Journalist als Agitator

Mai 30, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Journalismus, Leipzig, Medien 

Wie ich erst jetzt dank dem Heldenstadt-Blog erfahren habe, lief beim Medienmagazin Zapp vor zwei Wochen ein Beitrag zur Ausbildung von Journalisten in der DDR, die fast ausschließlich am “Roten Kloster” in Leipzig durchgeführt wurde. Vergangenes Semester habe ich dazu ein Seminar besucht, und tatsächlich taucht mein Dozent bei Zapp nun wieder als Fachmann auf:

Klaus Melle, Experte für DDR-Journalismus: “Nach der Definition von Lenin aus der Iskra 1902, Pressearbeit in der Parteiarbeit zu integrieren, war der Journalist Agitator, Propagandist und Organisator der Parteiarbeit. Und damit haben sie im Prinzip das Berufsfeld umrissen. Weil Studierende sollten ausgebildet werden, um die Beschlüsse der Partei, öffentlichkeits- und massenwirksam zu propagieren, über die Medien zu transportieren.”

Auch sonst natürlich ein sehr interessanter Beitrag. Zu finden hier.

Schwedische Erinnerungen

Mai 30, 2007 by Florian Treiß · 1 Comment
Filed under: Allgemein, Journalismus, Medien 

Vor einiger Zeit habe ich ja mal ein Auslandssemester in Schweden verbracht und dort auch regelmäßig die Dagens Nyheter (online unter dn.se) gelesen, eine der wichtigsten Qualitätszeitungen des Landes. Nun also heute der Gang ans Zeitungsregal, und da strahlt mir die Frankfurter Rundschau in eben jenem Tabloid-Format entgegen, indem die DN und andere schwedische Zeitungen schon seit 2004 gedruckt werden. Da könnte man echt sentimental werden!

Eine Rezension des neuen Formats/Layouts gibt’s übrigens bei Spiegel Online, während sich das Blog journalismus-darmstadt.de wundert:

Nun ist es da, das tiefer gelegte kleinere Blatt, doch im Netz scheint das kaum jemanden zu interessieren. Tja, wird wohl nichts aus dem Stimmungsbericht aus der Blogosphäre, den ich mir vorgenommen hatte. Gibt ja auch viel wichtigere, don-sphärische Gemelagen zu diskutieren.

Arabisch-deutsch

Mai 30, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Allgemein, Politik 

Heute ist Premiere eines Artikels von mir auf der deutsch-arabischen Jugendwebsite Li-Lak des Goethe-Instituts. Fühlt sich ganz schön merkwürdig an, seinen eigenen Text in arabischer Übersetzung zu betrachten! Von lesen kann ja da nicht wirklich die Rede sein. Aber auf Deutsch gibt’s das ganze glücklicherweise auch. Hier also ein kleiner Vorgeschmack aus dem Beitrag “Wackersdorf, Castor und die GRÜNEN: Wie kam es zur deutschen Umweltbewegung?”

In den 1980er-Jahren gab es in Deutschland keine Jeansjacke ohne den gelben Button mit der Aufschrift „Atomkraft? – nein danke!“. Taschen und Halstücher mussten in Regenbogenfarben sein und am besten aus Afrika stammen. Alle gingen demonstrieren, und wenn nicht, dann in eine Aktionsgruppe der zahlreichen Umweltverbände. Eine kleine Partei namens „DIE GRÜNEN“ etablierte sich. Wie alles kam und wo die Umweltbewegung heute steht. (mehr)

Statt Bürgerjournalismus

Mai 29, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Blogs/Web 2.0, Journalismus, Medien 

Während Bürgerjournalismus in den USA in aller Munde ist, hat Jan Tißler von Upload hat sich nun seine Gedanken gemacht, was das Web 2.0 für den professionellen Journalismus bedeutet:

Natürlich wird es weiterin viele, viele private Blogs geben. Natürlich wird es weiterhin viele, viele Newsseiten klassischer Medien geben. Aber zwischen ihnen wird sich nach meiner Meinung etwas Neues entwickeln: User Powered Journalism.
User Powered Journalism meint:

  • Leser und Hörer tragen mit ihren Äußerungen, Meinungen und Kommentaren direkt dazu bei, welche Themen wie behandelt werden. Redakteure und Leser wechseln immer wieder die Rollen von Sender und Empfänger.
  • Die Nutzer werden aktiv eingebunden und schreiben und produzieren selbst im Rahmen eines professionellen Produkts.
  • Journalisten bringen ihr Fachwissen über das Recherchieren und Aufbereiten von Informationen ein und formen aus der Vielzahl von Inhalten etwas Neues, das einer breiten Masse von Lesern wiederum zugänglich ist.

