Diverse Blogtipps
Hier mal einige Empfehlungen für Leute, die mit dem Bloggen anfangen wollen bzw. sich noch nicht all zu gut damit auskennen und ihre Kenntnisse aufbessern wollen:
- Zwar schon ein paar Monate älter, aber immernoch ultimativ: Krusensterns Blog-Handbuch
- Ebenfalls toll für Einsteiger: Uploads Gruppen-Schreibprojekt “Blogtipps für Einsteiger”
- Etwas spezieller und erst gestern frisch ins Netz gestellt: “Wordpress-Themes verstehen” von Perun – dabei geht es um Layout-Möglichkeiten für die beliebte Blogsoftware Wordpress
- Wie sieht’s mit Geld verdienen beim Bloggen aus? Robert Basic hat im Juni eine umfangreiche Umfrage dazu durchgeführt
- Und dann noch ein Surftipp: Rivva.de ist ein tolles Projekt, das versucht, den aktuellen “Buzz” in der deutschen Blogosphäre bzw. die größten Diskussionen der Blogs abzubilden
Geschafft!
Endlich ist’s vorbei – ich habe alle meine Prüfungen in Politikwissenschaft hinter mich gebracht und bin mit den Resultanten bislang ganz zufrieden. :) Mein letztes Thema war übrigens der “Freie Wille” – und der ist bei mir jetzt auf jeden Fall wieder mehr vorhanden und wird weniger durch die Uni determiniert…
Lobbyisten als Leihbeamte (2)
Die Anti-Lobby-Organisation LobbyControl hat eine Datenbank ins Netz gestellt, aus der hervorgeht, in welchen Ministerien welche Leihbeamte sitzen. Bei SpOn gibt’s dazu auch einen ausführlichen Bericht. Es ist echt unglauchlich – mittlerweile sind über 100 Fälle bekannt, wo Lobbyisten direkt in den Ministerien offenkundig selbst an Gesetzen, Rechtsvorschriften und Co. basteln können, die die eigenen Unternehmen betreffen.
Neu ist das Phänomen natürlich nicht: Ich hatte hier ja schon mal über einen Monitor-Bericht und eine WDR-Doku zum Thema berichtet. Das Phänomen hat offenkundig durch die Aktion “Seitenwechsel” einen enormen Schub bekommen, das die rot-grüne Bundesregierung 2004 ins Leben gerufen hatte. Ministerialbeamte sollten im Rahmen der Aktion ihren Schreibtisch mit Profis aus der Wirtschaft tauschen. Bis heute findet sich auf den Internetseiten der Bundesregierung ein schöner Werbebericht dazu:
“Das Thema Austauschprozesse ist eins der Möglichkeiten, um diesen Staat zu bewegen”, sagt Holger Meinel, Daimler-Chrysler Manager, derzeit im Bundeswirtschaftsministerium tätig. “Wenn jeder nur an seinem Schreibtisch vor sich hinwerkelt, kommt im Endergebnis nicht viel heraus. Die Seiten müssen sich einfach viel, viel besser verstehen, um mitzukriegen, worum es sich wirklich dreht.”
Das Programm wurde sogar evaluiert und ein schöner Bericht als PDF ins Netz gestellt. Es gibt übrigens eine ominöse Website jobs-in-ministerien.de, auf der eine angebliche Vermittlungsagentur für eine Runde 2 des Programms “Seitenwechsel” wirbt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die damalige Bundesregierung offensichtlich die Expertise von Firmenmitarbeitern größer einschätzte als die von wissenschaftlichen Politikberatern. Denn was das Programm “Seitenwechsel” bedeutet ist eine Stimulierung des “revolving door”-Effekts, des Drehtüreffekts. Genau das ist nämlich die Stärke von Think Tanks in den USA: Das es einen ständigen Personalwechsel zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung gibt. So können Think Tanks praxisnaher arbeiten und die Politik und Verwaltung werden von der Wissenschaft stimuliert.
Hier noch die Forderungen von LobbyControl an die Bundesregierung:
LobbyControl fordert von der Bundesregierung:
1. Lobbyisten raus aus den Ministerien!
Die Beschäftigung externer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ministerien muss beendet werden. Die Bundesregierung muss weiteren Fällen dieser Art einen Riegel vorschieben. Dafür muss eine verbindliche Regelung geschaffen werden, die es verbietet, externe Mitarbeiter, die vom entsendenden Unternehmen weiter bezahlt werden, in den Ministerien zu beschäftigen.2. Offenlegung aller Informationen!
