Michael Spreng vs. Angela Merkel
Michael Spreng, ehemaliger Wahlkampfberater von Edmund Stoiber und Jürgen Rüttgers, läuft dieser Tage zur Höchstform auf, wenn es darum geht, Angela Merkel öffentlich abzuwatschen. Seine Analysen sind einfach köstlich:
- Die Zombie-Regierung: “Zombies sind Untote, scheinbar Lebende, ihrer Seele beraubte, willenlose Wesen. Nach dieser Definition hat Deutschland zum ersten mal eine Zombie-Regierung: es gibt sie, aber sie ist in Wirklichkeit tot. Die schwarz-gelbe Koalition ist nur noch eine K.o.alition.”
- Merkels Münchhausen-Plan: “Das Grundproblem ist, dass Schwarz-Gelb keinen Masterplan hat, keine Verknüpfung der Lösung der zentralen gesellschaftlichen Probleme zu einem Gesamtkonzept.”
- Interview mit der FAS: “Kein Spin-Doctor kann die mangelnde Autorität der Kanzlerin ersetzen. Kommunikation kann nicht besser sein als die Politik. Insofern ist jeder zu bedauern, der für Regierungskommunikation verantwortlich ist. Man kann nicht faule Äpfel als frisches Tafelobst verkaufen. It’s the politics, stupid.”
Wer mehr davon will: Sicher geht’s bald auf Michael Sprengs Blog sprengsatz.de weiter…
Rüttgers ist kein Held
Jürgen Rüttgers und seine NRW-CDU zeigen mit dem Wahlkampf-Musikvideo “NRW in guten Händen” recht eindrucksvoll, dass deutsche Politiker lieber nicht US-Wahlkampfmethoden abkupfern sollten. Weitere Infos bei den Ruhrbaronen und in einem Piraten-Blog. Für meinen Geschmack einfach nur skurril, aber nicht ernst zu nehmen.
Geld verdienen mit BILD
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Lesetipp des Tages: Joachim Dethlefs hat sich einen Artikel der “Bild” vorgeknöpft, in dem das Boulevardblatt verrät, wie man Geld im Internet verdient. Dumm nur, dass es dabei fast nur um die Springer-Tochter Zanox geht. Amüsante Sache, hier nachlesen.
Abschnittsbevollmächtigter 2.0
Schon ein paar Tage alt, neulich in meinem Briefkasten entdeckt: Der Tip Werbeverlag hat mich persönlich (bzw. sicher als Massenbrief) angeschrieben – man “benötigt meine Unterstützung”. Die werde ich aber nicht geben – denn ich habe keinerlei Lust, “bei der Sicherstellung der Verteilung unseres ‘TIP der Woche’ mitzuhelfen”. Denn das klingt mir nach Abschnittsbevollmächtigter 2.0: Ich soll innerhalb von 12 Wochen mindestens zehnmal eine Servicenummer anrufen und durchgeben, ob ich das Werbeblatt erhalten habe oder nicht. Dann winke ein Kaufland-Gutschein über 6 Euro.
Nun frage ich mich natürlich – was ist Sinn und Zweck des Schwachsinns? Soll man den Blockwart spielen und schludernde Verteiler denunzieren? Was anderes kann ich mir unter dem Motto “Qualitätssicherung” nämlich nicht vorstellen. Und dazu habe ich keine Lust. Zumal die Leute mich schon einige Wochen zuvor angerufen hatten und mich fragten, ob ich denn den “TIP der Woche” bekommen hätte – ich: “Ich habe einen Aufkleber ‘bitte keine Werbung’ – glücklicherweise habe ich das nicht bekommen.”
Schlusspointe: Im Brief des TIP Werbeverlags steht dann noch: “Bitte beachten Sie unbedingt, dass Sie mit einem Werbeverbot am Briefkasten nicht an dieser Aktion teilnehmen können.” Mein Reden, war auch nie meine Absicht!
