Bürgerjournalisten vs. Journalisten

Juli 20, 2007 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Journalismus, Medien, Web 

Über das Trierer Medienblog bin ich auf ein Interview mit Nicholas Lemann aufmerksam geworden, der Dekan der legendären Graduate School of Journalism der Columbia University in New York ist. Gegenüber sueddeutsche.de äußert er sich zum Thema Bürgerjournalismus folgendermaßen:

Schauen Sie sich doch auf den ganzen Websites von sogenannten Bürger-Journalisten um. Die Leute gehen eben nicht aufs Rathaus und stellen harte Fragen. Sie kommentieren die Dinge, die in der Stadt passieren. Das ist auch gut und wertvoll, aber es ist etwas anderes.

Und weiter sagt er:

Die ganzen Blogger auf ihren Websites sind vielleicht Journalisten. Aber sie sind keine Reporter. Sehen Sie es einmal so: Wenn sich die Sohle von meinem Schuh löst, kann ich das zur Not auch selber reparieren. Viel sinnvoller ist es aber doch, wenn ich den Schuh zum Schuhmacher bringe. So ist es mit dem professionellen Journalismus auch.

Oder mit den Worten des Trierer Medienblogs: “Für ihn ist im Prinzip jeder noch so unwichtige Blogger ein Journalist, aber noch lange kein Reporter.” Denn Blogger und Bürgerjournalisten würden eben nur in den wenigsten Ausnahmefällen eigene Stories recherchieren. Hat jemand eben solche gute Gegenbeispiele? Ich bin mir sicher, es gibt sie!

Zwischenstand Bürgerjournalismus

Juli 18, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Journalismus, Medien, Web 

Dan Gillmor, Autor von “We the Media”, einem 2004 erschienen Standardwerk über Grassroots Journalism/Bürgerjournalismus, dass kostenfrei online lesbar ist, hat 10 Thesen zum aktuellen Stand rund um Bürgerjournalismus und User Generated Content verfasst. Die Reader’s Edition hat sich nun die Mühe gemacht, den Text ins Deutsche zu übersetzen. Wer lieber englisch lesen möchte, der kann das selbstverständlich auch tun: Bei Ohmynews, dem Musterbeispiel für Citizen Journalism aus Korea, wo Gillmor seine Thesen letzten Monat bei einem Kongreß verkündet hatte.

Allta Gangstarappa Kai Diekmann!

Juli 18, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Journalismus, Medien, Musik, Spaß 

Für das evangelische Magazin Chrismon hat sich BILD-Chefredakteur Kai Diekmann mit Gangstarap und der verlotterten Jugendsprache beschäftigt. Provokativ meint er in diesem Zusammenhang, Martin Luther habe dem Volk aufs Maul geschaut. Heute sei die “Bild”-Zeitung die Nachfolgerin des Reformators. Naja, wenn er meint, aber das klingt für mich eher endgülitg nach dem Untergang des Abendlandes. Amüsant ist sein Text trotzdem und an manchen Stellen könnte man ihm sogar beipflichten, z. B. wenn er schreibt:

Songtexte populärer deutscher Rapper der sogenannten Aggro-Szene befremden weniger durch die Fixierung auf Sexual- und Gewaltfantastereien als durch die Abwesenheit von Syntax und grammatikalischen Regeln: Akkusativ und Dativ gehen wild durch-einander und das Geschlecht ist, wiewohl häufig besungen, bei Substantiven weitgehend unbekannt: die Auto, das Nutte, den Stadt.

Und weiter:

Auf der Onlinekommentarseite eines Rap-Labels heißt es: “Allta gangstarappa sinja sowat von geil!” Die Antwort: “Schur, echt supi-spaz lider.” Noch ist vieles parodistisch gemeint, aber nicht alles. Bei immer mehr Beiträgen verschwimmen Regel und Brechung, wird die Parodie zum gültigen Standard.

Tour de … Übertragung ausgesetzt

Juli 18, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Fernsehen, Medien, Web 

ARD und ZDF haben heute ja wegen der positiven A-Probe von Patrik Sinkewitz die Übertragung der Tour de France ausgesetzt. Vorbilderlicherweise wurde auch gleich das hauseigene, sonst nicht wirklich regelmäßig genutzte Doping-Blog aktualisiert und die Frage aufgeworfen, was die Zuschauer von der Unterbrechung halten. Mit der Folge, dass sich jetzt viele Fans mit Hilfe der Kommentare Luft machen: Sie fühlten sich bevormundet und wollten keine GEZ-Gebühren mehr zahlen.

