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Von Bloggern abschreiben statt Recherche
Gerade entdeckt: Auf den Seiten der Schweizer Zeitung “heute” werden Blogger gepreist. Im Text von Thomas Benkö heißt es zunächst sehr schön:
Flinke Blogger schleusen News an Journalisten und Pressestellen vorbei – Liveblogging revolutioniert Medienarbeit. [...] Das Herrschaftswissen von Journalisten ist passé. «Liveblogging» bringt News von Pressekonferenzen oder Wahlveranstaltungen direkt auf den Bildschirm von Internet-Usern.
So weit, so schön. Da können sich die Blogger ja auf die Schultern klopfen. Bedenklich ist meiner Meinung nach aber das Fazit des Beitrags, denn da heißt es:
Für Journalisten ist Liveblogging aber auch eine Chance. Denn als wir auf www.heute-online.ch als erstes grosses Schweizer Medium über die neuen iPods berichteten, verliessen auch wir uns nicht auf Agentur oder Pressemeldung – wir zapften frech die Livefeeds der US-Blogger an und übersetzten deren Postings auf Deutsch. [...] Weiterer positiver Nebeneffekt: Wir konnten uns die mühselige Flugreise sparen.
Ich finde das journalistisch sehr bedenklich. Zwar ist ja in der Tat bequem, “frech Livefeeds der US-Blogger abzuzapfen”. Doch wo ist da bitteschön noch der journalistische Anspruch, etwas selber zu recherchieren? Zumal: Bei einer Pressekonferenz werden meist auch nicht all zu viele kritische Fragen gestellt, da kann ich letztlich auch gleich von der Pressemeldung abschreiben. Oder es einfach lassen.
Denn sowas ist letztlich auch nur ein Bericht von einer toll inszenierten PR-Veranstaltung. Die Schnelligkeit dieser (vermeintlichen) News im Sekundentakt wertet die Qualität nicht auf.
Siehe dazu auch meinen Beitrag “Innenansicht Spiegel Online”.
(via Medienlese)
Kommentare
4 Kommentare on Von Bloggern abschreiben statt Recherche
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Sono on
Di, 11th Sep 2007 16:52
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Von Bloggern abschreiben statt Recherche (2) | trice.de on
Do, 13th Sep 2007 14:17
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bö on
Do, 13th Sep 2007 23:04
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Florian Treiß on
Fr, 14th Sep 2007 08:03
Mutige Behauptung. Damit bestätigt der Autor die Überflüssigkeit seiner Seite. :D
[...] Von Bloggern abschreiben statt Recherche [...]
erstens mal danke für die kritische auseinandersetzung mit meiner arbeit
zweitens: ich empfehle dem geschätzen blogger treiss mal ein paar wochen auf ner redaktion zu arbeiten, dann wüsste er, wie der hase läuft…
drittens: bleiben wir beim beispiel vom livebloggen von der apple-konferenz. wenn ich dank liveblogs nach 60 minuten genau DIESELBEN (oder mehr) infos zusammenhabe, die andere zeitungen – wahrscheinlich auch in deutschland – nach 3 bis 8 tagen noch abdrucken (”das sind die neuen ipods”). sehe ich dein problem nicht wirklich.
@ bö: Danke für Deine Reaktion – ich gebe ja zu, ich bin Idealist. Und ich kenne durchaus auch den Ablauf in Redaktionen. Wenn man schon vom Redaktionsleiter dafür gelobt wird, dass man zwei Anrufe für einen Beitrag getätigt hat (”tolle Recherche”), dann spricht das ja auch Bände. Ist mir schon öfters passiert.
Schau Dir bitte noch meine Antwort auf Peter Hogenkamp an, der Dich auch in Schutz genommen hatte. Ich wollte Dich auch nicht persönlich attackieren, dafür kenne ich Dich ja gar nicht. Nur hoffe ich einfach, dass solche Tendenzen aus dem Liveblogging nicht irgendwann Standard für jedes journalistische Produkt werden.
