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Merkwürdiges CHE Hochschulranking
Ich habe noch nie viel von irgendwelchen Rankings gehalten – und nachdem ich gerade an der Befragung für das berühmt-berüchtigte CHE Hochschulranking teilgenommen habe, hinter dem die Bertelsmann Stiftung steckt, haben sich meine Zweifel auch nicht gelegt. Wirklich freiwillig habe ich da auch nicht mitgemacht, aber ich hatte einen Brief von denen bekommen, den mir meine Uni weitergeleitet hatte. Und da wollte ich dann doch nicht sein sagen…
Also musste ich gerade meinen Studiengang Diplom-Journalistik bewerten. Allerdings auf eine Weise, bei der mir schleierhaft ist, wie da jemals aussagekräftige Ergebnisse bei rauskommen. Denn ich musste mehrere Dutzenden Fragen beantworten – aber die Antworten konnten nicht frei erfolgen. Stattdessen musste ich meist Schulnoten auf einer Skala von 1 bis 6 vergeben. Also eine rein quantitative Befragung. Und das finde ich sehr problematisch, denn so kann man nicht wirklich einen Finger in etwaige Wunden legen, sondern muss stupide immer nur irgendwelche Kreuzchen machen. Das Ranking kann auf diese Weise eher schlecht als recht herausfinden, wo der Schuh drückt.
Überhaupt denke ich manchmal, diese Art von Ranking führt einzig und allein dazu, dass sich die siegreichen (denn der Sinn eines Rankings ist ja, einen Rangliste zu erstellen) Unis bzw. Fachbereiche dran aufgeilen können, wie ach so toll sie sind, während die Verlierer niemals konkret erfahren werden, woran es konkret gelegen hat. Natürlich sind die Fragen in verschiedene Themenkomplexe unterteilt. Doch was hilft es mir, wenn ich weiß, dass die Studenten beispielsweise der Qualität der Seminare im Schnitt nur eine Schulnote drei geben, aber nicht abgefragt wird, wie man die Qualität verbessern kann?!? Und leider ist die Befragung genauso aufgebaut…
Die Ergebnisse des Rankings sollen natürlich vor allem Abiturienten ansprechen: Welche Uni ist toll, wo sollte ich mich bewerben/einschreiben? Darum geht’s bei sowas. Doch ob irgendwelche Zahlenkolonnen wirklich eine große Hilfe sind? Man mag es bezweifeln! Viel schöner wäre es doch, statt quantitativ qualitativ zu erforschen, was gut und was schlecht läuft an den Unis. Aber die Rankings sind natürlich einfacher durchzuführen und so wunderbar schwarz-weiß-malerisch.
Vielleicht hätte ich lieber doch nicht mitmachen sollen bei der Befragung und den Weg einschlagen sollen, den die Leute an der Alice-Salomon Fachhochschule für Sozialwesen in Berlin-Hellersdorf gehen. Sie wollen das Ranking nämlich dieses Jahr boykottieren, u.a. weil es CHE und Bertelsmann Stiftung darum gehe, “knallharten Wettbewerb” durchzusetzen und die “Optimierung der Hochschulen, um besser Humankapital für die Wirtschaft züchten zu können”.
Ganz so schlimm ist es hoffentlich nicht, aber allein schon weil mir dieses Ranking – wie erläutert – viel zu oberflächlich erscheint, sollte man sehr kritisch damit umgehen.
Links zum Thema:
- Telepolis: Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik
- studis-online.de: Wie das Centrum für Hochschulentwicklung Politik an Hochschulen macht
- ASta der Alice-Salomon FH: Textsammlung zum Boykott des Rankings
- Telepolis: Die Welt in Zahlen
Kommentare
2 Kommentare on Merkwürdiges CHE Hochschulranking
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Florian Treiß on
Mo, 29th Okt 2007 22:56
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Rocco on
So, 24th Feb 2008 02:13
Manueller Trackback:
…Postskriptum: Florian Treiß hat den Brief auch bekommen, widerwillig gerankt und dann weit fundierter gebloggt…
Hi, interessant zu diesem Thema ist aufgrund der verschiedenen Methodik das Unicp-Hochschulranking. Hier kann der Beunutzer ein Ranking erstellen und es mit den eigenen Vorlieben gewichten. Was hällst du als Ranking Experte davon? Mir gefallen die “Fun-Indikatoren” z.B. hohe Frauenquote etc.
Grüße,
Ralf
Hier ist der link: http://www.unicp.de