Auch Ronnie Grob macht sich auf Medienlese Luft und schreibt:

Ich bin verärgert. Verärgert über die Arroganz, die mir, der ich mich als Fan der Tour de France bezeichne, entgegengebracht wird. Ich interessiere mich für die Radsport-Berichterstattung und nicht für die Doping-Berichterstattung.

Aber mit Verlaub, der Deal war doch klar, die Übertragung endet, wenn neue Doping-Fälle auftreten. Sonst hätten die Sender die Tour vielleicht erst gar nicht übertragen wollen. Schließlich hat das nicht mehr mit Sport zu tun und es sollte doch klar geworden sein, dass ein großer Teil der Fahrer immer wieder gedopt fährt. Das sollte endlich ein Ende haben, vielleicht sollte man mal einfach eine ganze Renn-Saison absagen um endlich eine Selbstreinigung in Bewegung zu setzen! Aber oh Gott, das wird aus wirtschaftlichen Gründen sicher nicht funktionieren… Und die Fans sind sowieso einfach viel zu unkritisch. Man denke nur daran, wie sie Erik Zabel auf der Bayernrundfahrt zugejubelt haben.

Hier noch ein Kommentar von “Jimbo” aus dem ARD-Doping-Blog, der mir ziemlich aus der Seele spricht:

Wirklich erschreckend wievielen Menschen es anscheinend völlig egal ist, ob die Teilnehmer an der TdF sich irgendwelche gesundheitsschädlichen (und z.T. lebensbedrohende) Mittelchen eingeschmissen haben oder nicht, solange sie sich gemütlich zu Hause vor dem Fernseher an deren übermenschlichen Leistungen aufgeilen können.
Genau das ist das Problem: allen ist es egal – dem Team, den Sportlern, den Sponsoren, den Funktionären und wohl auch den meisten Fans… natürlich auch den Ärzten, die ihren hypokratischen Eid schon lange vergessen haben.
Wenn aber ein paar Cent von den Rundfunkgebühren in die TdF fließen, und sich das staatliche Fernsehen dann zu dem richtigen Schritt entschließt, die Übertragung auszusetzen, sind plötzlich alle entsetzt. Sie sehen sich betrogen und bevormundet von ARD und ZDF. Leider nicht von den Sportlern…

Blogosphäre = Neue Öffentlichkeit?

Juli 17, 2007 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Politik, Think Tanks, Web 

Weiter geht es mit Themen rund um meine Abschlussprüfungen in Politikwissenschaft. Die übliche Medienbloggerei wird es bei trice.de wohl erst wieder im August geben. Nur als kleiner Disclaimer vorab für die Leser, die sich wundern, was hier thematisch passiert.

Vor einigen Wochen hatte ich hier ja schon davon geschrieben, dass v.a. Amerikaner der Frage nachgehen, ob das Internet zu einer demokratischen Revolution führen könnte. Zu diesem Thema hat sich vor einigen Tagen ein bekannter amerikanischer Polit-Blogger geäußert, Steve Clemons, der The Washington Note betreibt. Er spricht gegenüber der Netzeitung zwar nicht von Revolution, aber doch von etwas neuem, was v.a. durch Internet und politische Blogs entsteht:

Im Internet entsteht eine neue Art von Öffentlichkeit, ein neues Öko-System. NGOs und Politiker versuchen gleichermaßen, zu diesen Zielgruppen vorzudringen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wieso Steve Clemons sein Blog, dass mittlerweile an manchen Tagen über eine Million Leser hat und damit meiner Meinung nach schon eher unter die Kategorie “Massenmedium” zählen könnte, wieso er sein Blog einst gestartet hat:

Ich möchte die Politik beeinflussen. Mein Blog ist wie meine eigene Zeitung. Ich sehe mich als Teil der Elite und möchte deshalb auch die Elite als Leser. Meine Intention ist nicht unbedingt, besonders viele Leser zu haben – ich möchte die wichtigen Leser.

Damit spricht er sich letztlich gegen die Idee einer demokratischen Revolution bzw. mehr Deliberation aus. Der elitäre Gedanke klingt auf jeden Fall so gar nicht nach Grassroots-Politik und der Idee, dass die Blogosphäre dazu führen würde, dass die breite Öffentlichkeit endlich wieder mehr über Politik diskutieren würde. Seine Einschätzung, wieso es in Deutschland keine einflussreichen politischen Blogs gibt, klingt zudem etwas merkwürdig:

Ich denke dass hat mit der Internet-Durchdringung zu tun. In den USA gibt es rund 45 Millionen Leser politischer Blogs. Das liegt auch daran, dass viele ältere Menschen online sind. Das dürfte in Deutschland nicht der Fall sein. Ich bin aber überzeugt, dass das politische Bloggen auch hier Zukunft hat. Es lohnt sich, früh einzusteigen und sich richtig zu positionieren.

