Kai Diekmanns Koffer-Albtraum
“Bild”-Chef Kai Diekmann hat’s doppelt hart getroffen – erst fliegt er mit seiner Götter-Gattin Katja Kessler nach Marokko in den Urlaub, doch die Koffer kommen nicht mit und Che Kai muss drei Tage lang das selbe T-Shirt tragen. Dann taucht Diekmanns Koffer wieder auf, doch Kesslers Koffer bleibt verschollen – aber halb so wild, denn sie braucht die Bikinis darin nicht mehr, weil das Wetter plötzlich kacke ist (wie übrigens auch andere Zeitzeugen bestätigen). Dann fliegen die beiden zurück – und was fehlt, ist erneut KDs Koffer. Und getreu dem Motto “Die Themen liegen auf der Straße” hat der “Bild”-Chef dann eine noch tollere Idee: “Meinen Millionen Bild-Leser könnte das gleiche widerfahren wie mir”, muss er sich gedacht haben und hat sofort nach der Rückkehr seine Redaktion auf die Story angesetzt. Et voila: Heute steht in der “Bild” auf Seite 4 ein großes Service-Stück zum Thema Albtraum: Koffer weg!
Wirbel um “50 pro Semester”
Heute morgen lief die Meldung schon bei meinem besten Kunden turi2 als Background-Meldung:
ProSieben in der Kritik: Kinderschützer und Kirchen protestieren gegen die geplante Scripted-Reality-Show “50 pro Semester”, in der fünf Studenten darum wetteifern, wer am meisten Frauen oder Männer ins Bett bekommt.
ln-online.de
Der Aufschrei wird nun immer größer um diese zweifelsohne schwachsinnige Sendung, die kommendes Jahr um 16 Uhr im Nachmittagsprogramm laufen soll. Was mich aber echt wurmt: Nicht alle Journalisten-Kollegen machen sich die Mühe, überhaupt zu erklären, was da passiert. Scripted Reality bedeutet nämlich nix anderes als ein fiktives/gestelltes Programm, dass vorm Look her wirken soll wie eine Doku. Bei Welt Online steht z.B. ein Text, der es sich einfach macht und schreibt:
Ärger um eine Doku-Soap auf ProSieben: In “50 pro Semester” sollen ab Januar 2010 fünf Studenten gegeneinander kämpfen, wer von ihnen die meisten Partner ins Bett bekommt.
Aber eine Doku-Soap ist das doch gerade nicht, sondern ein dummer Fake, der im Nachmittagsprogramm schocken soll. Die Kollegen von Spiegel Online sind da genauer:
Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer übt harsche Kritik an der geplanten ProSieben-Reihe “50 pro Semester”. Darin sollen sich Studenten einen Flachleg-Wettbewerb liefern. Der allerdings ist nur gestellt – mit Schauspielern.
Dabei hat Alexander Kissler in der “Süddeutschen” gerade erst berichtet, worum es in Scripted Reality überhaupt geht. Bitte mal nachlesen, wie RTL diesen Quatsch perfektioniert hat:
Erst mit diesem Paradigmenwechsel von Laien, die sich selber spielen, zu Laien, die fiktive Figuren in ausgedachten Konflikten darstellen, kam der Quotenerfolg. Authentizität fasziniert offenbar umso mehr, je künstlicher sie ist.
Danke!
PS: Zur Ehrenrettung von Welt Online – dort gibt’s mittlerweile auch einen frischeren Text, der die Sache genauer aufdröselt. Und vermutlich ist an der ersten Murks-Meldung die Agentur ddp Schuld, zumindest steht deren Kürzel drunter.