Notabene: Der Tip Werbeverlag gehört zu Kaufland, was wiederum zur Schwarz-Gruppe (Lidl) gehört. Und Lidl ist ja durchaus auch für unorthodoxe Methoden bekannt…
Kreativ schreiben
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…können nicht nur Harald Martenstein, Axel Hacke und Co., sondern auch die Mitarbeiter der Pressestelle der Leipziger Polizeidirektion. Fast täglich beglücken Sie mittlerweile Ihre Fans in der Leipziger Bloggemeinde (siehe Heldenstadt, Mensa-Blog, ePenis) mit schön ausformulierten Pressemeldungen. Subtil formulieren Sie eine Mischung aus bestem Amtsdeutsch und hübschen Kalauern. Eine Kostprobe:
Diebische Alchimisten
Ein Anwohner (64) des Wolteritzer Weges sah am 13.09.2007, gegen 14:45 Uhr, zwei junge Leute, welche das Kupferfallrohr von seinem Haus abrissen. Nachdem es ihnen gelang, ein etwa 2,50 Meter langes Stück abzutrennen, entfernten sie sich mit ihren Rädern in Richtung einer nahen Metallankaufstelle. Der 64-Jährige informierte die Polizei und Beamte des Reviers Leipzig-Nord fuhren sofort zum vermeintlichen Ankäufer. Dort fanden sie zwar die Tatverdächtigen nicht mehr vor, konnten aber das gestohlene Fallrohr sicherstellen. Während die Beamten das erforderliche Protokoll ausfüllten, kam ihnen der Kollege Zufall zu Hilfe, denn die beiden Täter (w15 und m17) erschienen erneut. In der Zwischenzeit hatten sie bereits das nächste Fallrohr gestohlen und wollten auch dieses in goldene Münzen verwandeln. Für dieses Unterfangen – nach dem Strafgesetzbuch ein Diebstahlsdelikt – müssen sie sich nun verantworten. (Loe)
Wem es nach noch mehr Polizeiprosa dürstet: Fans haben mittlerweile einen RSS-Feed gebastelt, den das LEPD von Haus aus leider noch nicht bietet. Wer kennt bitteschön eine Polizeipressestelle, die sprachgewandter ist als die Leipziger?
Gebasteltete Filmszenen
Sehr spaßig: Unter stationarymovies.com gibt’s ein cooles Filmrätsel. 20 Filmszenen wurden mit Büromaterialien nachgestellt, nun darf man entschlüsseln, welche Filme es sind. Solche originellen Werbeaktionen sollte es häufiger mal geben!
Von Bloggern abschreiben statt Recherche (2)
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Ich hatte ja bereits darüber berichtet, dass sich die Schweizer Zeitung “Heute” in ihrer Online-Version selbst dafür lobte, von US-Bloggern abzuschreiben. Das würde Geld sparen und das Klima schonen. Nicht nur ich fand diese Haltung merkwürdig, sondern wohl auch einige Leser. Unter der Rubrik “Trashcan” haben die Kollegen dort nun eine Reaktion publiziert:
Fazit für mich daraus ist, dass Eure Journalisten also zu klug sind, um auf die genauen Informationen der Agenturen und Pressmeldungen zu warten und dafür lieber Inhalte aus US Bloggs abschreiben? Entschuldigung aber dann ist ja wohl die Bezeichnung Journalist etwas übertrieben, denn so sind das höchstens Übersetzer, wenn sie die Texte auf Deutsch adaptieren.
Mehr dazu auch bei Peter Hogenkamp.
User generated Werbung & Video
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User generated Content, also von Nutzern erzeugte Inhalte, gelten ja als das Markenzeichen des Web 2.0. Das muss sich wohl auch Robert Basic gedacht haben, als er nun ein neues Vermarktungskonzept für sein Blog entwickelt hat: Die Nutzer seines Blogs (also die Leser/Kommentatoren) sollen selbst die Werbekunden für ihn heranschleppen. Hintergründe und Diskussion dazu in seinem Blog.
Was bedeutet das? Die Demokratisierung der Anzeigenakquise sozusagen. Wer ihm Anzeigen vermittelt, der bekommt 33 % Provision. Klingt nicht schlecht, zumal bei seinem “Advertising 2.0″, wie es Misses Linkfire in in den Kommentaren nennt, auch ordentliche Preise gezahlt werden soll. Denn wenn er es wirklich schafft, dauerhaft 5 Anzeigen zum angepeilten Preis von 10 Euro TKP (Tausend-Kontakt-Preis, also der Preis für eine Anzeige pro 1000 Leser) reinzubekommen, dann wird das einen stattlichen Umsatz abwerfen. Schließlich hat sein Blog 250.000 Pageimpressions pro Monat. Die Milchmädchenrechnung lautet also:
250 * 10 Euro * 5 Anzeigen = 12.500 Euro Umsatz
Peter Turi: “Meine Meinung dazu? Wenn es funktioniert, schreibt Basic Werbegeschichte. Wenn nicht, hat der Techno- und Community-Papst zumindest ein weiteres Alleinstellungsmerkmal.”
