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Blogosphäre = Neue Öffentlichkeit?
Weiter geht es mit Themen rund um meine Abschlussprüfungen in Politikwissenschaft. Die übliche Medienbloggerei wird es bei trice.de wohl erst wieder im August geben. Nur als kleiner Disclaimer vorab für die Leser, die sich wundern, was hier thematisch passiert.
Vor einigen Wochen hatte ich hier ja schon davon geschrieben, dass v.a. Amerikaner der Frage nachgehen, ob das Internet zu einer demokratischen Revolution führen könnte. Zu diesem Thema hat sich vor einigen Tagen ein bekannter amerikanischer Polit-Blogger geäußert, Steve Clemons, der The Washington Note betreibt. Er spricht gegenüber der Netzeitung zwar nicht von Revolution, aber doch von etwas neuem, was v.a. durch Internet und politische Blogs entsteht:
Im Internet entsteht eine neue Art von Öffentlichkeit, ein neues Öko-System. NGOs und Politiker versuchen gleichermaßen, zu diesen Zielgruppen vorzudringen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wieso Steve Clemons sein Blog, dass mittlerweile an manchen Tagen über eine Million Leser hat und damit meiner Meinung nach schon eher unter die Kategorie “Massenmedium” zählen könnte, wieso er sein Blog einst gestartet hat:
Ich möchte die Politik beeinflussen. Mein Blog ist wie meine eigene Zeitung. Ich sehe mich als Teil der Elite und möchte deshalb auch die Elite als Leser. Meine Intention ist nicht unbedingt, besonders viele Leser zu haben – ich möchte die wichtigen Leser.
Damit spricht er sich letztlich gegen die Idee einer demokratischen Revolution bzw. mehr Deliberation aus. Der elitäre Gedanke klingt auf jeden Fall so gar nicht nach Grassroots-Politik und der Idee, dass die Blogosphäre dazu führen würde, dass die breite Öffentlichkeit endlich wieder mehr über Politik diskutieren würde. Seine Einschätzung, wieso es in Deutschland keine einflussreichen politischen Blogs gibt, klingt zudem etwas merkwürdig:
Ich denke dass hat mit der Internet-Durchdringung zu tun. In den USA gibt es rund 45 Millionen Leser politischer Blogs. Das liegt auch daran, dass viele ältere Menschen online sind. Das dürfte in Deutschland nicht der Fall sein. Ich bin aber überzeugt, dass das politische Bloggen auch hier Zukunft hat. Es lohnt sich, früh einzusteigen und sich richtig zu positionieren.
Interessant ist auf jeden Fall auch, dass Steve Clemons der Vize-Direktor des Think Tanks “New America Foundation” ist. Die Antwort auf die Frage der Netzeitung nach der politischen Ausrichtung seines Blogs klingt ziemlich so wie das Mission Statement seines Think Tanks:
Ich sehe mich als Radikalen aus der politischen Mitte. Das Blog ist pragmatisch und ziemlich ausgeglichen, anders als bei den meisten anderen politischen Blogs, die entweder extrem links oder rechts ausgerichtet sind.
Das kommt offenbar an, v.a. auch was die Arbeit des Think Tanks angeht. Erst 1999 gegründet, hat er jetzt schon ein Jahresbudget von über 10 Millionen US-Dollar sowie 90 Mitarbeiter und ist damit einer der größeren Player auf dem “Marktplatz der Ideen”. Einen spannenden Beitrag über die New America Foundation findet sich in der ZEIT 29/2001, der auch online verfügbar ist. Darin hieß es unter anderem:
Halstead und sein Kompagnon Steve Clemont gefallen sich in der Rolle der ambitionierten Provokateure. Sie sind nicht allein. Die New America Foundation versammelt derzeit die jungen Wilden des Landes. In den modernen Büros, die jedem Internet-Start-up Ehre machen würden, versammeln sich Schreiber und Denker, die nicht in Links-rechts-Schemata passen.
Der Think Tank beschreibt sich deshalb auch als “post-partisan”, also post-parteiisch. Und das kommt offenbar an. Diese Idee stammt ursprünglich von Demos, einem 1993 in Großbritannien gegründeten Think Tank, auf dessen Arbeiten sich die Blair-Regierung gerne berief.In Deutschland gibt es dagegen noch kaum Think Tanks diesen Typs, zumindest keine einflussreichen. Berlinpolis nennt sich war selbst auch einen Think Tank der “neuen Generation”, doch ob er wirklich so unparteiisch ist, wird angezweifelt, z.B. in einem Artikel der Nachdenkseiten. Darin wird auf die engen Verbindungen zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) verwiesen, die jeder auch selbst mit einer einfacher Google-Abfrage nachprüfen kann.
Mehr über Think Tanks auf trice.de
(Weiterer Lesetipp zur New America Foundation: “Generation Next” von Jörg Hackeschmidt)
Kommentare
2 Kommentare on Blogosphäre = Neue Öffentlichkeit?
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Gemeinschaftsraum von bblogs.de » Blog Archive » Parlamentarier zu Bloggern? on
Do, 9th Aug 2007 15:01
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mein-parteibuch.com » Vom Einfluss politischer Blogs in Deutschland … on
Mo, 27th Aug 2007 23:35
[...] 2 Bei Florian Treiß, nach eigenem Bekunden und Verständnis freier Journalist, fand ich hier einige lesenswerte Gedanken, die er so betitelt: “Blogosphäre = Neue [...]
[...] dabei den entscheidenden Punkt. Blogs können als unkontrollierbare Informationsquellen einer neuen Öffentlichkeit dafür sorgen, dass über Jahrzehnte, Jahrhunderte oder gar über Jahrtausende mit [...]



