Nachwuchs-PR-Journalisten
Lobbycontrol kritisiert heute, dass die Frankfurter Rundschau bei ihrer Kooperation mit Schulen “FRiSCH” scheinbar Schüler zu kleinen PR-Journalisten heranzieht: Die Nachwuchsreporter waren zu McDonald’s eingeladen worden, einem Sponsor des Projekts. Und dort vor Ort sollten sie “kritisch recherchieren”. Doch das Ergebnis, eine vierseitige Sonderbeilage, ist nun folgendermaßen gekennzeichnet: “Eine Anzeigen-Beilage von Mc Donalds”. Einen ähnlichen Vorfall soll es auch in Zusammenhang mit einem anderen Sponsor, Fraport, gegeben haben.
Die Gefahr bei solchen Aktionen ist also zweifellos, dass Schülern eine harte Recherche suggeriert wird, echter Journalismus also, aber tatsächlich sind die Themen wohl oft vorgegeben, so dass nichts anbrennen kann. Und das FR-Projekt wird sicher nicht das einzige sein, bei dem dies so ist. Viele Deutsche Tageszeitungen haben nämlich ähnliche Zeitung-in-der-Schule-Projekte, wo Schüler selbst Artikel schreiben dürfen. Daraus entstehen zwar wohl nicht immer reine Werbebeilagen wie in obigem Beispiel, sondern oft nur Texte für den Deutsch-Unterricht. Aber die Gefahr ist doch groß, dass dabei Schüler einen zu unkritischen Eindruck vom Journalismus bekommen könnten.
Mior ham hior geen Hai
Die Journalistin und Autorin Else Buschheuer veröffentlich in diesen Tagen ihr “Leipzig Tagebuch”. Bei sueddeutsche.de ist schon jetzt die Geschichte zu lesen, wie sie von New York die Schnauze voll hatte und zurück nach Leipzig ging – hier wiederum ein kleiner Auszug aus dem SZ-Text, der echt großartig ist und eine wundervolle Liebeserklärung an Leipzig.
Aber wohin in Deutschland? In Berlin habe ich zu viele Leichen im Keller. München ist zu bussibussi, Hamburg zu kühl, Köln zu schwul. Vielleicht Leipzig?
Leipzig fühlt sich aus 6000 Kilometern Entfernung exotisch an. Die Musik-Stadt. Die Buchmesse-Stadt. Mutter der Neuen Leipziger Schule. Die Stadt mit den schönen Namen: Strohsackpassage, Barfußgäßchen, Auerbachs Keller, Specks Hof. Die Stadt, wo die hübschen Mädchen an den Bäumen wachsen.
War ich in New York jemals frei? Ist Freiheit nicht das hier? Ist Freiheit nicht auch, nicht zu wissen, was Sashimi ist? Ich rauche wieder Kette. Ich saufe, auch draußen, auch sonntags. Im Sommer mache ich FKK im Cospudener See. Mein lieber Scholli! Die Leipziger sind nicht so etepetete wie die New Yorker, die einen vorm Knutschen drei Minuten mit Listerine gurgeln lassen.
Vom Kanzlerbungalow ins Studio P
Bereits 2003 hatte der WDR versucht, ein Politmagazin für junge Leute auf die Beine zu stellen: Zu später Stunde kam damals aus dem ehemaligen “Kanzlerbungalow” die gleichnamige Sendung, die zumindest bei der Kritik gut ankam: Eine Grimme-Preis-Nominierung gab’s damals, aber bald musste die Sendung trotzdem eingestellt werden.
Ab Juni will der WDR nun erneut versuchen, Politik für junge Leute aufzubereiten: “Studio P” wird die Sendung heißen, gab die künftige Intendantin Monika Piel bekannt. Details wurden aber bislang noch nicht bekannt. Mehr dazu bei DWDL.
Update 21.3.:
OK, auch schon wieder nicht mehr ganz frisch, aber DPA zitierte am Montag dazu Chefredakteur Jörn Schönenborn: «Die Fragestellung lautet: Wo hat Politik ihren Spiegel im Alltag?», erläuterte Schönenborn. «Es geht um Menschen, die von Politik profitieren, die unter Politik leiden. Und das wird dann sehr subjektiv erzählt.» Nach den ersten acht Sendungen will der Sender prüfen, wie das neue Konzept ankommt. Als Beispiel nannte er dabei junge Leute, die sich beruflich selbsständig machen wollen.
Insolvenzskandal
Gestern lief bei Exakt (MDR) ein Beitrag von einem Kollegen und mir zu einem Insolvenzskandal. Denn was nur wenige Leute wissen dürften: Arbeitnehmer können unter bestimmten Umständen dazu gezwungen werden, bereits erhaltene Löhne zurückzuzahlen, wenn ihr Arbeitgeber insolvent ist. Hier kann man sich den Beitrag nochmal anschauen.
