Free Rainer: Q&A von der Viennale
Bald startet der Film “Free Rainer – Dein Fernseher lügt” von Hans Weingartner in den deutschen Kinos. Ich habe diesen Film ja bereits ausführlich rezensiert. Zum Film kann ich nun ein neues Schmankerl bieten – einen Audiomitschnitt einer Q&A-Runde, also einer Frage-und-Antwort-Runde, mit Regisseur und Schauspielern auf der Viennale in Wien. Das MP3 kann man hier anhören – es dauert rund 30 Minuten. Leider schaffe ich es gerade nicht, das Q&A zusammenzufassen. Vielen Dank an Princess Remy, die mir den Mitschnitt zur Verfügung gestellt hat. Außerdem noch ein Hinweis zu einem Interview mit Hans Weingartner auf diepresse.com. Dort sagt er zum Film: “Ich hatte das Gefühl, das man dieser Absurdität nur mit Absurdität beikommen kann.”
Merkwürdiges CHE Hochschulranking
Ich habe noch nie viel von irgendwelchen Rankings gehalten – und nachdem ich gerade an der Befragung für das berühmt-berüchtigte CHE Hochschulranking teilgenommen habe, hinter dem die Bertelsmann Stiftung steckt, haben sich meine Zweifel auch nicht gelegt. Wirklich freiwillig habe ich da auch nicht mitgemacht, aber ich hatte einen Brief von denen bekommen, den mir meine Uni weitergeleitet hatte. Und da wollte ich dann doch nicht sein sagen…
Also musste ich gerade meinen Studiengang Diplom-Journalistik bewerten. Allerdings auf eine Weise, bei der mir schleierhaft ist, wie da jemals aussagekräftige Ergebnisse bei rauskommen. Denn ich musste mehrere Dutzenden Fragen beantworten – aber die Antworten konnten nicht frei erfolgen. Stattdessen musste ich meist Schulnoten auf einer Skala von 1 bis 6 vergeben. Also eine rein quantitative Befragung. Und das finde ich sehr problematisch, denn so kann man nicht wirklich einen Finger in etwaige Wunden legen, sondern muss stupide immer nur irgendwelche Kreuzchen machen. Das Ranking kann auf diese Weise eher schlecht als recht herausfinden, wo der Schuh drückt.
Überhaupt denke ich manchmal, diese Art von Ranking führt einzig und allein dazu, dass sich die siegreichen (denn der Sinn eines Rankings ist ja, einen Rangliste zu erstellen) Unis bzw. Fachbereiche dran aufgeilen können, wie ach so toll sie sind, während die Verlierer niemals konkret erfahren werden, woran es konkret gelegen hat. Natürlich sind die Fragen in verschiedene Themenkomplexe unterteilt. Doch was hilft es mir, wenn ich weiß, dass die Studenten beispielsweise der Qualität der Seminare im Schnitt nur eine Schulnote drei geben, aber nicht abgefragt wird, wie man die Qualität verbessern kann?!? Und leider ist die Befragung genauso aufgebaut…
Die Ergebnisse des Rankings sollen natürlich vor allem Abiturienten ansprechen: Welche Uni ist toll, wo sollte ich mich bewerben/einschreiben? Darum geht’s bei sowas. Doch ob irgendwelche Zahlenkolonnen wirklich eine große Hilfe sind? Man mag es bezweifeln! Viel schöner wäre es doch, statt quantitativ qualitativ zu erforschen, was gut und was schlecht läuft an den Unis. Aber die Rankings sind natürlich einfacher durchzuführen und so wunderbar schwarz-weiß-malerisch.
Vielleicht hätte ich lieber doch nicht mitmachen sollen bei der Befragung und den Weg einschlagen sollen, den die Leute an der Alice-Salomon Fachhochschule für Sozialwesen in Berlin-Hellersdorf gehen. Sie wollen das Ranking nämlich dieses Jahr boykottieren, u.a. weil es CHE und Bertelsmann Stiftung darum gehe, “knallharten Wettbewerb” durchzusetzen und die “Optimierung der Hochschulen, um besser Humankapital für die Wirtschaft züchten zu können”.
Ganz so schlimm ist es hoffentlich nicht, aber allein schon weil mir dieses Ranking – wie erläutert – viel zu oberflächlich erscheint, sollte man sehr kritisch damit umgehen.
Links zum Thema:
- Telepolis: Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik
- studis-online.de: Wie das Centrum für Hochschulentwicklung Politik an Hochschulen macht
- ASta der Alice-Salomon FH: Textsammlung zum Boykott des Rankings
- Telepolis: Die Welt in Zahlen
Olivia Jones entlarvt NPD
Schon einige Wochen alt, aber immer noch grandios: Drag-Queen Olivia Jones war neulich im Auftrag des NDR-Satiremagazins “Zapp” “Extra 3″ bei einer NPD-Veranstaltung und versuchte, im BDM-Look investigative Interviews zu führen. Die Rechten kamen ins Schwitzen:
Lesetipp: Medienmogul im Netz
Jan hat bei Upload eine großartige Anleitung mit einigen Augenzwinkern geschrieben, wie man in nur fünf Tagen zum Medienmogul des Web 2.0 werden kann. Ein absoluter Lesetipp, denn “solche Texte sind das Salz in der Suppe”, wie Mitron dort in den Kommentaren schreibt.
Geoweb: Wo wohnen die Verwandten?
Gerade habe ich eine spannende Funktion bei verwandt.de entdeckt, Stichwort Geoweb: Man kann sich dort mit einem Mausklick anzeigen lassen, wie häufig ein bestimmter Name in welchen Städten und Gemeinden Deutschlands vorkommt. Habe das auch gleich mal für meinen eigenen Nachnamen ausprobiert – er kommt im Landkreis Aurich besonders häufig vor. Mein Großvater hatte unseren Stammbaum bis an den Kyffhäuser rekonstruieren können, von wo die Verwandtschaft an die Nordsee gezogen war. Später zog es die Familie dann nach Westfalen und danach wiederum nach Südostniedersachen.