Kai Diekmanns Schniedel-Plastik
Jetzt wird’s lustig: Die Schelme von der “taz” haben vom Künstler Peter Lenk ein Penis-Relief am “taz”-Verlagsgebäude anbringen lassen, dass nun die Gemüter erhitzt. Unter anderem ist darauf laut “taz” “Bild”-Chef Kai Diekmann mit 16 Meter langem Schniedel zu sehen (sic!). Doch nicht alle Mitarbeiter der “taz” sind darüber so glücklich, so fordert die neue Chefredakteurin Ines Pohl im Contra-Part eines Pro & Contras, die Installation wieder einzupacken:
“Geht es nach dem Künstler Peter Lenk, dann soll ich mein Fahrrad jetzt für zwei Jahre jeden Morgen unter einem sechs Meter langen Pimmel abschließen. Unter zwei recht prallen Hodensäcken also mein Tagwerk beginnen. Was für eine klägliche Provokation. Wie öde. Und sie wird auch nicht dadurch unterhaltsamer, dass Bild-Chef Kai Diekmann als Eigentümer dieses Körperauswuchses auszumachen ist. Ich habe schlicht keine Lust auf diese aufgeblasene Spießigkeit, die sich um den ewig traurigen Männermachtkampf dreht: Wer nun hat den Längeren? Mann, diese Diskussionen sind mindestens von vorgestern, Tabubrüche kommen nicht mehr in Schwanzform daher.”
Derweil hat auch Kai Diekmann die neue Provokation von gegenüber entdeckt (Springer- und taz-Gebäude liegen vis-a-vis). Und nimmt die Sache in seinem 100-Tage-Blog satirisch:
“Mit einer spektakulären Aktion hat die taz bewiesen, dass auch meine Lieblings-Linken zum Lachen nicht ausschließlich in die Keller gehen: Die Genossen haben ihrem Rechtsanwalt Jony Eisenberg ein Denkmal gesetzt.”
(Foto: kaidiekmann.de)
Weiter – neue Wochenzeitung für Leipzig
In Leipzigs Medienlandschaft tut sich was: Heute erschien die erste Ausgabe von “Weiter”, einer neuen Wochenzeitung, die von nun an immer freitags herauskommen soll – und das auf 16 vierfarbigen Seiten. Die erste Titelstory beschäftigt sich mit dem Stellenabbau bei der Polizei. Der erste mediale Ritterschlag für “Weiter” kommt übrigens von der “taz”, die heute ausführlich über das Projekt berichtet hat. Ebenfalls lesenswert ist ein Artikel bei news.de. Bleibt mir nur, den Machern viel Glück, tolle Stories und viele Käufer zu wünschen, damit es nicht bei einem reinen Selbstausbeutungsprojekt bleibt. Die Homepage von “Weiter” heißt nochweiter.de, dort gibt’s auch Hinweise auf die Verkaufsstellen.
Link-Tipps vom 21.9.09
Leseempfehlungen für heute:
- Martin Weigert meint, dass es deutschen Start-Ups an Naivität fehlt, der Realismus würde sie lähmen. netzwertig.com
- Markus Hesselmann fordert “Spießer in den Cyberspace”, damit die Diskussion über das Internet endlich nicht mehr nur Alpha-Bloggern überlassen wird. tagesspiegel.de
- Frank Schirrmacher geht in die selbe Richtung und fordert, Nerds endlich ernst zu nehmen, siehe auch Piratenpartei. faz.net
- Mein Kollege Björn Czieslik wundert sich, wie “tz” und “Abendzeitung” eine vollkommen unterschiedliche Wahrnehmung vom Wiesn-Start haben. czieslik.com
- Die Basketball-Bundesliga hat offenbar endlich einen neuen Titelsponsor, den Weißwaren-Spezialist Beko. fivemag.de
- Die Phantoms Braunschweig werden in Saison 2009/10 heimlich, still und leise zum “Team Germany” und wenden als erste die 6+6-Regelung an. Und sie schaffen’s in die Playoffs, meint gruebelei.de
Yes, we gähn!

Bild und taz sind sich beim Kanzler-Duell so einig wie selten – und titeln beide “Yes, we gähn!”
