Blogs als Quelle

August 30, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Blogs/Web 2.0, Journalismus, Medien, Politik 

Schon gestern hatten ich, Indiskretion Ehrensache und andere darüber berichtet, dass netzpolitik.org nicht in allen Medien als Quelle der Bundestrojaner-Dokumente genannt wurde. Vielleicht hat auch diese Geschichte Patrick Gensing vom NPD-kritischen Blog npd-blog.info dazu motiviert, ebenfalls zwei Fälle aufzuzeigen, in denen traditionelle Medien seine Texte nicht als Quelle genannt haben. Er schreibt:

Die Berliner Zeitung hat am 28. August 2007 den Streit zwischen NPD und `Autonomen Nationalisten` aufgegriffen. [...] Schade, dass die Berliner Zeitung es offenbar nicht für nötig hielt, die Quelle dieser Äußerung zu benennen. Dabei handelt es sich nämlich um dieses Blog – und zwar in einem Beitrag vom 16. August 2007. Für eine Seite wie NPD-BLOG sind Erwähnungen in etablierten Blättern nicht ganz unwichtig. [...] Doch sollte dennoch der journalistische Anstand gewahrt und die Quelle angegeben werden. Über einen ähnlichen Fall habe ich mich bereits in der vergangenen Woche geärgert, als die Hamburger Morgenpost ohne Quellenangabe einen Text, den ich auf tagesschau.de veröffentlicht hatte, abschrieb. Auf die Frage, ob das denn alles so korrekt wäre, antwortete die Mopo bislang gar nicht.

Dazu macht er sich weiterhin folgende Gedanken:

Die Frage ist, ob es sich um Einzelfälle handelt, oder ob die Printmedien generell Vorbehalte haben, Online-Medien als Quellen anzugeben. Außer Spiegel-Online natürlich, das von fast allen Journalisten gelesen wird, obwohl dort eine ganze Menge Unsinn verbreitet wird. Aber auch bei der Quellenangabe stern.de, welt.de, tagesschau.de usw. tun sich Nachrichtenagenturen und andere Medien schwer. Oft werden dann erklärende Phrasen wie `stern.de, das Online-Angebot des Magazins Der Stern – eingefügt. Diese sind in meinen Augen vollkommen überflüssig, erschweren das Lesen – und verraten einen leicht verstaubten Umgang mit Online-Medien.

Mario Sixtus kritisiert Handelsblatt

August 30, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Blogs/Web 2.0, Journalismus, Medien 

Mario Sixtus, der als “Elektrischer Reporter” dem Handelsblatt schon seit geraumer Zeit einen erfolgreichen Video-Podcast liefert, hat Angst um die journalistische Qualität des Medienkonzerns Holtzbrinck, dem auch das Handelsblatt gehört. In seinem Blog schreibt er:

Es gibt Momente, in denen wünsche ich mir diese altmodischen Verlegerpersönlichkeiten zurück, die Journalismus nicht nur als Geschäft, sondern auch als gesellschaftliche Aufgabe begriffen.

Was ist geschehen? heise berichtet von einem Statement Konstantin Urbans, Chef der Internetsparte Holtzbrinck Networks, auf dem Medienforum Berlin-Brandenburg:

Holtzbrinck will demnach mit Internetplattformen wie Parship oder StudiVZ am Wachstum des Internetmarktes partizipieren, die Netzangebote aber lieber “losgelöst vom Stammgeschäft” im Printbereich betrachten. Für sein Haus könne er sich vorstellen, in den kommenden Jahren 500 oder 600 Millionen Euro zu erzielen. “Mehrwert” im Internet heißt für Urban, dem “Kunden das zu bieten, was er sucht”.

Das interpretiert Sixtus so:

“Losgelöst vom Stammgeschäft” kann eigenlich nur heißen: Mit Journalismus haben wir im Netz nichts am Hut. Den drucken wir auf Papier und gut ist. Die Kohle im Netz machen wir mit Partnerbörsen und Gruschelbuden. Sollen doch andere versuchen, Spiegel-Online zu zeigen, wo der Hammer hängt, wir machen bei diesem Rennen nicht mit. Und: Dem “Kunden das zu bieten, was er sucht”, kann wohl nur bedeuten, Holtzbrinck steigt demnächst ins Online-Porno-Geschäft ein, oder?

Die öffentliche Kritik am eigenen Auftraggeber ist ja nichts alltägliches. Schön, dass sich Sixtus dazu getraut hat!

