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Free Burma – einen Tag danach

5. Oktober 2007 · Kategorien: Blogs/Web 2.0, Politik 

Wie viele andere Blogs auch habe ich gestern hier an der Aktion “Free Burma” teilgenommen. Dabei ging es um Protest gegen die brutale Militärdiktatur dort. Mittlerweile gibt es einige spannende Analysen zu der Aktion:

Jan Tißler schreibt bei Upload “vom Luxus des Protestes und der Macht der Blogs” und fragt sich, wie glaubwürdig die Aktion war:

Burma wird in diesem Blog wie in vielen anderen wohl kaum wieder eine Rolle spielen. Ebenso die hunderten oder tausenden anderen Konflikte und Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Mit ein bisschen Glück haben wir jetzt aber ein, zwei Blogger mehr, die sich für politische Themen interessieren. Und vielleicht werden die sich dann genau damit beschäftigen: alle diese Diktatoren, diese Kriege, Morde, Folter. Oder auch Hunger und Elend. Oder meinetwegen Umweltzerstörung.

Er ist auf jeden Fall begeistert über das Mobilisierungspotenzial der Blogs – auch wenn die Diktatoren in Burma dadurch natürlich noch lange nicht zurücktreten werden.

Vor allem aus wissenschaftlicher Sicht interessant ist Benedikt Köhlers Analyse der Mobilisierungsmuster innerhalb der Blogosphäre – in Windeseile hat er die Daten ausgewertet und eine Präsentation ins Netz gestellt, die ich hier auch gleich mal einbetten möchte. Dort sieht man gut, dass wenige zentrale Blogs als enorme Multiplikatoren funktionieren. Ganz neu ist diese Erkenntnis nicht, aber Benedikt Köhler gelingt so ein ziemlich guter Nachweis, dass dies bei der Free-Burma-Protestaktion so war:

Und wie habe ich diese spannende Präsentation entdeckt? Natürlich via Robert Basic, einem der wichtigsten Stützen und Multiplikatoren der Aktion. Er hat die Aktion natürlich ebenfalls ausgewertet. Er kommt zu einem positiven Fazit, ist aber traurig über die A-Blogger aus den USA, die sich nicht beteiligen wollten, so dass die Aktion letztlich vor allem in Deutschland und Italien groß wurde:

Obwohl wir über verschiedene Ecken an die herangetreten sind, haben wir nicht einen einzigen Ton von denen gehört, ob man uns helfen möchte oder wenn nicht, warum. Gerade weil die Uberblogger als internationale Drehscheibe dienen, hätte das annahmegemäß sehr gut geholfen, uns noch besser zu vernetzen. Aber nix. Gut, so isses, fertig. Da ich kein Feedback habe, warum da nix kam, kann ich keine Lehren draus ziehen, das ärgert mich letztlich am meisten. Wer das Warum nicht kennt, kann keine Schlüsse ziehen. Zumal das internationale Bridgebuilding (also das Verknüpfen der verschiedenen “Blognationen” untereinander), das hat auch diese Aktion gezeigt, steckt noch in den sehr frühen Anfängen und zZt fungiert das alles dominierende und international themensetzende Zentrum der Blogosphäre (USA) eher als eine Einbahnstraße ohne Rückkanal.

Kommentare

2 Kommentare on Free Burma – einen Tag danach

  1. Benedikt on Fr, 5th Okt 2007 22:56
  2. Besonders auffällig war für mich der deutliche Unterschied zwischen den Kommunikationsmustern in der deutschsprachigen und der italienischen Blogosphäre. Das kommt in den Grafiken noch nicht so gut heraus, aber dazu werde ich noch etwas machen.

    Übrigens gibt’s hier jetzt eine kurze (natürlich anonyme) Umfrage, mit der wir (Wissenswerkstatt und ich) etwas mehr über die Mitwirkenden an der Blogaktion erfahren wollen. Wer Lust und ein paar Minuten Zeit hat, möge sich das doch einmal ansehen: http://ofb.msd-media.de/burma

  3. czz on Sa, 6th Okt 2007 14:04
  4. Fein, Meister Treiss ,
    1. dass Sie noch nicht völlig im Okus der lohnarbeit verschwunden sind .

    Nun wäre allerdings interessant ,
    2. in der Folge von Benedikts Message- Verteilungs- diagrammen Überlegungen anszustellen , inwieweit sich der INHALT dieser Messages qualitativ verändert .
    An welcher Stelle der Verteiler- und Verwerter- Kette käme wohl durchschnittlich am meisten originärer / origineller ( jedenfalls relfexiver ! ) Content hinzu ? – Tendenziell dort , wo Themen aufgeriffen werden ( also zu Beginn ) oder tendenziell eher weit draussen in den Verästelungen , wo man sich dann schon etwss einfallen lassen muss , um einem Thema noch einen gewissen Twist zu geben ?

    Eine Erkundigung generell würde mich interessieren : Inwieweit es in der deutschen Blogosphäre überhaupt als Wert angesehen wird , Content nicht nur im Durchlauferhitzer- Modus zu prozessieren .

    Wir haben ja doch weitenteils dieselben RSSS- News abonniert ? Wozu das eigentlich also noch ins blog stellen ? – Hauptsache , es steht was drin ? –

    Gegenargument : klar funktioniert der gesamte Betrieb auch ein wenig wie Gamble . Erkenne ich eine relevante Neuigkeit früh und schätze die Chancen für diese News richtig ein , dann kriege ich gute Credits . Ein bisschen wie die Punkt- Gewinne durch kluges Software- Feilschen an den Bit- Torrent- Börsen .