Die Bundesregierung muss alle Informationen über die Mitarbeit von Lobbyisten in Ministerien lückenlos offenlegen. Wann genau haben externe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an welchen Themen gearbeitet? Haben sie an Gesetzen oder staatlichen Verordnungen mitgewirkt? Wer waren die Mitarbeiter in den Ministerien und für welche Unternehmen und Verbände haben sie gearbeitet?3. Transparente und demokratische Wege zu externem Sachverstand!
Externer Sachverstand soll stattdessen auf demokratischem Weg eingeholt werden, z.B. über Anhörungen oder andere Beteiligungsverfahren, die einen gleichberechtigten und offenen Zugang aller gesellschaftlicher Interessen ermöglichen. Der Austausch zwischen Regierung und Gesellschaft ist sinnvoll, aber er kann nicht durch die einseitige Entsendung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Unternehmen und (Wirtschafts)Verbänden in die Ministerien erfolgen.Analog gelten diese Forderungen auch für die beteiligten Unternehmen und Verbände. Sie sollten aus eigener Initiative ihre Mitarbeit in Ministerien offenlegen und beenden.
Nachtrag: Die taz merkt zudem an, dass bei den Lobbyisten in Ministerien bislang Umweltverbände und andere NGOs außen vor geblieben sind.
Simpsons überall
Der Simpsons-Kinofilm ist ja gestern an den Start gegangen. Ich selbst werde es leider wohl erst nächste Woche schaffen, ihn zu sehen. Aber ich möchte auf jeden Fall auf eine Übersicht verweisen, was die Blogosphäre über den Film denkt: Und zwar bei Was mit Medien. Die Fünf Filmfreunde fehlen leider in der Übersicht, deren Rezension lohnt sich auf jeden Fall auch!
Successful undertaker
Sueddeutsche.de hat eine nette, aufklärerische Sprechblasen-Bildstrecke zu typischen Englisch-Fehlern ins Netz gestellt, die jeden Business-Deal ruinieren können.
Dazu gibt noch’s ein Interview mit einem Experten, was man besser machen kann…
Weisheit des Tages (14)
Spiegel Online heute über Bürowahnsinn, die neue Arbeitswelt und Reizüberflutungen durch eMails, Handys, Internet und Co.:
Wer zu vielen Informationen auf einmal ausgesetzt ist und alles auf einmal erledigen will, kann sich irgendwann gar nicht mehr konzentrieren, wird aggressiv und unproduktiv.
OK, aggressiv geworden bin ich deshalb noch nie, aber das mit der Infoflut kenne ich irgendwo her. Übrigens nicht nur wegen Internet, sondern auch generell beim wissenschaftlichen Arbeiten und der journalistischen Recherche: Man kann immer noch mehr und noch mehr in Erfahrung bringen, sei es durch Telefonate, Literaturrecherche, Internet oder sonst was. Und Push-Technologien wie RSS und eMails halten einen noch zusätzlich von dem ab, was man eigentlich recherchieren will. Oder? Gegenrezepte?
Journalistisch überleben
J-Lab, das “Institut für interaktiven Journalismus” an der University of Maryland, hat ein Dossier zur Zukunft des Journalismus herausgebracht: Journalism 2.0: How to Survive and Thrive. A digital literacy guide for the information age. (PDF, 2 MB). 132 Seiten stark ist das Handbuch, Lektüre könnte sich vor allem für Einsteiger und weniger web-affine Journalisten durchaus lohnen.
User-generated Wahlkampfdebatte
Erst in den vergangenen Tagen hatte ich über die Fragen Internet = Demokratische Revolution? und Blogosphäre = Neue Öffentlichkeit? geschrieben. Heute Abend steht nun in den USA etwas an, was den Wahlkampf vielleicht nicht revolutionieren wird, aber doch verändern könnte: Eine Wahlkampfdebatte mit User Generated Content. CNN und YouTube haben die Menschen dazu aufgerufen, ihre Fragen für die demokratischen Kandidaten per Video zu stellen und diese bei YouTube hochzuladen. Und heute Abend werden dann zumindest ein paar der 2989 eingegangenen Fragen in einer Liveshow beantwortet werden können.