Marnem in den Kommentaren: “Das Konzept ist saudoof, weil es so simpel ist, da hätte jeder darauf kommen können bzw müssen. Du bietest Werbeflächen an, zahlst sogar eine fette Provision und eine ganze Reihe an Bloglesern wird nun zu ihren Chefs rennen, um Werbung bei Dir schalten zu lassen und Provision kassieren. Die gewerblichen Werbevermittler gehen dabei leer aus.”
Dann noch ein Hinweis auf ein anderes UGC-Projekt: Die Fantastischen Vier rufen die Nutzer von Myvideo dazu auf, ihnen das Musikvideo zur nächsten Single “Ichisichisichisich” zu entwickeln. Der Sieger des Wettbewerbs bekommt ein Honorar von 44.444 Euro. Vorgabe ist ein Comic/Animationsclip. Mehr Infos hier.
Lobbyisten als Leihbeamte (3)
Nachtrag zu meinem letzten Beitrag über Lobbyisten als Leihbeamte: Ich hatte darin u.a. auch von der ominösen Website jobs-in-ministerien.de berichtet, auf der eine angebliche Vermittlungsagentur für eine Runde 2 des Programms “Seitenwechsel” warb. Nun heißt es dort seit gestern:
“www.Jobs-in-Ministerien.de” war Teil der Aktion von LobbyControl, um auf den Missstand aufmerksam zu machen, dass Mitarbeiter von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden in Ministerien arbeiten. Mit der ironischen Zuspitzung einer fiktiven Vermittlungsagentur wollten wir die Debatte voranbringen, ob und in wieweit diese Art des Personalaustausches in einem demokratischen System zulässig ist. Auf der Seite www.keine-lobbyisten-in-ministerien.de gehen wir gezielt auf die Problematik ein. Die vermeintlichen „Stellenangebote“ hat es in ähnlicher Form übrigens tatsächlich gegeben…
Ich fand’s ne witzige Idee!
Uni als Unternehmen
Keine Ahnung, ob ich nur durch meine anstehende Prüfung in Politikwissenschaft dafür momentan so hellhörig bin. Auf jeden Fall kritisiert Bodo Zeuner, einer der letzten Professoren des Berliner Otto-Suhr-Insituts aus der 68er Bewegung, in seiner Abschiedsvorlesung das Wirken von Bertelsmann Stiftung und Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Sachen Hochschulpolitik und vor allem die Akzeptanz derer Ideen an den Universitäten. Als Beleg führt er u.a. an, dass FU-Präsident Dieter Lenzen sich selbst bei der INSM engagiert und geht mit ihm hart ins Gericht:
Nach traditionellen Maßstäben müsste sich jeder, der in den Verdacht gerät, die Wissenschaft in den Dienst eines solchen Propagandaapparats zu stellen, für das Amt eines Universitätspräsidenten disqualifizieren. Herr Lenzen aber ist ein ehrenwerter Mann, in diesem Jahr wurde er mit wenigen Gegenstimmen wiedergewählt. Das zeigt einen Normwandel hinsichtlich dessen an, was Universität sein und wozu sie dienen soll.
Das Ziel dieses Wandels ist es, Hochschulen zu schaffen, die privat nutzbare und auf dem Markt veräußerbare Waren produzieren. Also werden die Studierenden zu Kunden umdefiniert, die verwendbare Qualifikationen und entsprechende Zertifikate nachfragen und diese mit Studiengebühren bezahlen.
Die Rede Zeuners dokumentiert die taz in der Ausgabe vom morgigen Montag. Seine Meinung ist, dass Unis als Unternehmen einfach nicht funktionieren können:
Es geht um den Charakter der Wissenschaft. Sie kann sich nicht völlig den Schuh- oder Automobilproduzenten angleichen, denn sie unterliegt dem Wahrheitskriterium, während Schuhe und Autos nur nützlich sein müssen.
Nachtrag: Während in der taz nur eine gekürzte Version steht, gibt es mittlerweile die gesamte Rede bei den NachDenkSeiten.