Bekämpft Deutsche Filme!
Das ist natürlich überhaupt nicht meine Meinung, im Gegenteil bin ich Fan des Deutschen Films. Wie ja schon erwähnte, habe ich für die Uni an einer Hausarbeit zum Thema “Deutsche Filme im Ausland” gearbeitet. Dabei hatte ich ja auch erwähnt, dass es diese Streifen gerade in Übersee heute besonders schwer haben. Im Zuge meiner Recherchen bin ich zum Schluss noch über einen Treppenwitz der Deutsch Filmexportgeschichte gestolpert – und zwar in Kerry Segraves Buch “Foreign Films in America“. Hier mal ein Auszug aus meiner Hausarbeit, die sich auf Segrave beruft – und zwar geht es um den Film “Madame Dubarry”, der 1920/21 als erster deutscher Film nach dem 1. Weltkrieg in den USA unter dem Titel “Passion” lief:
Nachdem aber Passion zum Überraschungserfolg geworden war, kam eine ganze Schwemme von deutschen Filmen auf den US-Markt. Als in einer einzigen Woche im April 1921 in New York 46 deutsche Filme an den Start gingen, war die Motion Picture Directors’ Association drauf und dran, eine Krisensitzung wegen der „foreign menace“, der ausländischen Bedrohung abzuhalten, während Lobbyisten in Washington versuchten, Strafzölle verhängen zu lassen. Innerhalb von nur wenigen Wochen eskalierte die Situation immer mehr. Im Mai 1921 kam es dann in Hollywood sogar zu einer Demonstration von hunderten von Weltkriegsveteranen und mehr als 2000 anderen Menschen gegen Deutsche Filme, was dazu führte, dass das Kino Miller’s Theatre den deutschen Film Dr. Caligari im Programm durch einen amerikanischen Film ersetzte.
Tja, eine Demo gegen die Übermacht der Deutschen Filme in Amerika – das sollte sich leider bis heute nicht wiederholen…
Die vollständige Uni-Hausarbeit (21 Seiten) von mir gibt’s hier als PDF.
Beobachtete Nazi-Beobachter
Wie die taz bereits gestern berichtete, haben zwei Beobachter der rechten Szene an ihrem Auto einen GPS-Peilsender entdeckt. Die beiden Schleswig-Holsteiner gehen davon aus, dass die Ortungstechnik nicht etwa von Nazis, sondern von einer staatlichen Behörde installiert wurde. Klingt reichlich merkwürdig – werden Journalisten nun schon von Polizei oder Geheimdiensten überwacht, nur weil sie Nazis beobachten? (via NPD-Blog)
Videojournalismus
In der Berliner Zeitung ist heute ein interessanter Artikel über Videojournalismus mit dem Tenor, dass man durch diese als “Billig-Produktion” gescholtene Arbeitsweise immer öfter an exklusive Geschichten herankommt, die mit einem großen TV-Team nicht möglich gewesen wären. Fazit:
Technische Argumente haben die Videojournalisten durch ihre Arbeit längst entkräftet, auch wenn manche Sender das Material noch mit spitzen Fingern anfassen. Bei AZ Media ist man dagegen schon einen Schritt weiter. Seit Ende Januar schwärmen für die TV-Firma Reporter mit Video-Handys aus. “Wenn es aussieht wie richtiges Fernsehen, dann ist es auch richtiges Fernsehen”, sagt Christian Angeli [Chefredakteur AZ Media].
Deutsche Filme in den USA
Ergänzung August 2007: Ich habe vor einigen Monaten eine Hausarbeit zum Thema Ökonomie des Filmgeschäfts – Deutsche Filme im Ausland verfasst, die hier als PDF abrufbar ist (21 Seiten). Ein paar Schmankerl daraus gibt’s auch in meinem Blog-Eintrag “Bekämpft deutsche Filme!”. Hier nun aber der ursprüngliche Text:
Ja, sie haben es schwer, die Deutschen Filme in den USA: Wenn Sie dort überhaupt vertrieben werden, dann landen die Streifen meist nur in den Arthouse-Kinos von New York und L.A. So sieht es bislang auch beim Oscar-Gewinner “Das Leben der Anderen” aus, den der Exportverband “German Cinema” als bahnbrechender Erfolg feiert: “the best US theatrical opening for a German film in a subtitled print with a box office of US$ 277,000 on the opening weekend”. Mittlerweile hat der Film 1,4 Millionen Dollar eingespielt und lief am vergangenen Wochenende auf 58 Leinwänden in den USA. Und damit wird deutlich, dass ein “Deutscher Erfolgsfilm in den USA” kaum gleichzusetzen ist mit einem Blockbuster – die kommen nämlich gerne auf 3000 Kopien und mehrstellige Millioneneinspiele pro Wochenende.