Die Frage ist natürlich, ob das viel Lärm um nichts ist oder tatsächlich ein neues demokratisches Potential davon ausgeht, wie The Caucus schreibt:
No one is quite sure whether this new kind of presidential debate will turn out to be “an overhyped gimmick or if it will substantially alter the debates or politics,” writes The Times’s Katharine Q. Seelye.
Markus Ziener vom Handelsblatt meint auf jeden Fall:
Es ist dies ein weiterer Versuch, jenes Publikum zu erreichen, das sich von den traditionellen Medien immer mehr abwendet – auch vom Fernsehen. Das Internet hat als vermeintlich umfassendstes Informationsmedium eine solche Reichweite, dass etablierte Medien wie CNN schon lange diesen Brückenschlag unternehmen. [...] Dass sich die Präsidentschaftskandidaten nun auf das CNN/YouTube-Experiment einlassen zeigt jedoch auch, wie sehr sich Kampagnen verändert haben. Die Kandidaten sammeln immer mehr Geld übers Internet – und konsequenterweise debattieren sie nun auch auch im Internet.
Im September soll das gleiche Verfahren dann nochmal für republikanische Kandidaten angewandt werden.
Nachtrag 25.7.: Bei Spiegel Online gibt’s einen ausführlichen Nachbericht dazu, der durchaus zu dem Schluss kommt, dass das Netz die politische Kultur in den USA verändert. Aber:
Wir Deutschen können das alles übrigens noch nicht: Das politische Netz hierzulande ist in einem erbärmlichen Zustand, die paar politisch orientierten Weblogs, die es gibt, haben kaum Leser, eine Debattenkultur existiert so gut wie nicht. Deutschlands Blogger sind immer noch zu einem großen Teil damit beschäftigt, entweder über den eigenen Alltag oder über das Bloggen selbst zu bloggen. Und die deutsche Politik betrachtet das Netz vor allem als etwas, das es zu kontrollieren
, reglementieren und überwachen gilt.
Macht des politischen Journalismus
Heute steht in der FAZ ein aufschlussreiches Interview mit Gabor Steingart, der bis vor kurzem das Hauptstadtbüro von Der Spiegel leitete und nun für das Blatt Washington-Korrespondent ist. Er gilt als Ziehsohn von Chefredakteur Stefan Aust und soll in den Augen seiner Kritiker maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, dass der Spiegel angeblich neoliberal geworden ist. Und tatsächlich äußert er sich auch zu diesem Punkt:
Früher hieß es „Dann geh doch rüber“, heute beschimpft man Andersdenkende als „neoliberal“. Der Grund ist beide Male derselbe: Man will einer Diskussion ausweichen. So verlieren wir weiter Zeit, und wenn die narkotisierende Wirkung des Wirtschaftsaufschwungs sich verflüchtigt hat, stehen wir wieder vor den alten Fragen: Wie lässt sich soziale Sicherheit für eine schrumpfende Gesellschaft organisieren? Welchen Beitrag muss das Kapital leisten, welchen die Arbeitnehmer? In welcher Weise verändert die Globalisierung die Spielregeln? Welche Rolle hat ein moderner Staat zu spielen?
Noch spannender ist aber seine Antwort auf die Frage, ob Der Spiegel tatsächlich eine Kampagne gegen Rot-Grün geführt habe:
Ich widerspreche nicht: Wenn Kritik und wiederholte Kritik eine Kampagne ist, dann haben wir eine Kampagne betrieben. Die Substanz von Rot-Grün war aufgezehrt, ohne dass den Akteuren das damals schon klar war. Im Rückblick urteilen im Übrigen auch Fischer und Schröder deutlich milder über den „Spiegel“. Es gibt Bitterkeit, aber keine Feindschaft.
Journalistische Neutralität war damals also fehl am Platz. Und Steingart hat übrigens auch nichts dagegen, sich Alphajournalist nennen zu lassen. Das ganze Interview kann man bei der FAZ auch online lesen.
Weisheit des Tages (13)
Jeff Jarvis, amerikanischer Journalist, Blogger und Medienvordenker, singt nach einem Workshop mit Burda-Volontären ein Hochlied auf Praktikanten (ok, in Amerika kennt man den Unterschied zwischen Volos und Praktikanten nicht, aber das ist mir in Deutschland auch schon mal passiert…):
I’ve been told that the secret to MTV’s success is that it is reallly run by its interns. Having interns and giving them the respect to both train them and listen to them is vital today for the obvious reason: They understand the future better than the rest of us.

