Aufgelöste Blockparty

August 22, 2007 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Musik 

Am Montag Abend wollte die Berliner HipHop-Crew K.I.Z. in der Berliner U-Bahn ein halbspontanes (im Internet war es schon angekündigt worden) Gratis-Konzert geben. Ein paar hundert Leute kamen und so wurde das Ganze auf die Straße verlegt, berichtet das Hauptstadtblog. Aber wie es sich für eine gute Promo-Aktion gehört, wäre weder das U-Bahn-Konzert noch der stattdessen draußen am Schlesischen Tor stattfindende Gig genehmigt. Die Polizei zog also auf und sprengte bald die Blockparty und nahm sogar acht Leute fest. :( Muss auf jeden Fall eine riesige Stimmung dort gewesen sein, wie das YouTube-Video hier beweist:

(Quelle)

Jede Lüge braucht einen Mutigen,

August 22, 2007 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Fernsehen, Journalismus, Medien, Web 

… der sie zählt”: So lautet der Slogan eines TV-Werbespots mit Anke Engelke und Christoph Maria Herbst (”Stromberg”), der ab morgen bildblog.de bewerben wird. Das meldet der Stern exklusiv vorab per Pressemitteilung und auf stern.de. Wie die Werbung, die auf Viva, MTV und Comedy Central zu sehen sein wird, konkret finanziert wird, erschließt sich aus der Meldung bislang noch nicht. Zwar verzichten die beiden Darsteller auf die Gage und die Produktionskosten werden von Brainpool übernommen, doch wer die Werbeschaltungen bezahlt, wird bislang noch nicht bekanntgegeben, merkt turi2 an. Alles andere als Pro-Bono oder Crosspromotion kann ich mir allerdings nur schwer vorstellen.

Nachtrag 23.8.: Stefan Niggemeier kritisiert die Rechercheunlust der Kollegen in seinem eigenen Blog und teilt mit:

Wir bezahlen die Schaltkosten selbst, teils (wie üblich, wenn ein Medium in einem anderen wirbt) in Form eines Gegengeschäftes.

Die These mit Crosspromotion war auf jeden Fall nicht so verkehrt. Man darf also gespannt auf Werbung für die Viacom-Sender auf bildblog.de sein.

Google: Licht und Schatten

August 22, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Journalismus, Medien, Politik 

Zwei spannende Dinge zum Thema Google, die auch für Journalisten interessant sein dürften:

  • Onlinejournalismus.de berichtet, dass “Google Maps” seit neuestem die Möglichkeit anbietet, dass Karten nebst Markern etc. nun mit einem einfach Mausklick in Internetseiten, Blogs und Co. eingebettet werden können (wie das ja schon länger bei YouTube und anderen Videoseiten möglich ist): “Wir werden in nächster Zeit, davon bin ich überzeugt, viel häufiger interaktive Karten im journalistischen Kontext sehen. Es dauert nur noch wenige Minuten, sie zu bauen und einzubinden – jeder Redakteur kann es. Keine Ausreden mehr”, so Fabian Mohr bei onlinejournalismus.de.
  • Die Google-Recherche kann allerdings auch dazu führen, dass man in U-Haft landet. Das will zumindest die taz herausgefunden haben: So sei der Berliner Stadtsoziologe Andrej H. unter anderem deshalb festgenommen worden, weil er bei Google “nach bestimmten Stichworten gesucht [habe], die auch die ‘militante gruppe’ in ihren Bekennerschreiben benutzt. Darunter seien Begriffe wie ‘Gentrification’ oder ‘Prekarisierung’.” Dabei gehörten diese Begriffe zu seinem Forschungsgebiet.
    Der Überwachungsstaat rückt offenbar nicht mehr näher, sondern er ist schon Realität.Wann werden die ersten Journalisten festgenommen, nur weil sie brisante Wörter bei Google eingegeben haben oder Websites mit gesetzes-/verfassungswidrigen Inhalten besucht haben?