Interessant ist auf jeden Fall auch, dass Steve Clemons der Vize-Direktor des Think Tanks “New America Foundation” ist. Die Antwort auf die Frage der Netzeitung nach der politischen Ausrichtung seines Blogs klingt ziemlich so wie das Mission Statement seines Think Tanks:

Ich sehe mich als Radikalen aus der politischen Mitte. Das Blog ist pragmatisch und ziemlich ausgeglichen, anders als bei den meisten anderen politischen Blogs, die entweder extrem links oder rechts ausgerichtet sind.

Das kommt offenbar an, v.a. auch was die Arbeit des Think Tanks angeht. Erst 1999 gegründet, hat er jetzt schon ein Jahresbudget von über 10 Millionen US-Dollar sowie 90 Mitarbeiter und ist damit einer der größeren Player auf dem “Marktplatz der Ideen”. Einen spannenden Beitrag über die New America Foundation findet sich in der ZEIT 29/2001, der auch online verfügbar ist. Darin hieß es unter anderem:

Halstead und sein Kompagnon Steve Clemont gefallen sich in der Rolle der ambitionierten Provokateure. Sie sind nicht allein. Die New America Foundation versammelt derzeit die jungen Wilden des Landes. In den modernen Büros, die jedem Internet-Start-up Ehre machen würden, versammeln sich Schreiber und Denker, die nicht in Links-rechts-Schemata passen.

Der Think Tank beschreibt sich deshalb auch als “post-partisan”, also post-parteiisch. Und das kommt offenbar an. Diese Idee stammt ursprünglich von Demos, einem 1993 in Großbritannien gegründeten Think Tank, auf dessen Arbeiten sich die Blair-Regierung gerne berief.In Deutschland gibt es dagegen noch kaum Think Tanks diesen Typs, zumindest keine einflussreichen. Berlinpolis nennt sich war selbst auch einen Think Tank der “neuen Generation”, doch ob er wirklich so unparteiisch ist, wird angezweifelt, z.B. in einem Artikel der Nachdenkseiten. Darin wird auf die engen Verbindungen zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) verwiesen, die jeder auch selbst mit einer einfacher Google-Abfrage nachprüfen kann.

Mehr über Think Tanks auf trice.de

(Weiterer Lesetipp zur New America Foundation: “Generation Next” von Jörg Hackeschmidt)

Uni als Unternehmen

Juli 15, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: PR, Politik, Think Tanks 

Keine Ahnung, ob ich nur durch meine anstehende Prüfung in Politikwissenschaft dafür momentan so hellhörig bin. Auf jeden Fall kritisiert Bodo Zeuner, einer der letzten Professoren des Berliner Otto-Suhr-Insituts aus der 68er Bewegung, in seiner Abschiedsvorlesung das Wirken von Bertelsmann Stiftung und Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Sachen Hochschulpolitik und vor allem die Akzeptanz derer Ideen an den Universitäten. Als Beleg führt er u.a. an, dass FU-Präsident Dieter Lenzen sich selbst bei der INSM engagiert und geht mit ihm hart ins Gericht:

Nach traditionellen Maßstäben müsste sich jeder, der in den Verdacht gerät, die Wissenschaft in den Dienst eines solchen Propagandaapparats zu stellen, für das Amt eines Universitätspräsidenten disqualifizieren. Herr Lenzen aber ist ein ehrenwerter Mann, in diesem Jahr wurde er mit wenigen Gegenstimmen wiedergewählt. Das zeigt einen Normwandel hinsichtlich dessen an, was Universität sein und wozu sie dienen soll.
Das Ziel dieses Wandels ist es, Hochschulen zu schaffen, die privat nutzbare und auf dem Markt veräußerbare Waren produzieren. Also werden die Studierenden zu Kunden umdefiniert, die verwendbare Qualifikationen und entsprechende Zertifikate nachfragen und diese mit Studiengebühren bezahlen.

Die Rede Zeuners dokumentiert die taz in der Ausgabe vom morgigen Montag. Seine Meinung ist, dass Unis als Unternehmen einfach nicht funktionieren können:

Es geht um den Charakter der Wissenschaft. Sie kann sich nicht völlig den Schuh- oder Automobilproduzenten angleichen, denn sie unterliegt dem Wahrheitskriterium, während Schuhe und Autos nur nützlich sein müssen.

Nachtrag: Während in der taz nur eine gekürzte Version steht, gibt es mittlerweile die gesamte Rede bei den NachDenkSeiten.

