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(Miß-)Erfolgsrezepte

17. August 2007 · Kategorien: Fernsehen, Film, Medien 

Heute morgen habe ich es mit großem Interesse im Zeit Magazin Leben gelesen: Einen Auszug aus Roger Schawinskis neuem Buch Die TV-Falle
(sponsored Link/amazon.de) das Ende des Monats erscheinen wird. Unter dem Titel “Das totale Blackout” analysiert der ehemalige Sat.1-Chef am Beispiel der gefloppten Serie “Blackout”, dass seine Strategie qualitativ hochwertige, innovative Serien im deutschen Privatfernsehen zu entwickeln und zu platzieren, einfach keine Chance hatte:

Fernsehproduktionen funktionieren bei einem breiten Publikum heutzutage nur dann, wenn die Helden moralisch klar zugeordnet werden können. Die Zuschauer wollen gleich von Beginn an erkennen, wer die Guten und wer die Bösen sind. Bei Blackout jedoch sind Boris und Paul korrupt, widersprüchlich, verletzt und verletzlich. Solche Figuren schaffen Distanz statt Nähe. (mehr)

Loovt merkt zu Schawinskis langer Analyse allerdings an:

Diese Erkenntnisse, die Schawinski erst nach dem Desaster mit “Blackout” gewonnen haben will, sind freilich nicht neu. Es handelt sich im Kern um alte Regeln, die in jedem Drehbuch-Ratgeber stehen, jeder Filmakademie-Student um die Ohren gehauen bekommt.

Das sind nun wirklich keine bahnbrechenden Erkenntnisse. Man kann davon ausgehen, das 90 Prozent der in Deutschland und anderswo produzierten Fictionprogramme nach diesen Regeln hergestellt werden. Dennoch floppen etliche Serien und TV-Filme, einige werden zu Hits. Was also tatsächlich den Erfolg oder Misserfolg eines Programms ausmacht, bleibt im Halbdunkel und hat zumeist mehr als einen Grund. Dass sich ein Privatsender wie Sat.1 eher schräges Kunst-Fernsehen à la “Blackout” eigentlich nicht leisten kann, hätte man vorher wissen können. Hätte. Schön, dass Schawinski es offenbar nicht gewusst hat. So sind wir in den Genuss einer der besten Krimiserien der letzten Jahre gekommen.

(Miß-)Erfolgsrezepte der TV-Produktion werden uns übrigens auch in den nächsten Monaten medial begleiten: So geht am 15. November Hans Weingartners neuer Film “Free Rainer” an den Start. Moritz Bleibtreu spielt darin einen TV-Produzenten. Der Verleih Kinowelt gibt folgenden Inhalt an:

[Er] ist ein Zampano des “Unterschichtenfernsehens”: Unaufhörlich koksend, entwickelt er Shows der stumpfesten Sorte. Dann wird er von einem jungen Mädchen angefahren, frontal und mit voller Absicht. Pegah (Elsa Sophie Gambard) will sich für den Tod eines geliebten Menschen rächen, und Rainer begreift, dass er für Einschaltquoten über Leichen gegangen ist. Ein paar Alpträume später beschließt er, sein Leben zu ändern und macht sich auf eine Guerilla-Feldzug gegen die quotenbesessene Unterhaltungsindustrie.

Kommentare

3 Kommentare on (Miß-)Erfolgsrezepte

  1. (Miß-)Erfolgsrezepte (2) | trice.de on Mo, 20th Aug 2007 18:34
  2. [...] (Miß-)Erfolgsrezepte [...]

  3. Von Schawinski lernen? | trice.de on Mo, 10th Sep 2007 15:01
  4. [...] Infos zu Schawinskis Buch “Die TV-Falle” gibt es unter anderem in diesem Blog (Eins, zwei). Interessant ist zudem der Beitrag des JakBlogs zum Schawinski-Hype. Dort heißt es, die [...]

    [...] Nun kann man natürlich anmerken, dass ganze sei eben sehr subtil angelegt. Letztlich arbeitet der Film ja gerade mit den Erfolgsrezepten des Fernsehens. Wie Ex-Sat.1-Chef Roger Schawinski bei seiner Analyse der gescheiterten Serie “Blackout” anmerkte: Fernsehproduktionen funktionieren bei einem breiten Publikum heutzutage nur dann, wenn die Helden moralisch klar zugeordnet werden können. Die Zuschauer wollen gleich von Beginn an erkennen, wer die Guten und wer die Bösen sind. (mehr bei zeit.de, Anmerkungen dazu bei trice.de) [...]