Weisheit des Tages (10)
Thomas Urban von der Süddeutschen über Journalismus in Polen und das aktuelle Titelbild der Wprost, wo die Kacyzinski-Brüder von Angela Merkel gestillt werden:
Die polnischen Journalisten sehen sich weniger in der Rolle des Beobachters, des Berichterstatters, als vielmehr in der des Agitators, der kampagnenartig gegen den politischen Gegner vorgeht. Diejenigen etwa, die sich mit Deutschland befassen, sehen sich grundsätzlich zunächst als Verteidiger der Ehre des Vaterlandes, was für deutsche Korrespondenten völlig undenkbar ist. Manche haben klare Anweisung, die Deutschen in einem trüben Licht erscheinen zu lassen. Ich weiß von einem Redakteur einer Warschauer Tageszeitung, der jeden Tag das deutschsprachige Internet zu durchforsten hat, um irgendwelche negativen Geschichten über Deutschland zu finden. (mehr)
Der Bush-Pilot
Das hier ist zwar schon ein bißchen älter, aber trotzdem genial: Eine meiner Lieblingssendungen, Extra 3 vom NDR, nahm George W. Bush kurz vor seiner Wiederwahl gehörig auf die Schippe – sie konnten beweisen, das ein deutscher Regisseur ihn fernsteuert. :)
Frontal 21
Filed under: Fernsehen, Journalismus, Medien, PR, Politik
Bei Frontal liefen gestern zwei sehr spannende Beiträge, die auch online verfügbar sind:
- Pressefreiheit in Gefahr: Journalisten berichten darüber, wie immer häufiger redaktionelle Inhalte von Anzeigenkunden diktiert werden, PR-Texte in Der Zeitung landen und dass sogar schon widerspenstige Journalisten gekündigt worden sind. (Text/Video/Forum)
- Nach der Schule Pornos: Beitrag von Deborah Seifert über die sexuelle Verrohung Jugendlicher, inkl. Interview mit Sido. Erschütternder Bericht! (Text/Video)
Medienstipendien für Migranten
Kurz angemerkt: Die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung, taz, RBB, Deutsche Welle und Zum Goldenen Hirschen vergeben erstmals Medienstipendien speziell für junge Migranten. Eine tolle Sache, wie ich finde! Bewerbungsschluss ist erstmals im September:
Wir suchen talentierte Abiturienten und Studierende aus Einwandererfamilien bzw. mit bi-nationaler oder bi-kultureller Herkunft, die Journalisten werden möchten. Abiturientinnen und Abiturienten möchten wir ermuntern, ein Studium mit dem Berufsziel Journalismus aufzunehmen.Sie können sich schon vor Aufnahme des Studiums bei uns für ein Stipendium bewerben.Wir freuen uns auch über Bewerbungen von Studierenden in der Anfangsphase des Studiums.
Mehr Infos hier bei der Böll-Stiftung.
In eigener Sache
In den kommenden Wochen werde ich – wie auch schon in den vergangenen Tagen – erstmal deutlich seltener hier Beiträge verfassen können als es meine lieben Leser gewöhnt sein dürften: Der Redaktionsschluss eines größeren Projekts legt mich diese Woche lahm, und ab kommende Woche muss ich mich bis Ende Juli auf meine Abschlussprüfungen in Politikwissenschaft konzentrieren.
Zurück aus Hamburg
Filed under: Blogs/Web 2.0, Fernsehen, Journalismus, Medien
Wie berichtet, bin ich am Wochenende zur Jahrestagung von Netzwerk Recherche nach Hamburg gereist. Es war eine echt geniale, inspirierende Konferenz, bei der ich mich bei jeweils bis zu fünf zeitgleich laufenden Podien/Vorträgen/Workshops oft nicht entscheiden konnte, wo ich denn nun dran teilnehmen wollte. Ein absolutes Highlight für mich war auf jeden Fall ein Vortrag von Ashwin Raman, dessen Doku “Kommando Bagdad” vor wenigen Tagen um Mitternacht im Ersten lief. Er berichtete aus seinen Erfahrungen im Irak, aber auch in früheren Kriegen/Konflikten. Der gebürtige Inder arbeitet meist ohne klassisches Kamerateam und verläßt sich ganz aus sein Geschick mit einem kleinen Camcorder. So kommt er besonders gut an seine Protagonisten heran und hat bei einer embedded-Recherche im Irak auch schon dafür gesorgt, dass ein US-Kommandant suspendiert werden musste.
Im Netz gibt es auch noch einige lesenswerte Dinge zu dem Kongreß von Netzwerk Recherche:
- Das kressblog fasst zusammen, was dem Journalismus fehlt: Mittel und Manieren
- Bei recherche-info.de, deren Mitglieder vor Ort mehrere Workshops veranstaltet haben, werden noch einige Materialien eingestellt, zum Digitalen Informantenschutz sind sie schon online
- Bereits vor der Tagung hatte der freie Medienkritiker Rainer Braun einen Verriß der ARD-Politmagazine für die Frankfurter Rundschau geschrieben, sozusagen als Steilvorlage für eine – sehr merkwürdig verlaufene – Podiumsdiskussion über die Zukunft dieser Sendungen.