Bertelsmann-Stiftung und Schule

Juli 14, 2007 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Fernsehen, Medien, Think Tanks 

Die Bertelsmann-Stiftung mischt sich ja schon seit den 1990ern “für mehr Qualität im Schul- und Bildungswesen”, wie sie auf ihrer eigenen Website schreibt. Dazu kooperiert sie mittlerweile mit den meisten Bundesländern und darf z. B. in Niedersachsen ganz public-private-partnership-mässig eine gemeinsame Internetseite zusammen mit dem Niedersächsischen Kultusministerium betreiben. Kritiker werfen dem Think Tank vor, mit seinen Evaluationssystemen etc. ein neoliberales Schulsystem etablieren zu wollen (siehe z.B.  Telepolis).

Nun wollen 300 Eltern, Lehrer und Schüler des Robert-Blum-Gymnasiums in Berlin den Spieß umdrehen: Die Bertelsmann-Stiftung, die mehr als 3/4 aller Aktien der Bertelsmann AG besitzt, soll dafür sorgen, dass der Bertelsmann-Fernsehsender RTL endlich Schluss macht mit bildungsfeindlichen Sendungen. In einem Appell, der auf den Nachdenkseiten veröffentlicht wurde, fordern sie Bertelsmann und die Bertelsmann-Stiftung zu fünf Maßnahmen auf:

  1. Absetzen von primitiven Talkshows
  2. Absetzen von Filmen mit extremen Gewaltdarstellungen
  3. zusammen mit anderen Sendern eine erweitere Jugendschutzregelung entwickeln
  4. Verzicht oder Eindämmung von Werbung, die auf Jugendliche und Kinder zielt
  5. Ausstieg der 50-prozentigen RTL-Tochter Super-RTL bei Media Smart, einer Initiative, die im Rahmen des Schulunterrichts angeblich beabsichtigt, Schulkinder “zu unkritischem Umgang mit Werbung zu erziehen”.

Details dazu, wie gesagt, bei den Nachdenkseiten.

Think Tanks – Denken auf Vorrat

Juli 8, 2007 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Medien, Politik, Think Tanks 

Think Tanks sind in den USA schon seit Jahrzehnten, aber seit einiger Zeit auch in Deutschland einer der Hauptmotoren von Politikberatung. Im folgenden möchte ich (motiviert durch eine bevorstehende Uni-Abschlussprüfung) einige Gedankengänge und Ressourcen über dieses Thema darlegen/bereitstellen.

Was sind Think Tanks?

  • Politikberatende Institutionen, die Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess nehmen wollen bzw. dies auch tun. Sie stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und verfügen meist selbst über einen eigenen Forschungsapparat. Oder sie synthesieren zumindest schon vorhandene Forschungsergebnisse und geben ihnen den richtigen “Spin”.
  • Der Terminus wird gerne mit “Denkfabriken” oder “Ideenagenturen” übersetzt. Winand Gellner von der Uni Passau hält ersteres für falsch, denn bei Think Tanks geht es zwar ums Denken, aber nicht um industrielle Fabrikfertigung. Ideenagentur sei passender: Es handele sich dabei um spezialisierte Institutionen die Ideen als Produkte entwickeln, in der Öffentlichkeit verbreiten, um sie einer bestimmten Klientel zur Verfügung zu stellen.
  • Optimalerweise denken Sie auf Vorrat: Wenn ein politisches Problem auftaucht, haben sie idealtypischer Weise schon ein Lösung parat.
  • Weitere Definitionen siehe Answer.com (englisch)

Welche Typen von Think Tanks gibt es?

  • akademisch: Die “Unis ohne Studenten” sind nicht-ideologisch, arbeiten sehr wissenschaftlich, d.h. mit hohem Objektivitätsanspruch. Sie veröffentlichen viele Bücher, die allerdings, so ein Witz innerhalb eines der ältestens Think Tanks der Welt, der amerikanischen Brookings Institution, angeblich oft nur von Studenten und nicht von Entscheidern gelesen werden. Sie orientieren sich an einem langfristigen Zeithorizont. In Deutschland sind diese meist zu einem großen Teil staatlich finanziert, so etwas die großen Wirtschaftsforschungsinstitute wie das DIW.
  • Auftragsforschungsinsitute: V.a. auf Studien im Regierungsauftrag ausgerichtet, der wohl größte Think Tank dieser Art ist RAND in den USA, der nach dem 2. Weltkrieg von der US-Armee initiiert wurde.
  • advokatisch: Ideologisch geprägt, aggressive “Verkäufer” ihrer Ideen und Interessen. Die Heritage Foundation, einer der größten Think Tanks dieser Gruppe, rief einst den “Krieg der Ideen” aus. Diese Gruppe führte die Idee der “policy briefs” ein, Papiere die so kurz & knackig sind, dass sie auf dem Weg vom Flughafen ins Parlament gelesen werden können. Sie forschen selber wenig, halten nichts von Objektivität. Statt dessen wollen sie sich v.a. vermarkten und instrumentalisieren dafür auch gern die Medien.
  • parteiisch: Vor allem in Deutschland verbreitet sind Stiftungen, die politischen Parteien sehr nahe stehen, wie z. B. die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU-nah) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah). Auch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung wird dieser Gruppe zugeordnet. Die klassische Think-Tank-Arbeit macht aber nach Schätzungen nur ca. 20 Prozent ihres Schaffens aus.