Mehr dazu bei Upload, interessante Gedanken auf jeden Fall!

Update: Journalistisches Outsourcing

Mai 29, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Journalismus, Medien 

Ich hatte ja schonmal darüber geschrieben: Pasadena Now, eine Nachrichtenwebsite in Kalifornien, läßt neuerdings einen Teil der Lokalberichterstattung in Indien produzieren. In der Frankfurter Rundschau ist dazu heute ein ausführlicher Artikel. Darin bezieht der angeprangerte Verleger ausführlich Stellung:

Die Nachrichtenagentur Reuters, klagt der Herausgeber einer lokalen Nachrichtenwebsite in Pasadena, einem Vorort von Los Angeles, habe doch schon seit zwei Jahren ein Büro in Bangalore. Dort sitzen mittlerweile 1600 Journalisten, von denen mehr als 100 aus der Ferne über den US- Finanzmarkt berichten.

Und weiter heißt es darin:

Ihre Arbeit, so MacPherson, bestehe im rein mechanischen Ausformulieren dessen, was er ihnen vorgibt: “Ich entscheide noch immer selbst, was in eine Geschichte kommt und was nicht und worauf es ankommt. Ich habe nur nicht die Zeit, mich hinzusetzen und die Dinge auf den Punkt zu bringen.” Wirklich journalistisch, darauf besteht MacPherson, sei die Leistung seiner “Indian Connection” jedoch nicht. Die journalistische Kompetenz sei nach wie vor “Made in USA”.

Aber ein fader Beigeschmack bleibt weiterhin, zumal dies der erste Fall ist, das Lokaljournalismus ins Ausland verlaggert worden ist. Für deutsche Journalisten bleibt das sicher unverständlich, allerdings gibt es in der USA durchaus eine weitverbreitete Trennung von Rechercheur und Schreiberling. Das sollte man bei der Diskussion eben auch bedenken.

Ohne Worte

Mai 28, 2007 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Fernsehen, Medien 

Gerade in der Netzeitung fassunglos gelesen – soviel zum Thema Qualitätsfernsehen:

Bizarre Show-Idee: Drei Nierenkranke sollen bei einer Fernsehshow in den Niederlanden um das Organ einer todgeweihten Niederländerin wetteifern. Bei der «Großen Spendershow» am Freitag soll die 37 Jahre alte Lisa darüber entscheiden, welcher der drei Kandidaten ihre Nieren erhalten soll. Die Zuschauer können der Todkranken per SMS empfehlen, welcher Kandidat das Organ erhalten soll.

INSM gegen Wikipedia

Mai 28, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Medien, PR, Politik, Think Tanks 

Es ist zwar schon ein paar Tage her, aber erst jetzt bin ich darauf via Duckhome aufmerksam geworden: Die arbeitgebernahe “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM), PR-Arm des Instituts der Deutschen Wirtschaft und eine der umtriebigsten, umstrittensten und wohl auch erfolgreichsten Lobbyorganisationen, ist wegen eines unliebsamen Wikipedia-Eintrags vor Gericht gezogen, wenn auch (vorerst) ohne Erfolg. Die Süddeutsche weiß, wieso:

Ein Liebesgedicht war es nicht gerade, was da im Frühsommer letzten Jahres auf Wikipedia zu lesen stand: Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sei eine “kriminelle Vereinigung”, die die Grundzüge der deutschen Demokratie “auf übelste Art und Weise” unterwandere. “Diese Organisation gehört verboten”, endete der verbale Wutanfall eines Benutzers.

Juristische Schritten wären ja noch durchaus nachvollziehbar, wenn dies so in dem Artikel über INSM in der Wikipedia gestanden hatte. Doch es war so auf der Diskussionsseite zu lesen und damit eindeutig als Meinungsäußerung gekennzeichnet. Der Eintrag wurde zudem schnell gelöscht. Weiter heißt es in der SZ:

Das Gericht lehnten einen Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen die umstrittenen Äußerungen ab. Es handle sich bei dem Kommentar um eine zulässige Meinungsäußerung, mit der die INSM leben müsse, entschied das Gericht. Zudem könnten sich zwar öffentliche Repräsentanten der Initiative gegen die Äußerungen zur Wehr setzen, nicht aber die Werbeagentur.