Dieter Moor goes ttt

August 22, 2007 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Fernsehen, Medien 

Einer der wohl besten deutschsprachigen Moderatoren überhaupt bekommt eine tolle Chance in der ARD: Der Schweizer Dieter Moor wird ab November “ttt” präsentieren, das Kulturmagazin im Ersten. Er wird damit Nachfolger von Caren Miosga, der neuen Miss Tagesthemen. Mehr darüber in der heutigen FAZ.

Nachtrag 23.8.: Ein frisches Interview mit Dieter Moor zu ttt gibt’s beim Tagesspiegel.

(Miß-)Erfolgsrezepte (2)

August 20, 2007 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Journalismus, Medien 

An dieser Stelle hatte ich ja schon von Roger Schawinskis neuem Buch “Die TV-Falle” berichtet. Dazu gibt es mittlerweile noch einige andere spannende Beiträge zu lesen. So analysiert der ehemalige Geschäftsführer des Grimme-Instituts Bernd Gäbler im Tagesspiegel, dass die Streichung der meisten Info-Formate bei Sat.1 das Privatfernsehen “ehrlicher und profitabler” machen würde. Die Sender würden immer mehr zu “Fabriken des Entertainments”. (mehr)

Die FAS hat schon das gesamte Schawinski-Buch gelesen. In der Rezension heißt es:

Die Liste der Getroffenen ist, wenn man das Buch gelesen hat, noch länger, als man sich beim ersten Aufschlagen denkt: Alexandra Neldel, Ottfried Fischer, Anke Engelke, Guillaume de Posch, Stefan Aust, Alexander Kluge, Kurt Beck, der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit Mann und Maus, diverse Produzenten und Regisseure, Haim Saban, Harald Schmidt.

Und in einem Spiegel-Gespräch erzählt Schawinski unter anderem, dass ProSiebenSat.1 sein Buch verhindern wollte:

Ich war überrascht, dass es offiziell hieß, man habe nicht versucht, das Buch zu verhindern. Das stimmt einfach nicht. Im Juli gab es dazu einen überdeutlichen Brief der Anwälte. Ich habe immer gesagt, ich schreibe kein Buch gegen Sat.1, ich habe keinen Grund nachzutreten. Ich bin nicht verbittert, im Gegenteil. Es waren drei phantastische Jahre, und ich bleibe ein feuriger Verfechter des Privatfernsehens.

Nachtrag 22.8.: Florian Steglich hat bei medienlese.com das Buch in einem dreiteiligen Beitrag ausführlich zusammengefasst & analysiert. Das ist natürlich ebenfalls lesenswert!

IFG-Verweigerer Finanzministerium

August 18, 2007 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Journalismus, Medien, Politik, Think Tanks 

LobbyControl hatte schon vor Monaten einen Antrag auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) gestellt, Auskunft darüber zu bekommen, welche Think Tanks und welchen Lobbyisten an der Unternehmenssteuerreform mitgewirkt haben. Nun bekam die Initiative für Transparenz in der Politik eine Absage vom Finanzministerium:

Als Begründung verweist das Ministerium auf den notwendigen Schutz des „Kernbereichs der exekutiven Eigenverantwortung“. Diese Ausnahme ist nicht im Informationsfreiheitsgesetz (IFG) vorgesehen, sondern bezieht sich indirekt auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Flick-Untersuchungsausschuss von 1984.

LobbyControl wird auf jeden Fall in Einspruch gegen diesen Bescheid gehen, denn schon die Begründung sei sehr fragwürdig:

denn die Anfrage bezieht sich auf die Außenbeziehungen des Finanzministeriums zu Denkfabriken und Lobbygruppen, nicht auf die interne Abstimmung im Ministerium. Für diese Außenbeziehungen den Schutz der exekutiven Eigenverantwortung in Anspruch zu nehmen, ist nicht plausibel. Zudem sind Gutachten oder Stellungnahmen von Dritten explizit nicht als schutzwürdig eingestuft (§4 Abs. 1 IFG).

Der Vorgang ist ein weiteres Indiz dafür, dass Politik und Verwaltung das seit Januar 2006 geltende Gesetz nicht gerade wertschätzen. Natürlich ist das nicht nur für LobbyControl traurig, sondern genauso wie für Journalisten und auch normale Bürger.