Konkurrenten von Think Tanks

  • regierungseigene/parlamentseigene Forschungsapparate bzw. Berater
  • Lobbyisten und andere Interessenvertreter
  • Unternehmensberater, die zunehmend auch die Politik beraten
  • universitäre Forschung
  • Beratung “von unten” durch normale Bürger

Kritik an Think Tanks

  • Kritiker merken an, dass die Politikberatung sich zunehmend “privatisiert”, d.h. Think Tanks veröffentlichen nicht alle ihre Ergebnisse, sondern stellen sie exklusiv nur den geneigten Entscheidungsträgern zur Verfügung. Stichwort hierfür ist die “Re-Feudalisierung von Politik”. Politikwissenschaftler wie Claus Leggewie plädieren daher dafür, dass nicht nur Politiker, sondern auch die Gesellschaft beraten werden sollten. (gesellschaftsberatung.info)
  • Auch mangele es immer häufiger an Transparenz: Von wem stammen die Ideen und Gesetzesentwürfe überhaupt, die umgesetzt werden? Dieser Vorwurf wird v.a. im Zusammenhang mit der Bertelsmann Stiftung immer wieder laut. Letztere habe bspw. die Hartz-Reformen maßgeblich zu verantworten, obwohl sie überhaupt nicht selbst in der Hartz-Kommission saß.
  • Manche Think Tanks seien nur verkappte Lobbyisten: Sie täten so, als ginge es ihnen um das Gemeinwohl und sie machten “Politikberatung”, weil dies seriöser klingt als Einflussnahme/Interessenpolitik für die eigenen Geldgeber. Solche Vorwürfe werden v.a. gegenüber der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), derer Kritiker sich z. B. unter INSM-Watchblog formieren, und wiederum der Bertelsmann-Stiftung geäußert (siehe Tagesspiegel: Macht ohne Mandat und das kritische Bertelsmann-Wiki). Deren Gemeinnützigkeit wird schon seit einiger Zeit von linken Seite angezweifelt.

Gute Online-Quellen zu Think Tanks

Neue Lesetipps (nachträglich ergänzt):

Ich würde mich auf jeden Fall über Anmerkungen & Ergänzungen hier in den Kommentaren freuen!

Medien in Lateinamerika

Juli 8, 2007 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Journalismus, Medien 

Seit heute gibt’s bei Telepolis einen sehr ausführlichen Artikel zu Medien in Lateinamerika zu lesen. Vor allem soziale Bewegungen fordern, dass sich die Medien dort endlich demokratisieren sollen:

Die Konfliktlinie verläuft aber nicht zwischen Medienkonzernen und Regierungen. Der Widerspruch besteht zwischen einer privaten Medienlandschaft und dem demokratischen Grundkonsens in modernen Gesellschaften.

TV 2.0/3.0

Juli 7, 2007 by Florian Treiß · Kommentare deaktiviert
Filed under: Fernsehen, Leipzig, Medien 

Heute ist eine knapp 60-seitige Studie zum Thema “TV 2.0″, also der Zukunkft des Fernsehens im Internet, erschienen. Download über Bertram Gugels Blog Digitaler Film, der das Whitepaper zusammen mit Harald Müller verfasst hat. Das Fazit:

Die besten Zeiten für das Fernsehen sind vorbei. Das Internet wird als Übertragungsweg und in Form neuer Anbieter viele Funktionen übernehmen.

In diesem Zusammenhang sicher interessant: Noch bis zum 31.7. rufen die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Journalistik der Uni Leipzig zum Call for Papers für die Konferenz “TV 3.0″ auf. Diese soll Anfang 2008 zu den Auswirkungen der technischen und strukturellen Entwicklung im Fernsehbereich stattfinden. Infos hier.

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