Soweit, so einfach – doch dahinter steckt mehr: Denn wer ist belangbar für die Beiträge, die auf der deutschen Wikipedia-Seite erscheinen? Die Kläger sind der Meinung: Der Domain-Inhaber, in diesem Fall der deutsche Verein “Wikimedia”. Der wiederum erklärt, er leite nur auf die Wiki-Seite weiter – und die wird von der amerikanischen Wikimedia-Foundation betrieben. In den USA stehen auch die Server mit den Inhalten.

Das INSM-Watchblog, selbst ernannter Erzfeind der INSM, amüsiert sich auf jeden Fall über die Geschichte und fragt sich:

Vielleicht klagt die INSM ja unter anderem deshalb weiter, weil im Wikipedia-Eintrag auch ein Link zu diesem Watchblog gesetzt wurde?

Debile Quizsendungen

Mai 28, 2007 by Florian Treiß · 2 Comments
Filed under: Fernsehen, Medien 

Wenn das Ende des Qualitätsfernsehens naht, dann ist es spätestens seit 9live und Co. seinem Ziel einen beträchtlichen Schritt näher gekommen. Auch wenn Medienjournalist und BILDBlogger Stefan Niggemeier sich nun schon seit Monaten die Finger wundschreibt, die Machenschaften der Quizsender zu stoppen (alle seine Blogbeiträge dazu siehe hier), so bleibt das wohl weiter ein Kampf gegen Windmühlen. Denn obwohl mittlerweile klar ist, dass keineswegs ein Zufallsgenerator bestimmt, wann Anrufer ins Studio durchgestellt werden, sieht die Bayerische Landesmedienanstalt darin keine Verarschung der Zuschauer.

Es hilft also alles nichts, man muss den Machenschaften der Quizsender mit einer gehörigen Prise Galgenhumor entgegen treten. Und das hat nun das Mediennetzwerk DenQuer getan:

Doch ich habe das Prinzip durchschaut, offensichtlich leider als einziger. Natürlich gewinnt man auch bei diesen Quizsendungen; bei denen man „Tiere ohne Vokale“ oder „Autos mit A“ sucht. Meistens sind es Anrufer in den ersten fünf Minuten, welche die Lösung nennen, die uns allen als erstes einfällt. Die sind ja eh immer dabei … Danach wirds allerdings richtig knifflig, denn geht es ums große Geld, laufen die Leitungen heiß. Klar dass da kein Durchkommen mehr ist. Von dem „Dummchen“ im Bikini wird man dennoch permanent aufgefordert es doch endlich zu versuchen, es sei ja so einfach und es würde angeblich keiner anrufen.

Bitte bis zur bitteren Schlusspointe zu Ende lesen…

Blogs und Journalismus

Mai 26, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Blogs/Web 2.0, Journalismus, Medien 

Gestern gab’s im Deutschlandfunk eine Diskussion zu Bürgerjournalismus, Blogs und Co. mit wichtiger Medienprominzenz, die laut mehrerer Berichte nicht wirklich kompetent herüberkahmen. Denn der Medienblogger meint dazu Eigentor: Wenn Medien-Profis übers Bloggen reden, während Stefan Niggemeier seinen Artikel Blinde sorgen sich um Zukunft der Farbe nennt.

Juristische Abwehrschlacht

Mai 25, 2007 by Florian Treiß · Leave a Comment
Filed under: Allgemein, Journalismus, Medien, Politik 

In einem Infokasten neben dem Artikel über Aldags Auftritt bei Maybritt Illner versteckt Spiegel Online eine Dokumentation, was für eine juristische Abwehrschlacht es bereits 1999 um Doping-Vorwürfe gab, die der Spiegel erhoben hatte:

In den vergangenen Tagen haben etliche ehemalige Telekom- Radprofis Doping zugegeben. Bereits vor einigen Wochen erhob der frühere Team- Masseur Jef D’hont im SPIEGEL schwere Anschuldigungen, die sich inzwischen bestätigten. Erstmalig über illegale Praktiken im deutschen Rennstall hatte der SPIEGEL vor knapp acht Jahren berichtet. Der damalige Fahrer Jan Ullrich und die Firma des Teamchefs Walter Godefroot gingen juristisch gegen den SPIEGEL- Beitrag vor. Ullrich erwirkte den Abdruck einer Gegendarstellung. Der SPIEGEL hat sich in weiteren Verfahren vor Gericht mit Ullrich und der Godefroot GmbH auf die Abgabe einer Unterlassungsverpflichtungs- Erklärung verglichen. Mittlerweile gibt es starke Indizien, dass Ullrich entgegen seiner Beteuerung (”Ich habe noch nie Epo gespritzt”) doch gedopt hat.

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