Weisheit des Tages (6)
Kai Diekmann, seines Zeichens BILD-Chefredakteur, gegenüber epd Medien in einem Interview:
Wir machen unsere Berichterstattung immer davon abhängig, inwieweit jemand sein Privatleben offen zur Schau trägt. Das hat jeder selbst in der Hand.
Na das schreiben wir uns aber jetzt ganz dick hinter die Ohren! (gefunden via Medienlese)
Recherche ja oder nein?
Eine journalistische Tugend ist ja die Recherche. Doch wenn ich bei Google nun solche Werbung angezeigt bekomme, ob statt dem rumtelefonieren sowas hier nicht die bequemere Variante ist. Kostet zwar auch was, aber größere Firmen werden sich das gerade noch leisten können:
Die Firma nenne ich hier mal nicht, aber beim Thema Auswandern wird man sich es eigentlich denken können.
Zeit Leben Rezension
Über Günter Wallraffs Recherche in Callcentern hatte ich ja schon heute morgen geschrieben, nun noch kurz was zum Zeit Magazin Leben selbst: Wie ich finde, hat es eine sehr gelungene Themenmischung, mir hat sogar das Interview mit Josef Ackermann sehr gut gefallen. Das Retro-Layout ist meiner Ansicht nach auch sehr schick. Eine ausführlichere Blatttkritik gibt’s u.a. bei Neues Leben.
Wallraff und die Callcenter
Heute ist es ja erschienen, das neue Zeit Magazin Leben. Und wie bereits groß angekündigt, hat Günter Wallraff mal wieder gewallrafft, wie die Schweden sagen würden (”wallraffa” ist nämlich tatsächlich ein schwedisches Verb, was zu seinen ehren geschaffen wurde und für seine Form des Undercover-Journalismus steht). Auf jeden Fall hat er sich in zwei Callcenter eingeschleust, die die Menschheit mit Verkaufsanrufen terrorisieren und Lottosystemscheine bzw. Jugenschutzgesetze (sic!) verticken. (Nachzulesen übrigens auch online bei zeit.de.)
Sätze der Chefs wie dass er sein Gewissen zu Hause lassen solle und offenkundige Lügen der Verkäufer sind schon echt heftig.Ich kann mich aber des Gefühls nicht erwehren, dass seine Recherchen – weitere in anderen Zweigen der “schönen neuen Arbeitswelt” sollen folgen – die Gemüter nicht mehr so zum Erhitzen bringen werden die damals “Ganz unten”, “der Aufmacher” und Co. Denn gerade bei Callcentern ist das ja auch wieder so ne Sache nach dem Motto Wir haben’s schon immer gewusst. Und selbst als sein Schützling Markus Breitscheidel vor zwei Jahren seine wirklich skandälosen Erkenntnisse aus deutschen Pflegeheimen unter dem Titel “Abgezockt und Totgepflegt” veröffentlichte, hielt sich die Resonanz ja in Grenzen. Was denkt Ihr?
taz und Diekmann
Bekanntlichermaßen gab es ja gestern einen Brandanschlag auf das Auto von BILD-Chef Kai Diekmann. In der taz steht aber ein witziger Artikel, wie welt.de mit dem Thema umgegangen ist. Stundenlang hieß es dort “Brandanschlag auf Kai Diekmann” und eben nicht auf sein Auto. Und weiter analysiert die taz:
Der Merkwürdigkeiten nicht genug: In der Kommentarfunktion des Artikels hatte schon um 9.40 Uhr der User “Fragender” angemerkt: “Überschrift ist unverschämt … Nein, es war kein Brandanschlag auf Kai Diekmann, sondern auf sein Auto. So verurteilungswert das ist, die Überschrift ist es genauso.” Immerhin ist dieses Posting online geblieben. Denn Kommentare wie “da mein Kommentar jetzt zweimal gelöscht wurden ist, wende ich mich an bildblog.” vom User “wiederholungstäter” oder “schön, da mein erster kommentar dazu wohl gelöscht worden ist (Springer halt) nochmal (…)” von “Bestätiger” legen nahe, dass nicht mit allen Meinungsäußerungen von Welt.de-Lesern so umgegangen wurde.
Das ganze weckt Erinnerungen an Alan Poseners Wir sind Papst: Zufall oder System?
Weisheit des Tages (5)
Medienlese hat es ausgegraben, und Spiegelkritiker Oliver Gehrs sagt es über die Berliner Journalisten:
Unfähigkeit schützt im Journalismus leider nicht vor Karriere – eher im Gegenteil. In den Leitungen der Redaktionen sitzen nicht die Besten, sondern die, die sich am besten verkaufen können. Zynische, unintellektuelle Alphatiere, die glauben, beim Rotwein im Borchardt neben den Schlagzeilen auch die Politik bestimmen zu können.
Doppelt hält besser
…muss sich wohl Welt Online gedacht haben – seit über zwei Stunden heißt es über Oettingers Rückzug aus dem Studienzentrum Weikersheim:
Leipziger Gose vs. Spülwasser-Bier
Der Reiseteil der New York Times hat sich mal wieder nach Leipzig verlaufen, und zwar in Form einer “German Beer Trail”, die den Autor Evan Rail auch noch nach Berlin, Köln und Bamberg geführt hat. Sein Leipzig-Besuch drehte sich natürlich rund um die Gose, schließlich hält er normales Pils für “Spülwasser-Bier”, was er aber auch nicht grundsätzlich für verkehrt hält. Im Text erfährt man u.a.:
And Gose partisans have even organized a Gose-wanderweg trail for hiking from one Gosenschenke to the next, leading from Leipzig to the town of Halle along the Pleisse, Weisse Elster and Parthe Rivers.
Weisheit des Tages (4)
Heute im Tagesspiegel – der Ex-Grimme-Chef Bernd Gäbler mit 10 Thesen zur Fernsehunterhaltung. Mein Lieblingszitat:
Schon das angeblich fröhliche „Ein bisschen (!) Spaß muss (!) sein“, das unser heutiger Billy Mo – ohne Tirolerhütchen auf dem Kopf – zu trällern hat, zeigt das Biedermeierkomplott in der massenmedialen Unterhaltung. „Nein“, kein Mensch muss müssen, wie schon Lessing wusste. Und nochmals „Nein“, nicht „ein bisschen“ bringt Spaß, sondern zur Unterhaltung gehört Party, Fun, Ekstase.
Weisheit des Tages (3)
«Die ARD ist mit Abstand der coolste Sender, mit dem ich bisher zusammengearbeitet habe. Man muss da nicht mal die Leute treffen, um eine Sendung zu bekommen»
So Oliver Pocher im neuen Spiegel über seine künftige Sendung an der Seite von Harald Schmidt als dessen gleichberechtigter Partner. Bei der Netzeitung gibt’s dazu eine kleine Zusammenfassung.



