Götz Alsmann wirbt als Totholz-Forscher für die App der “Zeit”.
“Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Dr. Dr. Dr. Götz Alsmann führt uns in sein Münsteraner Zeitungslabor und präsentiert die neueste Errungenschaft der norddeutschen Totholz-Forschung: die iPad-App der Wochenzeitung DIE ZEIT.” – Besser als diesen YouTube-Introtext kann ich’s auch nicht anteasern: Ein großartiges Beispiel aus der Reihe “Werbung kann auch Spaß machen” liefert nun Blinkenlichten Produktionen im Auftrag der “Zeit”.
iPad und die Sehnsucht nach Reduzierung
Stefan Niggemeier liefert eine der wohl besten Analysen zum Thema iPad und Verlage ab. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schrieb er gestern u.a.:
Viele Anwendungen arbeiten mit der Metapher der Zeitung; die App der „Welt“ simuliert die groben Fasern von Papierkanten, an umgeknickten Ecken wird „umgeblättert“. Es spricht wenig dafür, dass das der Weg ist, junge Leute, die „Digital Natives“, die ohnehin wenig Erfahrungen mit Zeitungen oder Zeitschriften haben, nun auf diesem Gerät für die eigenen Inhalte zu begeistern. Aber die sind nach Meinung vieler Beobachter auch nicht die, die sich für ein iPad vorrangig begeistern können. Es ist eher eine ältere, analogere Generation.
Und:
Hier gibt es offenkundig ein Bedürfnis eines Teils der Mediennutzer nach Endlichkeit und Überschaubarkeit – im Gegensatz zum unendlichen, unüberschaubaren Internet. Es ist eine Sehnsucht nach dem Gefühl, eine Zeitschrift komplett „durchgeblättert“ zu haben, oder die Illusion, informiert zu sein, wenn man die ganze 20-Uhr-“Tagesschau“ gesehen hat. Das trifft sich bestens mit dem Traum vieler Verleger, um die eigenen Inhalte einen Zaun zu ziehen, am Eingang ein Kassenhäuschen aufzustellen und durch eine Taschendurchsuchung zu kontrollieren, dass niemand etwas mitgehen lässt.
Unbedingt den ganzen Artikel lesen! Derweil erzählt Springer-Chef Mathias Döpfner heute im großen “Handelsblatt”-Interview auf S. 8/9 eine Abkehr von der “Umsonst-Kultur des World-Wide-Web”: Die “Phase der kindlichen Begeisterung für die neue Technologie rund um das Internet” gehe erkennbar zu Ende. Ebenfalls eine spannende Lektüre. Online gibt es bislang nur Zusammenfassungen, entweder beim Handelsblatt oder bei turi2.
Update 17 Uhr: Nun steht auch das gesamte Döpfner-Interview online.
Link-Tipps vom 3.8.2010
Irgendwie hab ich tagelang das Bloggen versäumt, nun mal ein paar gesammelte Links der vergangenen Tage und von heute
- Wer sich entblößt, schützt seine Privatsphäre mitunter am Besten, zeigt Leander Wattig am Beispiel von Schauspieler Ashton Kutcher, der Twitter mit Fotos flutet, um uninteressant für Paparazzi zu werden.
- Nur vier Prozent aller Ehen in Deutschland werden zwischen Ost- und Westdeutschen geschlossen. Wer schuld ist? Die Wessis: Mit ihrer Eitelkeit! Mit ihrer Arroganz! …findet unsere Autorin. Eine Abrechnung. Das schreibt das SZ-Magazin.
- Wer pinkelt, verliert: Achim Achilles über seine Lauferlebnisse im Central Park in New York.
- Vodafone analysiert mit der neuen Facebook-App Boost das persönliche Facebook-Netzwerk und zeigt zum Beispiel auf, wer der persönliche Facebook-Doppelgänger ist. Amüsant.
- Die Bundeswehr will mit einem eigenen YouTube-Kanal gegensteuern gegen inoffizielle Videos nach dem Motto “Langeweile bei der Bundeswehr”. Sehenswert: Der historische Beitrag Die Braut im Spind von 1969.
- iPad für Ältere? Die “FAZ” konfrontiert Frankfurter Senioren mit Apples Tablet-Rechner – und stößt auf wenig Begeisterung.