Meine “Einschaltquoten”
Ist schon merkwürdig, welches Thema momentan die meisten Leute in mein Blog zieht:

Das sind die Top-Suchergebnisse der letzten drei Wochen, wobei der besagte Beitrag “RTL Klimaschwindel” erst gestern von mir gepostet wurde, aber bei Google Top1 beim Suchbegriff RTL Klimaschwindel ist. Irgendwie schockiert mich schon, dass dieser Schwachsinn von RTL und Channel 4 soviel Leute anzieht. Aber bitte, liebe Leute: Einen Klimaschwindel gibt es meiner Meinung nach nicht, lest auch den von mir empfohlenen Artikel der SZ über den RTL-Schwindel!
Hamburg ruft
Morgen fahre ich nach Hamburg: Die Jahrestagung von Netzwerk Recherche steht an, eine großartige Veranstaltung von kritischen Journalisten für kritische Journalisten. 100 Referenten und 600 Journalisten sollen dabei sein, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Das Programm wurde nochmal aufgefrischt, Sportjournalisten und Doping ist z.B. zusätzlich dazu gekommen, genauso wie Günter Wallraff als Referent und ein eintägiger Videojournalismus-Crashkurs.
Einer der beiden Schwerpunkte ist Journalismus in Osteuropa, dazu gibt’s bei Reader’s Edition vorab schon ein Interview mit Simone Schlindwein, die gerade eine Studie mit dem Titel “Zwischen Propaganda und Kommerz – Medien(un)freiheit in Südost-, Mittelost und Südeuropa” fürs Netzwerk Recherche verfasst hat.
Bertelsmann-Stiftung und linke Kritik
In wenigen Wochen werde ich meine Abschlussprüfungen in Politikwissenschaft (meinem ergänzenden Hauptfach neben Dipl.-Journalistik) an der Uni Leipzig ablegen. Ein Thema: Think Tanks bzw. Politikberatung. Daher finde ich es durchaus spannend, dass in der linken Szene gerade eine Diskussion um die Bertelsmann Stiftung entbrennt: Einem der größten Think Tanks im Land mit einem Jahresbudget von knapp 60 Millionen Euro.
Das neue Buch “Bertelsmann – Netzwerk der Macht”, herausgegeben von Jens Wernicke et. al., wirft der Stiftung unter anderem vor, nicht gemeinnützig zu sein. In einem Abstract für Telepolis mit dem reißerischen Titel “Schattenkabinett aus Gütersloh” schreibt Wernicke:
Die Stiftung [...] unterstützt sie nicht etwa Non-Profit-Organisationen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, sondern finanziert ausschließlich ihren, den eigenen Interessen verpflichteten Organisations-, Forschungs- und Beratungsapparat. [...] Im Grunde kennt sie dabei nur ein einziges Rezept als Lösung aller gesellschaftlichen Probleme, und seien sie noch so komplex: Die Gesellschaft soll wie ein Unternehmen geführt, der Staat mehr und mehr abgebaut werden. [...] Bleibt zu hoffen, dass Gesellschaft und Politik diese Stiftung als das begreifen, was sie einzig ist: nicht etwa “Lösungsgeber”, sondern Teil des Problems.
Doch ist natürlich die Frage, in wieweit Wernicke der Richtige ist, dies zu kritisieren. Schließlich ist er selbst Stipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung, einer PDS-nahen Einrichtung also, die genauso als Think Tank operiert: Die hat genauso wie die Bertelsmann-Stiftung einen gemeinnützigen Status, ist aber natürlich auch parteiisch bzw. advokatisch. Vielleicht ist das Problem, dass Wernicke hat, ja auch eher, dass die Bertelsmann- Stiftung sich selbst als “akademischer” Think Tank präsentiert, als ein nicht-ideologischen Politikberater also. Aber das ist letztlich definitorisches Klein-Klein.
Wie auch immer, eine nüchterne Betrachtung findet sich bei Think Tank Alert, einem Branchendienst für Think Tanks:
Auch wenn mir selbst der Einfluss der Bertelsmann Stiftung zuweilen ein wenig überschätzt scheint — schließlich gibt es auch andere wichtige Berater, die nur nicht so viel öffentliches Aufheben um ihre Beratungen machen — ist die Bertelsmann Stiftung doch das beste Beispiel für einen schlagkräftigen, privat finanzierten Think Tank.
Kleiner Lesetipp dazu noch: Mediawatcher.
Technorati: Erklärung gesucht
Mal eine Frage an meine lieben Leser: Kann mir eigentlich jemand erklären, wieso Technorati nicht jede “Blog Reaction” auch wirklich listet, obwohl die reagierenden Artikel durchaus kennt? Beispiel: Mein gestriger Beitrag “Rechtsextremismus und Medien” wurde vom Medienblogger zitiert, taucht bei Technorati aber nicht in meinen Blog Reactions auf. Andererseits zeigt Technorati aber in der Ansicht der letzten Beiträge vom Medienblogger dessen Beitrag an – Technorati sollte also die Zitation kennen. Ist übrigens nicht das erste Mal, dass mir sowas auffällt. Letztlich verfälscht das noch dann das Technorati-Ranking bzw. die Authority. Weiß jemand mehr dazu?
