Weisheit des Tages (9)
Thomas Knüwer im Chat bei Politik-Digital:
Journalisten können von Bloggern lernen, zu Fehlern zu stehen, ihre Quellen zu öffnen und wieder gründlicher zu recherchieren. Die meisten Journalisten können außerdem lernen, dass das Internet nicht nur aus Spiegel Online besteht. Blogger können von Journalisten lernen, unvoreingenommener an Themen heranzugehen. Und: Auch Blogger können ruhig mal versuchen, journalistisch zu recherchieren. Natürlich gibt es dann oft Absagen. Aber nicht immer, wie Johnny Haeusler damals in Sachen Coca-Cola bewies: Er bekam ein Telefoninterview mit einem Sprecher in der Konzernzentrale.
RTL Klimaschwindel
Am Montag liefen ja bei RTL Doku & Diskussionrunde zum angeblichen “großen Klimaschwindel”. Die Wissenschaftsredaktion der Süddeutschen hat sich die Mühe gemacht, all die Fehler in der Doku aufzuzählen und zum Fazit zu kommen, das letztlich die Doku selbst ein großer Schwindel ist. Das hätte RTL natürlich auch schon vorher wissen können, schließlich war die adaptierte Doku aus Großbritannien schon seit Monaten im Kreuzfeuer der Kritik. Eine lebhafte Diskussion zum RTL-Klimaabend spielt sich übrigens gerade beim Medienblogger in den Kommentaren ab.
Rechtsextremismus und Medien
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bietet - wie berichtet - ein nach und nach wachsendes Online-Dossier zum Thema Rechtsextremismus an. Diesen Monat ist der Schwerpunkt Rechtsextremismus und Medien dazu gekommen mit rund 10 Beiträgen zum Thema. U.a. hat ZEIT-Autor Toralf Staud einen Ratgeber für Journalisten erstellt, in dem er der Frage nachgeht, wie man mit den Rechten redet. Schade, dass es das Dossier nicht in gedruckter Form gibt!
Phoenix Bibliothek = Web 2.0?
In der Süddeutschen steht heute ein durchaus interessanter Artikel darüber, dass der Ereigniskanal Phoenix sich und seinen Zuschauer zum 10-jährigen Bestehen ein nettes Geschenk im Internet gemacht hat: Eine On-Demand-Videothek mit den Highlights aus 10 Jahren Programm mit dem Namen Phoenix Bibliothek. Mal abgesehen von dem nicht wirklich passenden Namen (Mediathek oder Videothek wäre stimmiger), den Phoenix dem Angebot verpasst hat, war ich bei dem Text darüber in der SZ v.a. über eine Sache verdutzt – über den Vorspann:
Der einstmals betuliche Sender Phoenix hat sich im zehnten Jahr seines Bestehens zum öffentlich-rechtlichen Versuchslabor fürs Web 2.0 entwickelt. (mehr…)
Liebe SZ, was zum Teufel soll an dieser Mediathek denn nun bitte Web 2.0 sein? Das hat doch überhaupt nichts mit Communities, User Generated Content und was sonst noch so alles dazu zählt zutun. Kleine Leseempfehlung: What is Web 2.0 von Tim O’Reilly.
Zukunft des Politmagazins
Heute Abend geht erstmals das neue Politmagazin des WDR für junge Leute, “Echtzeit”, an den Start. Und zwar von 22 Uhr bis 22.30 Uhr im WDR Fernsehen. Man darf gespannt sein, wie die neue Sendung, die -wie berichtet - zunächst noch unter dem Projekttitel “Studio P” firmierte, sein wird und natürlich auch, wie sie beim Publikum ankommt.
In einer Pressemitteilung heißt es u.a.:
Auf Politiker nd Experten verzichtet die Sendung dabei aber so gut wie ganz. Im Mittelpunkt des 30minütigen Magazins, das ohne Moderator auskommt,
steht immer die Frage: Wie wirken sich politische Entscheidungen im fernen Berlin und anderswo auf mein eigenes Leben aus?Echtzeit – stellt in jeder Ausgabe vier junge Menschen vor – und welche Folgen Politik ganz konkret für ihr Leben hat. Die Filme zeigen Probleme aus Politik und Gesellschaft, die junge Menschen angehen – und zwar subjektiv aus der Sicht der Protagonisten.
