nicht einfach ab und zu mal einen einzelnen Artikel kaufen? Springer gewährt diese Möglichkeit bislang nicht – und ich kaufe bestimmt kein Abo, weil ich in Leipzig wohne und nur ab und zu einen Text aus Hamburg lesen will. So verschenkt die Zeitung momentan die Möglichkeit, den Long Tail zu erschließen, eines der wichtigsten Geschäftsmodelle im Internet. Dabei kennen sie dieses Geschäftsmodell doch eigentlich auch aus dem Print: Dem Einzelverkauf einer gesamten Zeitung nämlich, und selbst der ist beim “Abendblatt” momentan im Web nicht möglich, vermutlich wegen Vorgaben aus der Springer-Konzernzentrale. Claus Strunz sind also die Hände momentan gebunden. Georg Mascolo vom “Spiegel” (im Foto links) stellte sich bei der Diskussion prompt dagegen: “Verkaufen wir weiterhin eine Wundertüte! Ich bin gegen ‘unbundle the bundle’”. Doch das ist meiner Meinung nach “einsnullig”. Strunz hat Recht, dass die Verleger lieber von der Musikindustrie lernen sollten, für die der Einzelverkauf von Musik-Downloads mittlerweile ein wichtiges Standbein ist.

Weitere Infos zur Diskussion bei news aktuell oder beim Hamburger Abendblatt, dort ausnahmsweise sogar kostenlos. Sehenswert ist auch das passende YouTube-Video.