Das Altpapier von dnews (daher hab ich dieses Fundstück) fasst die Berichterstattung übers Kanzler-Duell im übrigen treffend zusammen:
“Merkel und Steinmeier – wenig Duell, viel Duett“, titelt Welt Online. „Das Duell gerät zum Duett“, schreibt Sueddeutsche.de. “Duett eines älteren Ehepaars”, titelt Stern.de. Unter der Zeile “Duett oder Duell” zeigt Focus.de einen Zusammenschnitt des, äh, Duells. “Duett statt Duell”, titelt Der Freitag online. “Duett statt Duell”, schreibt an anderer Stelle Sueddeutsche.de. “Duett statt Duell”, titelt die Berliner Morgenpost. “Duett statt Duell”, schreibt der Tagesspiegel. Nur der Donaukurier hat eine echte Überraschung parat: “Doch mehr Duett als Duell”.
Aids als Massenmörder
Aids is a mass murderer – Aids als Massenmörder: Der Verein Regenbogen e.V. hat zum Welt-Aidstag 2009 eine virale Werbekampagne gestartet, die – nunja – sehr grenzwertig ist. In einem Video geht’s erst heiß zur Sache, dann entpuppt sich der One-Night-Stand als Hitler. Heftig! Beim Werbeblogger gibt’s weitere Infos dazu.
Update 9.9.09: Ich habe das YouTube-Video auf dieser Seite wieder entfernt, da es dort schon mehrmals gesperrt wurde. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, der gucke am Besten auf der Website der Kampagne. Das Hitler-Video ist mittlerweile massiv in der Kritik, die Deutsche Aids-Hilfe fordert, dass die Kampagne gestoppt wird, siehe bild.de und Spiegel Online.
Wild losgeknüwert
Burda hat heute sein neues Börsen-Nachrichtenportal Finanzen100 gestartet – und einen Sturm der Entrüstung losgetreten, noch bevor es überhaupt eine offizielle Pressemitteilung gab. Allen voran “Handelsblatt”-Blogger Thomas Knüwer, der schrieb:
Und nun ist da wieder so eine Web-Zecke. Einer, der wie Google News, ohne zu fragen einfach Teile von Artikeln veröffentlicht.
Worum geht’s? Finanzen100 ist ein sogenannter Aggregator, der die Nachrichten von anderen Websites automatisch zusammenklaubt und sie dann zusammengerafft auf der eigenen Seite veröffentlicht. Genau wie Google News eben. Und eben dieses Prinzip ist vielen Verlegern ein Dorn im Auge – allen voran eben jenem Hubert Burda, zu dessen Reich Finanzen100 gehört. Doch was ist nun des Rätsels Lösung, wieso Knüwer eigentlich doch nicht auf Burda sauer sein darf? Die Burda-Kommunikation funktionierte offenbar langsamer als die Geschwindigkeit des Web 2.0 es eigentlich benötigt: Denn erst ein paar Stunden später wurde klar, dass Burda einen anderen Weg gehen will, und zwar den des Revenue-Sharings. Publisher, deren Snippets auf dem Mitte September startenden 2. Burda-Aggregator nachrichten.de erscheinen, bekommen von Anfang an bis zu 20 Prozent der Werbeumsätze von Burda. Und dieses Modell wird’s wohl auch bald bei Finanzen100 geben. Weitere Infos beim Netzökonom, bei Meedia und natürlich bei turi2.de.
Kiosk-Tipps: stern, FHM, TV Movie.
Ein paar aktuelle Tipps für den Einkauf am Kiosk:
- Der neue “stern” enthält eine große Titelgeschichte über die “Generation Facebook”. stern.de
- “FHM” erscheint mit gleich sechs unterschiedlichen Covern verschiedener Radio-Moderatorinnen. bigtrends.de
- der “TV Movie” liegt ab morgen Quentin Tarantinos Film “Death Proof” auf DVD bei, sein letztes Werk vor “Inglorious Basterds” und zugleich eine tolle Homepage Hommage ans Grindhouse-Kino der 70er. Der Spaß kostet nur 3,50 Euro. (Quelle: Pressemitteilung)
Konkurrent oder Tochter?
Konkurrent oder Tochter? Die Kollegen von Handelsblatt.com können sich offenbar nicht entscheiden, ob Gruner + Jahr denn nun ein Konkurrent von Bertelsmann ist oder vielleicht doch eher eine Bertelsmann-Tochter (ich plädiere für letzteres):