Blog-Scoop

August 29, 2007 by Florian Treiß · 5 Comments
Filed under: Blogs/Web 2.0, Journalismus, Medien 

Ein Scoop ist das, was Journalisten eine exklusive und durchaus wichtig Meldung nennen, die sie als erste veröffentlichen und die dann im Idealfall eine breite Wirkung auch in anderen Medien bewirkt. Dem Blog Netzpolitik.org ist nun ein solcher Scoop gelungen, der erst mit einiger Verzögerung seine Wirkung entfaltet. Spiegel Online schreibt nämlich:

Das Bundeskriminalamt hat offenbar einen Computer-Trojaner fertiggestellt, der beliebige Rechner aus der Ferne durchsuchen kann. Das geht aus jetzt enthüllten Schreiben des Innenministeriums hervor. Der Bundes-Trojaner soll sogar Mobilgeräte ausspionieren können. [...] Das geht aus zwei Antwortschreiben des Ministeriums hervor, die das Internet-Portal Netzpolitik.org veröffentlicht hat.

Glückwunsch an die Kollegen von Netzpolitik.org zu diesem Scoop. Und schön, dass Spiegel Online wenigstens die Quelle nennt. Die Kollegen von sueddeutsche.de machen das nämlich nicht:

Aus der 22-seitigen Antwort seines Hauses auf einen Fragenkatalog des Bundesjustizministeriums, die sueddeutsche.de vorliegt, geht hervor, dass von einer Online-Überwachung alle “informationstechnischen Systeme” betroffen sein können.

Anderen die Lorbeeren stehlen kommt auf jeden Fall gar nicht gut. Die Ursprungsquelle darf man ruhig nennen! Denn sonst entsteht ein weiteres Beispiel dafür, dass der politische Einfluss von Blogs einfach nicht wahrgenommen werden kann.

Nachtrag: Auch Thomas Knüwer hat zum Thema einen lesenswerten Beitrag geschrieben, siehe Indiskretion Ehrensache. Und netzpolitik.org wundert sich darüber, dass die Medien, in den sie als Quelle genannt worden sind, von Online-Portal, Webdienst etc. sprechen, aber nicht schreiben, was es wirklich ist: Ein Blog.

Auswandern vs. heimkehren

August 27, 2007 by Florian Treiß · 3 Comments
Filed under: Fernsehen, Medien 

Das nächste große Ding im Fernsehen: Statt den großen Auswanderer-Reportagen wie “Mein neues Leben” bzw. “Mein neues Leben XXL” wird es wohl bald die “ich bin ausgewandert, gescheitert und komme nun zurück”-Formate geben. Keinen anderen Schluss lässt zumindest eine Anzeige in der Leipziger Volkszeitung vom 25.8. zu. Darin heißt es:

TV – Produktionsfirma sucht Familien/ Personen, die bei der Existenzgründung im Ausland gescheitert sind. Wir bieten kostenlos professionelle Hilfe beim Neustart in Deutschland (0 40) 6 94 05 41 3

Hinter der Telefonnummer steckt Schwartzkopff-TV, ein Tochterunternehmen von Axel Springer. Unter der selben Nummer kann man sich übrigens auch noch für zwei andere Dinge melden:

  • Du willst endlich Schluss machen? Britt hilft!
  • Stress mit dem Ex? Britt klärt das!

So steht es zumindest in der Bewerbungsrubrik für den Sat.1-Talk “Britt”.

Die Frage ist natürlich jetzt: Sollen die im Ausland gescheiterten Personen nun “nur” bei Britt auftreten? Oder wird da gerade ein neues Doku-Format geplant, dass das Gegenstück zu “Mein neues Leben” sein soll? Egal, Janus TV, der Produzent von dieser Kabel-Eins-Reihe sucht auf jeden Fall weiter fleißig Auswanderer, und zwar per Google-Ads. Einfach mal “auswandern” bei Google eintippen und schon sieht man die Anzeige. Trend verschlafen, wenn es bald heißt: “Die Heimkehrer”?

PS: Irgendwie habe ich noch eine weitere schicke Anzeige von Schwartzkopff in der LVZ übersehen:

Demnächst Geschäftsinhaber/in? TV- Produktionsfirma sucht Personen, die kostenlos professionell Unterstützung in Anspruch nehmen wollen (0 40) 69 40 54 13

Politische Blogs in Deutschland?

