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Think Tanks – Denken auf Vorrat

8. Juli 2007 · Kategorien: Medien, Politik, Think Tanks 

Think Tanks sind in den USA schon seit Jahrzehnten, aber seit einiger Zeit auch in Deutschland einer der Hauptmotoren von Politikberatung. Im folgenden möchte ich (motiviert durch eine bevorstehende Uni-Abschlussprüfung) einige Gedankengänge und Ressourcen über dieses Thema darlegen/bereitstellen.

Was sind Think Tanks?

  • Politikberatende Institutionen, die Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess nehmen wollen bzw. dies auch tun. Sie stützen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und verfügen meist selbst über einen eigenen Forschungsapparat. Oder sie synthesieren zumindest schon vorhandene Forschungsergebnisse und geben ihnen den richtigen “Spin”.
  • Der Terminus wird gerne mit “Denkfabriken” oder “Ideenagenturen” übersetzt. Winand Gellner von der Uni Passau hält ersteres für falsch, denn bei Think Tanks geht es zwar ums Denken, aber nicht um industrielle Fabrikfertigung. Ideenagentur sei passender: Es handele sich dabei um spezialisierte Institutionen die Ideen als Produkte entwickeln, in der Öffentlichkeit verbreiten, um sie einer bestimmten Klientel zur Verfügung zu stellen.
  • Optimalerweise denken Sie auf Vorrat: Wenn ein politisches Problem auftaucht, haben sie idealtypischer Weise schon ein Lösung parat.
  • Weitere Definitionen siehe Answer.com (englisch)

Welche Typen von Think Tanks gibt es?

  • akademisch: Die “Unis ohne Studenten” sind nicht-ideologisch, arbeiten sehr wissenschaftlich, d.h. mit hohem Objektivitätsanspruch. Sie veröffentlichen viele Bücher, die allerdings, so ein Witz innerhalb eines der ältestens Think Tanks der Welt, der amerikanischen Brookings Institution, angeblich oft nur von Studenten und nicht von Entscheidern gelesen werden. Sie orientieren sich an einem langfristigen Zeithorizont. In Deutschland sind diese meist zu einem großen Teil staatlich finanziert, so etwas die großen Wirtschaftsforschungsinstitute wie das DIW.
  • Auftragsforschungsinsitute: V.a. auf Studien im Regierungsauftrag ausgerichtet, der wohl größte Think Tank dieser Art ist RAND in den USA, der nach dem 2. Weltkrieg von der US-Armee initiiert wurde.
  • advokatisch: Ideologisch geprägt, aggressive “Verkäufer” ihrer Ideen und Interessen. Die Heritage Foundation, einer der größten Think Tanks dieser Gruppe, rief einst den “Krieg der Ideen” aus. Diese Gruppe führte die Idee der “policy briefs” ein, Papiere die so kurz & knackig sind, dass sie auf dem Weg vom Flughafen ins Parlament gelesen werden können. Sie forschen selber wenig, halten nichts von Objektivität. Statt dessen wollen sie sich v.a. vermarkten und instrumentalisieren dafür auch gern die Medien.
  • parteiisch: Vor allem in Deutschland verbreitet sind Stiftungen, die politischen Parteien sehr nahe stehen, wie z. B. die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU-nah) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah). Auch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung wird dieser Gruppe zugeordnet. Die klassische Think-Tank-Arbeit macht aber nach Schätzungen nur ca. 20 Prozent ihres Schaffens aus.

Konkurrenten von Think Tanks

  • regierungseigene/parlamentseigene Forschungsapparate bzw. Berater
  • Lobbyisten und andere Interessenvertreter
  • Unternehmensberater, die zunehmend auch die Politik beraten
  • universitäre Forschung
  • Beratung “von unten” durch normale Bürger

Kritik an Think Tanks

  • Kritiker merken an, dass die Politikberatung sich zunehmend “privatisiert”, d.h. Think Tanks veröffentlichen nicht alle ihre Ergebnisse, sondern stellen sie exklusiv nur den geneigten Entscheidungsträgern zur Verfügung. Stichwort hierfür ist die “Re-Feudalisierung von Politik”. Politikwissenschaftler wie Claus Leggewie plädieren daher dafür, dass nicht nur Politiker, sondern auch die Gesellschaft beraten werden sollten. (gesellschaftsberatung.info)
  • Auch mangele es immer häufiger an Transparenz: Von wem stammen die Ideen und Gesetzesentwürfe überhaupt, die umgesetzt werden? Dieser Vorwurf wird v.a. im Zusammenhang mit der Bertelsmann Stiftung immer wieder laut. Letztere habe bspw. die Hartz-Reformen maßgeblich zu verantworten, obwohl sie überhaupt nicht selbst in der Hartz-Kommission saß.
  • Manche Think Tanks seien nur verkappte Lobbyisten: Sie täten so, als ginge es ihnen um das Gemeinwohl und sie machten “Politikberatung”, weil dies seriöser klingt als Einflussnahme/Interessenpolitik für die eigenen Geldgeber. Solche Vorwürfe werden v.a. gegenüber der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), derer Kritiker sich z. B. unter INSM-Watchblog formieren, und wiederum der Bertelsmann-Stiftung geäußert (siehe Tagesspiegel: Macht ohne Mandat und das kritische Bertelsmann-Wiki). Deren Gemeinnützigkeit wird schon seit einiger Zeit von linken Seite angezweifelt.

Gute Online-Quellen zu Think Tanks

Neue Lesetipps (nachträglich ergänzt):

Ich würde mich auf jeden Fall über Anmerkungen & Ergänzungen hier in den Kommentaren freuen!

Kommentare

2 Kommentare on Think Tanks – Denken auf Vorrat

  1. Verkannte Blogperlen | trice.de on Fr, 3rd Aug 2007 16:31
  2. [...] Quotenhit werden: So finde ich es selbst z. B. schade, dass ich auf meinen ausführlichen Beitrag Think Tanks – Denken auf Vorrat keinerlei Feedback bekam und auch die Zugriffszahlen nicht so doll sind. Genau umgekehrt ist es mit [...]

    [...] Think Tanks – Denken auf Vorrat [...]