Am Kyffhäuser findet sich aber nun niemand mehr, aber immerhin im benachbarten Nordhausen. Ansonsten ist der Osten ein rotes Tuch, aber ich habe den Namen nun wieder nach Leipzig gebracht – und mein Bruder ihn nach Greifswald.
Zweierlei zur Bloggerei
…in Form von Lesetipps:
- Krusenstern: “10 Tipps für bessere Weblog-Texte“. Readability Optimization statt Search Engine Optimization SEO ist hier das Stichwort.
- Wissenswerkstatt: ““Vielleicht fragen sie das nächste mal jemanden, der sich damit auskennt…” Die Süddeutsche Zeitung steht laut diesem ausführlichen Beitrag angeblich auf Kriegsfuß mit dem Web 2.0 und hat nur einen einzigen Redakteur, der Blogs und Co. mag. Ganz so schlimm ist es sicher nicht, aber dieser Beitrag ist trotzdem sehr lesenswert!
Der große Selbstbetrug
Nun (ein “endlich” spare ich mir mal) ist es soweit: Kai Diekmanns neues Buch “Der große Selbstbetrug. Wie wir um unsere Zukunft gebracht werden” (sponsored Link) erscheint morgen im Piper-Verlag. Der Bild-Chefredakteur rechnet darin mit den 68ern ab. Ganz cool stellte er das Buch gestern ausgerechnet in einem Restaurant vor, das im selben Gebäude ist wie die taz. Bei sueddeutsche.de gibt’s zur Präsentation einen schonungslosen Bericht. Dort ist auch zu lesen, dass Michael Naumann, sein “Laudator” bei der Präsentation, nichts von dem Machwerk hält.
Eine Zusammenfassung seiner merkwürdigen Ansichten gibt’s zudem schon bei Welt Online, nebst zugehöriger Diskussion, bei der auf Diekmann gehörig rumgehackt wird. Drüben bei turi2 habe ich darüber schon gestern einige Zeilen geschrieben.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang auch mein Beitrag “Keine innere Pressefreiheit“. Dort wird dokumentiert, was Alan Posener von der WamS schon vor fünf Monaten über das Buch in seinem Welt-Blog schriebe. Dieser Beitrag wurde nach wenigen Stunden gelöscht – wohl weil er Bände darüber spricht, wie haltlos Diekmanns Thesen teilweise sind.
Nachtrag 26.10.07: Das NDR-Medienmagazin “Zapp” hat am Mittwoch einen wunderschönen Beitrag zum Thema ausgestrahlt, in dem es vor allem auch um das merkwürdige Verhältnis zwischen Bild und Michael Naumann geht. Hier online ansehen.
Message: Recherchetipps für Google
Die neueste Ausgabe der Journalismuszeitschrift Message (für die ich arbeite) ist vor wenigen Tagen erschienen. Die Beilage Message-Werkstatt beschäftigt sich diesmal mit der cleveren Recherche im Internet. Online ist die Werkstatt zwar nicht zu lesen, dafür ist aber eine Ergänzung zu dem Heft im Netz zugänglich. Und die ist recht nützlich: ein Spickzettel zum “Besser Finden mit Google”. Hier entlang!
Apropos – wer Message noch nicht kennt, möge sich gerne auf der Homepage message-online.com informieren, die einige Leseproben enthält. Eines der Highlights der aktuellen Ausgabe ist eine brilliante Analyse über Rupert Murdochs Lebenswerk von Neil Chenoweth. Themenschwerpunkt des Heftes ist die Fragestellung, ob Frauen besseren Journalismus machen. Ein Probeabo kann man auf der Seite natürlich auch bestellen.
Ende des Gangstarap
In der neuen Zeit gibt’s einen spannenden Artikel von Jonathan Fischer, der das Ende des Gangstarap heraufbeschwört. In den USA sind die Plattenverkäufe aller Rapper zusammen um 1/3 eingebrochen, Kanye West hat die Wette gegen 50 Cent gewonnen, der müsste jetzt eigentlich in Rente gehen, weil er weniger Platten verkauft hat als Kanye West mit seinem HipHop abseits des Gangstarap. Mein Lieblingssatz aus dem Beitrag:
Das Ethos des »immer größer und protziger« hat zwar suppentellergroße Gold-und-Diamanten-Medaillons produziert, die einstige Schlagkraft der Musik aber ließ es abstumpfen.
Und noch ein Lesetipp zum Thema, allerdings auf Deutschland bezogen: Christian Fuchs schreibt auf einestages darüber, dass der Deutsche HipHop nicht etwa im Westen von Advanced Chemistry und den Fantastischen Vier erfunden wurde, sondern dass eigentlich der Osten Vorreiter war. Sehen kann man das u.a. im Film “Here we come” (Homepage) über Breakdance in der DDR. Dieser Film erscheint übrigens am Freitag auf DVD mit ziemlich viel Bonusmaterial und ich werde ihn dann auch bald hier im Blog rezensieren.
Erzähljournalismus: Tagung in Leipzig
Das Institut für praktische Journalismusforschung in Leipzig (für das ich selbst zumindest indirekt arbeite) veranstaltet am 2. und 3. November eine spannende Tagung zum Erzähljournalismus. Prominente Referenten wie Cordt Schnibben (Spiegel), Jana Simon (Zeit), Hubert Seipel (Fernsehreporter) und sechs andere geben dort Workshops. Noch gibt es Restplätze. Weitere Infos unter journalismusforschung.de.