August 27, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Blogs/Web 2.0, Politik 

Endlich poppt eins meiner Lieblingsthemen der Blogosphäre wieder auf: Das Onezblog geht der Frage nach, wie der Einfluss politischer Blogs in Deutschland ist. Einige Zitate aus dem Diskussionsbeitrag:

  • “Politische Blogs sind in den Medien noch nicht angekommen und werden wohl auch fast nur von Bloggerkollegen gelesen.”
  • “Ich denke, dass die meisten politischen Blogs einfach noch in den Kinderschuhen stecken und außer kruder Einfälle in Richtung Innenminister einfach noch nichts gerissen haben.”
  • “Nehmt doch einfach mal die ganzen kindischen Streitereien in der Blogosphäre. Klar haben die Journalisten auch, aber die tragen diese nur bedingt in ihren Blättern aus. in Blogs liest man andauernd, warum der doof und der ideologisch verbohrt, der andere viel zu verschwörerisch und der nächste zu neoliberal ist. Das interessiert keine Sau”.
  • “Und wer jetzt fragt, ob so ein Blog dann auch noch ein Blog ist oder durch die Professionalisierung seinen Underground-Status verloren hat, der hat ganz sicher nicht begriffen, dass genau das Problem von Blogs ist. Blogs sind einfach ein Medium um zu schreiben, alles weiter konstruieren wir, die wir bloggen. Und dieses Wir beim Bloggen ist auch schon eine Konstruktion.”

Wichtige Gedanken auf jeden Fall, die auch meiner eigenen Beschäftigung mit dem Thema nahe kommen. Anfang Juli hatte ich unter der Headline “Internet = Demokratische Revolution?” angemerkt, dass die Bloggerei zumindest in Deutschland kaum politische Wirkung entfaltet, u.a. wegen der Politikverdrossenheit. In den USA ist das freilich anders.

Interessant sind übrigens auch die Kommentare im Onezblog. So analysiert Alexander Trust die Ursachen für die schwache politische Blogosphäre in Deutschland:

Ich finde, es gibt zu wenige Leute, die sich einsetzen wollen und gleichzeitig bloggen. Idealisten, aber nicht im Sinne eines klassischen Idealismus verstanden. Leute, die aufhorchen lassen, Leute die mitmischen wollen. Welche, die aufwirbeln wollen. Solche suchen wir eigentlich vergebens.

Und bei F!XMBR geht die Diskussion schon weiter:

Der Einfluss politischer Blogs…, der Trugschluß, meiner Meinung nach, liegt darin Blogs überhaupt per se eine Relevanz zuzusprechen. Manch einer könnte auch sagen, wünschenswert wäre es aber und dem kann ich nur heftigst widersprechen. Die Relevanz sollte dem Internet gehören und eben dieses Internet sollte die Relevanz eines Wissensnetzes mitbringen, nicht ausschließlich, jedoch primär.

Blog-Tipp: Extra 3

August 27, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Blogs/Web 2.0, Fernsehen, Medien, Spaß 

“Krudes Zeug, schmutzige Bilder, gescheiterte Zuschauerwitzvorschläge – Alles was nicht in die 30 Sendungs-Minuten passt, landet im Blog. Viel Spaß beim Kommentieren.” So preist Extra 3, das früher geniale, heute immer noch sehr coole Satiremagazin des NDR, sein neuestes Side-Projekt an: Das Extra 3 Blog, das vergangene Woche offiziell gestartet wurde. Bin gespannt, ob das Ding sich zu einer eigenständigen Humoroffensive entwickeln wird oder tatsächlich nur Ausschuss aus der Sendung darin landen wird.

(Via Wortfeld, das noch ein paar andere Extra-3-Schmankerl parat hält.)

User-generated Interviews

August 23, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Blogs/Web 2.0, Fernsehen, Medien 

Ein Schelm wer denkt, dass die ARD bei der Wahlkampfdebatte von CNN und YouTube in den USA zugeschaut hat: Unter dem Motto “Ihre Frage nach Berlin” wollen tagesschau.de, Morgen- und Mittagsmagazin im Internet hochgeladene Videos mit Fragen an Politiker eben von diesen beantworten lassen. Mehr dazu bei tagesschau.de.

Netzpolitik.org schlägt dazu vor:

Wir wäre es, wenn viele Bürger Fragen zur Vorratsdatenspeicherung stellen würden? Oder zu anderen aktuellen netzpolitischen Gesetzgebungen? Einfach eine Kamera anschmeissen, eine gute Frage nett lächelnd in die Kamera formulieren, das Video ins Blog stellen und bei der Tagesschau hochladen.