Auto springt dem iPad entgegen
Apple hat ja viele Fans, aber dass der iPad sogar Autos vor Freude in die Luft springen lässt, war mir bislang unbekannt – mein Lieblingsschnappschuss von unserer Reise nach New York:

Unbundle the Bundle
“Unbundle the Bundle” – mit diesem markigen Claim hat Claus Strunz (im Foto rechts) vom “Hamburger Abendblatt” bei einer Podiumsdiskussion von news aktuell seine Meinung zu Paid Content kundgetan, die ich nur unterschreiben kann. Denn was man im Bereich Paid Content bislang sieht, sind Abo-Modelle: So kann man die Website des “Hamburger Abendblatts”, eine der wenigen in Deutschland mit Bezahlmodell, nur dann vollständig nutzen, wenn man a) ein Print-Abo hat oder b) ein Online-Abo für 7,99 Euro abschließt. Wieso aber kann ich als Gelegenheitsnutzer nicht einfach ab und zu mal einen einzelnen Artikel kaufen? Springer gewährt diese Möglichkeit bislang nicht – und ich kaufe bestimmt kein Abo, weil ich in Leipzig wohne und nur ab und zu einen Text aus Hamburg lesen will. So verschenkt die Zeitung momentan die Möglichkeit, den Long Tail zu erschließen, eines der wichtigsten Geschäftsmodelle im Internet. Dabei kennen sie dieses Geschäftsmodell doch eigentlich auch aus dem Print: Dem Einzelverkauf einer gesamten Zeitung nämlich, und selbst der ist beim “Abendblatt” momentan im Web nicht möglich, vermutlich wegen Vorgaben aus der Springer-Konzernzentrale. Claus Strunz sind also die Hände momentan gebunden. Georg Mascolo vom “Spiegel” (im Foto links) stellte sich bei der Diskussion prompt dagegen: “Verkaufen wir weiterhin eine Wundertüte! Ich bin gegen ‘unbundle the bundle’”. Doch das ist meiner Meinung nach “einsnullig”. Strunz hat Recht, dass die Verleger lieber von der Musikindustrie lernen sollten, für die der Einzelverkauf von Musik-Downloads mittlerweile ein wichtiges Standbein ist.
Weitere Infos zur Diskussion bei news aktuell oder beim Hamburger Abendblatt, dort ausnahmsweise sogar kostenlos. Sehenswert ist auch das passende YouTube-Video.
iPad: Message-Artikel und Videos
Der iPad ist in aller Munde – und diese Woche erscheint die neue Ausgabe der Journalismus-Zeitschrift “Message”. Darin steht auch ein 5-Seiten-Artikel von mir, in dem es neben dem iPad noch um andere Technologie-Hypes wie Second Life, Twitter, Facebook, QR-Codes, Handy-TV und Amazons Kindle geht. Bereits Ende Februar / Anfang März hab ich dafür Meinungen eingeholt von den Medienberatern Peter Schink und Thomas Knüwer, von Scholz-&Friends-Experte Nico Lumma, von Springer-Akademiker Ansgar Mayer sowie von Focus-Online-Chefredakteur Jochen Wegner. Auch wenn die neuesten Entwicklungen der vergangenen Tage wie z.B. die Kiosk-App der “Welt” fürs iPad noch nicht drin sind: Ich hoffe, der Text ist dennoch lesenswert. Online steht allerdings nur eine kleine Leseprobe, den kompletten Beitrag gibt’s nur im Print-Heft:
Hoffen auf die Wunderwaffe
Wird der iPad den Journalismus erneuern? Kann sich die Verleger-Branche mit Paid Content retten? Vielleicht. Bisher jedoch sind die meisten vermeintlichen Techno-Heilsbringer schnell gefloppt.
Auf YouTube gibt’s übrigens ein wunderschön schräges Video zum iPad: Will it Blend? Viel Spaß:
iPad bei Mad TV
Die Macher von Mad TV haben Apples iPad schon 2005 vorhergesagt, wie dieses Video beweist. Bei National Public Radio gibt’s ein paar Hintergrundinfos zum iPad von Mad TV.