Der Stern-Reporter Hans-Martin Tillack war einer der ersten Journalisten, der sich bei einer Recherche auf das IFG gestützt hat. Ein spannender Artikel über Regierungssponsoring ist dabei entstanden. In seinem Blog hat er seine Recherche ausführlich dokumentiert, die im August 2006 began und selbst im Januar 2007 bei Veröffentlichung des Artikels eigentlich noch nicht komplett beendet war (bis dahin hatten immer noch nicht alle Ministerien seinen Antrag bearbeitet). Ein sehr lesenswerter Bericht, in dem die Unkenntnis der Ministerien über das IFG sowie deren Verweigerungshaltung dokumentiert sind:

Im Dezember rief ich bei mehreren Ministerien an, um mich nach dem Stand der Bearbeitung meines Antrags zu erkundigen. Überall meldete ich mich in der Telefonzentrale und fragte nach der “für das Informationsfreiheitsgesetz zuständigen Stelle”. Die meisten Damen und Herren am anderen Ende der Leitung hatten keine Ahnung, an wen sie mich weiter verbinden sollten. Erst als ich mich als Journalist zu erkennen gab, stellten sie mich erleichtert an die Pressestelle durch. Ich frage mich: Was macht ein Nicht-Journalist in so einer Situation?

(Miß-)Erfolgsrezepte

August 17, 2007 by Florian Treiß · 3 Comments
Filed under: Fernsehen, Film, Medien 

Heute morgen habe ich es mit großem Interesse im Zeit Magazin Leben gelesen: Einen Auszug aus Roger Schawinskis neuem Buch Die TV-Falle
(sponsored Link/amazon.de) das Ende des Monats erscheinen wird. Unter dem Titel “Das totale Blackout” analysiert der ehemalige Sat.1-Chef am Beispiel der gefloppten Serie “Blackout”, dass seine Strategie qualitativ hochwertige, innovative Serien im deutschen Privatfernsehen zu entwickeln und zu platzieren, einfach keine Chance hatte:

Fernsehproduktionen funktionieren bei einem breiten Publikum heutzutage nur dann, wenn die Helden moralisch klar zugeordnet werden können. Die Zuschauer wollen gleich von Beginn an erkennen, wer die Guten und wer die Bösen sind. Bei Blackout jedoch sind Boris und Paul korrupt, widersprüchlich, verletzt und verletzlich. Solche Figuren schaffen Distanz statt Nähe. (mehr)

Loovt merkt zu Schawinskis langer Analyse allerdings an:

Diese Erkenntnisse, die Schawinski erst nach dem Desaster mit “Blackout” gewonnen haben will, sind freilich nicht neu. Es handelt sich im Kern um alte Regeln, die in jedem Drehbuch-Ratgeber stehen, jeder Filmakademie-Student um die Ohren gehauen bekommt.

Das sind nun wirklich keine bahnbrechenden Erkenntnisse. Man kann davon ausgehen, das 90 Prozent der in Deutschland und anderswo produzierten Fictionprogramme nach diesen Regeln hergestellt werden. Dennoch floppen etliche Serien und TV-Filme, einige werden zu Hits. Was also tatsächlich den Erfolg oder Misserfolg eines Programms ausmacht, bleibt im Halbdunkel und hat zumeist mehr als einen Grund. Dass sich ein Privatsender wie Sat.1 eher schräges Kunst-Fernsehen à la “Blackout” eigentlich nicht leisten kann, hätte man vorher wissen können. Hätte. Schön, dass Schawinski es offenbar nicht gewusst hat. So sind wir in den Genuss einer der besten Krimiserien der letzten Jahre gekommen.

(Miß-)Erfolgsrezepte der TV-Produktion werden uns übrigens auch in den nächsten Monaten medial begleiten: So geht am 15. November Hans Weingartners neuer Film “Free Rainer” an den Start. Moritz Bleibtreu spielt darin einen TV-Produzenten. Der Verleih Kinowelt gibt folgenden Inhalt an:

[Er] ist ein Zampano des “Unterschichtenfernsehens”: Unaufhörlich koksend, entwickelt er Shows der stumpfesten Sorte. Dann wird er von einem jungen Mädchen angefahren, frontal und mit voller Absicht. Pegah (Elsa Sophie Gambard) will sich für den Tod eines geliebten Menschen rächen, und Rainer begreift, dass er für Einschaltquoten über Leichen gegangen ist. Ein paar Alpträume später beschließt er, sein Leben zu ändern und macht sich auf eine Guerilla-Feldzug gegen die quotenbesessene Unterhaltungsindustrie.