Würde mich schon jetzt drauf freuen, skurrile Antworten von Kurt Beck dazu zu bekommen.

Nachtrag 24.8.: In der Frankfurter Rundschau räumt Jörg Schönenborn (Chefredakteur des WDR) heute ein, dass man den CNN-Erfolg mit “großem Interesse verfolgt” habe.

Nachtrag 27.8.: Mittlerweile sind die ersten Fragen der Zuschauer unter frage.tagesschau.de online. Man kann auch über die Fragen abstimmen.
(via onlinejournalismus.de)

Jede Lüge braucht einen Mutigen, (2)

August 23, 2007 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Allgemein 

Hier also ist er, der neue Fernsehspot für Bildblog, über den ich schon gestern schrieb. Echt witzisch!


Link: sevenload.com

via

Heldenstadt.de-Relaunch

August 23, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Leipzig 

Nun ist es soweit: Heldenstadt.de, das ultimative Leipzig-Blog, ist heute aus dem Sommerschlaf erwacht, und zwar mit einer großen Neuerung: In Zukunft schreiben statt zwei nun acht Leute für die Seite, unter anderem auch ich. Mehr Infos zum Relaunch hier. Dafür bin ich übrigens auch cartoonisiert worden – das Bild da links stellt mich dar. :) In der Konsequenz heißt meine Autorenschaft bei Heldenstadt.de auch, dass in diesem Blog hier künftig keine Leipzig-Themen mehr auftauchen werden, denn entsprechende Beiträge werde ich stattdessen bei Heldenstadt.de veröffentlichen.

Pro & Contra ARD/ZDF im Netz

August 23, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Blogs/Web 2.0, Fernsehen, Medien 

Der Perlentaucher hat sich die Mühe gemacht, schon jetzt 16 Argumente zusammenzufassen, die möglicherweise in den nächsten Wochen den medienpolitischen Diskurs beherrschen wollen. Die Frage ist nämlich, wieviel die öffentlich-rechtlichen Sender eigentlich im Internet tun dürfen. Bisher dürfen sie nur 0,75 % des Etats für “Programmbegleitung im Internet” ausgeben, doch es dürstet ihnen nach mehr. Die Frage ist eben, ob das Internet zu einer vollwertigen dritten Säule des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neben Radio und Fernsehen werden soll und darf oder nicht. Die Hauptthese von Robin Meyer-Lucht ist in diesem Zusammenhang folgende:

Die medienpolitische Entwicklung ist letztlich vorgezeichnet: Es wird mehr Öffentlich-Rechtliches im Internet geben, dafür wird dort die Öffentlich-Rechtlichkeit stärker als bisher kontrolliert. Damit wird sich mittelfristig auch der Charakter des Dualen Systems verändern. Die Tage von lediglich sporadisch und semiprofessionell durch Rundfunkräte kontrollierten Anstalten sind wohl vorbei. (mehr)

Eine ähnliche Diskussion bahnt sich zudem bei dem Digitalen Programmkorb von ARD und ZDF an: Die Privatsender heulen, dass N24 und n-tv bald dicht machen müssten, sollten Eins Extra und ZDF Info wie geplant ausgebaut werden. Stern.de berichtete schon gestern von Lobbybriefen der großen Sendergruppen ProSiebenSat.1 (denen gehört N24) und RTL (n-tv), denen dies gehörig auf den Sack geht.

Off the Record amüsiert sich in diesem Zusammenhang allerdings über das Selbstverständis von n-tv und N24, sich noch als Nachrichtensender zu sehen:

Das Laufband am Bildschirmrand, dass inzwischen gerne mit Werbung aufgelockert wird oder die Themenvielfalt bei N24 mit “Doku: Passagierflugzeuge – Ready for Take-Off” oder “Volles Rohr: N24-Reporter im Torpedo-Rausch” oder auch so manche wie ein vorproduzierter PR-Beitrag wirkende Wissenssendung?

Vielleicht bei N-TV die Sendung “Mit Kampfpiloten im Einsatz – Im Tiefflug übers Mittelmeer” oder gut durchgespülte “Welt der Wunder” über Mineralwasser oder doch eher gesellschaftlich relevantes wie “5th Avenue” über “Glamour, Luxus und Trends”.

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