Der Tagesspiegel hat schon vorab einen Einblick bekommen und schreibt:
Im Vergleich mit dem 2003 gescheiterten, hektischen Live-Experiment „Kanzlerbungalow“ wirkt „echtzeit“ mit seiner schlichten Magazin-Struktur beinahe spartanisch: Jede der vorerst acht geplanten Folgen enthält vier sechs- bis siebenminütige Reportagen über jeweils eine Person. Es gibt keinen Moderator im Studio, allerdings leitet der jeweilige Autor seinen Beitrag selbst ein.
Und hier geht’s zur Homepage der neue Sendung.
Bürgerjournalismus und Tageszeitungen
Vor ein paar Tagen gab’s in Berlin eine Podiumsdiskussion unter dem Motto “Bürgerjournalismus – was bringt’s den Tageszeitungen?”. Eine kleine Zusammenfassung gibt’s bei der taz (die nebenbei darauf hinweist, ihre Website noch diesen Monat zu relaunchen und dabei auch mehr auf Bürgerjournalismus zu achten – schließlich sei die taz selbst ja ursprünglich auch eine bürgerjournalistische Idee gewesen mit dem Ziel, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen).
Felix von Wirres.net hat sich die Diskussion auch reingezogen und fand nicht nur den Titel des Podiums “spackig”, sondern wohl auch die Veranstaltung selbst:
über bürgerjournalismus oder was das eigentlich sei oder was es den tageszeitungen bringe: kein wort. nicht dass ich mich dafür sonderlich interessiere was „bürgerjournalismus“ tageszeitungen bringe, ich muss ja mit tageszeitungen kein geld verdienen, aber man hätte die veranstaltung ja von anfang an „onlinejournalisten sind toll“ nennen können.
Schreiben für Springer
Interessant, was die freie Journalistin Antje Hildebrandt bei medienlese.com zum Verkaufen von Texten an Medien des Springer-Verlags anmerkt:
Da bei Springer aber alle Redaktionen auf alle Texte Zugriff haben, hat sich die Welt das Interview geschnappt. Man hat also als Zulieferer keinen Einfluss darauf, in welchem Springer-Blatt die Texte landen. In einem früheren Fall musste ich mit Entsetzen feststellen, dass Auszüge aus einer Reportage von mir über Christiane F. plötzlich bei bild-online auftauchten (ohne dass ich jemals einen Cent Honorar bekommen hätte).
G8 als Wellnessoase für Journalisten
Schon mal bei Google nach Journalisten “nehmen keine Geschenke an” gesucht? Sofort landet man bei Richtlinien der Medien, und zwar v.a. von Springer und ProSiebenSat.1. Aber das diese Regel oft nur eine Farce ist, sieht man nun bestens am G8-Gipfel: SpiegelOnline hat dazu einen netten kleinen Fernsehbeitrag gedreht – Wellness, Massagen und Champagnerlaune bei den Journalisten gibt’s da zu sehen. Und Medienlese.com hat dazu eine sehr Umfangreiche Blog-/Medienschau angefertigt. Was dürfen Journalisten? – Diese Frage, die der Tagesspiegel vor fünf Wochen stellte, bleibt also weiter aktuell.
Leipzig-Tipp: Here we come
Bereits Anfang März hatte ich hier den Film über Breakdance in der DDR, “Here we come”, empfohlen. Doch leider (oder zum Glück) stieß der Film auf so große Resonanz, dass die Vorstellungen in der Nato ausverkauft waren und ich ihn mir leider deshalb nicht anschauen konnte. Am Freitag, 8.6. wird der Streifen nun erneut in Leipzig aufgeführt, und zwar um 20 Uhr in der “Runden Ecke”:
Nico Raschicks Dokumentarfilm “Here We Come” erzählt die Geschichte der Breakdance- und Hip-Hop-Kultur in der DDR. Er vermittelt, so der Filmemacher, “ein sehr persönliches Gefühl für den ganz normalen Alltag”, jenseits der verklärenden Ostalgiewelle.
Bislang wurde der Film auf der Berlinale sowie bei einigen Festivals, darunter in Kassel, Lünen und San Francisco gezeigt.
Weisheit des Tages (8)
Hajo Seppelt, Doping-Experte des RBB, heute in einem Interview mit der Berliner Zeitung über Doping und die Medien:
Der Sportchef Ihrer Zeitung, Jens Weinreich, hat das Bonmot geprägt, Sportjournalisten seien ‘die Fans die es über die Absperrung geschafft haben’