Weisheit des Tages (18)

August 16, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Journalismus, Medien 

Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister gegenüber Jungle World:

Die FAZ ist insgesamt sehr viel wagemutiger als die Süddeutsche Zeitung oder gar die taz.

Eine heftige Behauptung, die ich so nicht unterschreiben würde! Aber wenn er meint…

Lesetipp: Sachsen-Sumpf

August 16, 2007 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Journalismus, Leipzig, Medien, Politik 

Reiner Burger beschäftigte sich in der FAZ bereits gestern mit dem “Sachsen-Sumpf”: Er bezeichnet die Geschichte als Medienlegende, zieht den Vergleich zum Fall Sebnitz und kritisiert zudem den Enthüllungsautor Jürgen Roth, der immer wieder neue Informationen ins Spiel brachte:

Der aktuelle Fall „Sachsen-Sumpf“ legt den Verdacht nahe, dass es vielmehr einen regelrechten Sebnitz-Effekt geben könnte: Verdächtigungen und Gerüchte müssen einfach nur so ungeheuerlich und so weitgespannt wie möglich sein, sie müssen zudem ohnehin schon vorhandene Vorurteile bedienen, dann ist es für Politik, für Medien, für alle schwer, sich ihrer suggestiven Kraft zu entziehen. (mehr)

Schließlich hat sich auch sächsische Innenminister Albrecht Buttolo schon vor einigen Tagen von seiner “Mafia-Rede” distanziert und der ganze Skandal löst sich zunehmend in Luft auf.

Blogger vs. Journalisten, Runde XYZ

August 16, 2007 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Journalismus, Medien, Web 

Die ewige Diskussion Blogger vs. Journalisten geht in eine neue Runde: Lanu behauptet, dass Journalisten einfach keine Blogger sein können, allenfalls halbe Blogger. Als Beleg dafür führt sie Thomas Knüwer an, der Handelsblatt-Redakteur ist und zugleich unter Indiskretion Ehrensache bloggt. Auch Robert Basic denkt so:

Wer immer nur über andere bloggt und das für einen Journalisten typisch kritisch tut, aber sich nicht zugleich kritisch mit den e-Aktivitäten seines eigenen Hauses auseinandersetzt, ist nur ein halber Blogger. (mehr)

Sowohl Lanu als auch Robert Basic gefällt es halt nicht, dass Knüwer nicht über die diversen StudiVZ-Pannen (z. B. Ekelvideos, die neue “Werbevision”) bloggt, seit StudiVZ vom Holtzbrinck-Konzern gekauft wurde, dem auch das Handelsblatt gehört.

Ich finde es trotzdem gemein, Knüwer deshalb zum halben Blogger zu reduzieren und sämtliche anderen bloggenden Journalisten noch dazu: Das kann doch nur nach hinten losgehen, schließlich kennt doch jeder Interessenkonflikte, egal ob Journalist oder nicht: Auch die nicht-journalistischen Blogger würden nicht unbedingt schlecht über eigene Auftraggeber, ein schwarzes Schaf in der eigenen Familie oder sonst etwas bloggen, oder?

Und auch der Medienjournalismus selbst kennt doch das Phänomen: Die Medienseiten der deutschen Tageszeitungen gehen auch nicht immer hart mit Ihrem eigenen Haus um. Aber dafür gibt es ja noch die Medienseiten der anderen Blätter, die dann zur Schelte ausholen können. Und das ist im pluralistischen Sinne doch völlig ok so. Schließlich gilt auch vor Gericht: Keiner muss gegen sich selbst oder gegen sich nahestehende Dritte aussagen, dafür gibt es das Zeugnisverweigerungsrecht!

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