Ich arbeite zur Zeit an einer Uni-Hausarbeit zum Filmexport und bin in einem “Spiegel” von 1978 über ein deftiges Zitat vom Filmemacher Hark Bohm gestolpert, der sich damals darüber aufregte, wie ach so erfolgreich der Neue Deutsche Film ist:
“In der Bundesrepublik liegt der Gral des Cinéasmus, der Lehre vom publikumsbefreiten, vom künstlerischen Film. In New York, in Paris, in London werden die Gebildeten des Mittelstandes von ihren Priestern, den Feuilleton-Kritikern, für die cinéastischen Botschaften aus dem Land der Dichter und Denker gelenkt. Wo sich die Cinéasten weniger ballen, sagen wir mal in Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas, wird der neue deutsche Film sowenig wie in Freyung, der Kreisstadt des Bayerischen Waldes, zu sehen sein.”
OK, dass ist auf die heutige Zeit übertragen wohl etwas sehr übertrieben – gerade “Das Leben der Anderen” vereint ja sehr geschickt Filmkunst und Kommerz. Fakt ist aber dennoch – die Kinos in kleineren US-Städten erreicht auch heute kaum ein deutscher Film (abgesehen von “Resident Evil”, einem mit deutschem Geld auf englisch verfilmten Computerspiel). Das liegt natürlich nicht nur daran, dass der Inhalt deutscher Filme die Amis nicht interessiert. Denn der kann durchaus auf Interesse stoßen, nur schaut der Amerikaner an sich ungern untertitelte Filme und ungern Filme ohne Stars. Deshalb bahnt sich nun ein Remake von “Das Leben der Anderen” an – und Sydney Pollacks Begründung dafür ist eben so simpel wie bändesprechend: “We would just desperately love for that film to be something that reaches more people.” Genau dass dachten sich die Amerikaner ja auch bei “Bella Martha” – im Sommer kommt nun das Remake mit Catherine Zeta-Jones raus.
Doch es wird sicher nicht einfach “Das Leben der Anderen” aufs US-Publikum zu optimieren. Das weiß auch dessen Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der dem FOCUS sagte: “Bei der naheliegenden Umdichtung auf das Amerika der Gegenwart unter dem „Patriot Act“ stößt man allerdings schnell auf sehr große Probleme. Das haben wir schon nach den ersten Gesprächen gemerkt. USA 2007 und DDR 1984 sind halt doch nicht ganz das gleiche”. Man kann also gespannt sein, ob wir irgendwann wirklich einen US-Abklatsch sehen werden oder ob das Projekt wieder eingestampft wird…
DDR-Breakdance
Mal wieder ein Leipzig-Tipp – diesmal für alle Fans von HipHop, Breakdance und Dokfilmen: Als Nachlese zum Dokumentarfilmfestival zeigt die Nato am Donnerstag und Freitag jeweils um 20 Uhr den Film “Here we come – Breakdance in der DDR”. Klingt sehr spannend:
Aus einer Körperwelle, gesehen Anfang der Achziger im ZDF, entstand eine Bewegung. Vom Kinderzimmer auf die Straßen, mit selbstgenähten Puma-Anzügen, selbstbemalten Adidas-Turnschuhen, selbstgebastelter Musik (mittels Manipulation des Kassettendeck-Motors). Jede Provinzgasse konnte zur “Beat Street” (Kultfilm, 70mal gesehen) werden, der Lebensinhalt: “In jeder Sekunde tanzen zu können.” Anfangs noch mit dem Ruch des Undergrounds behaftet und der Willkür der Polizei ausgesetzt, wird Breakdance schließlich instrumentalisiert und als “akrobatischer Showtanz” kommerzialisiert…
Im Anschluss daran gibt’s um 22 Uhr dann den Kultstreifen “Beat Street” zu sehen.
Volontärstest FOCUS Online
Focus Online hat einen alten Allgemeinwissenstest für potenzielle Volontäre online gestellt. Über dessen Inhalt amüsieren sich die Handelsblatt-Volontäre in ihrem Blog “Letzter Schub”:
In München kommt es vor allem auf solides Promi-Wissen an. Wer sich mit Nadja, Estefania, Britney und Paris auskennt, hat beste Chancen. Man beginnt sich schnell zu Langweilen, doch bei Politik und Kultur wird es wieder interessanter und die Antworten auf die Abschlussfrage zu Fatboy Slim auch ganz lustig. Die Kernkompetenz des FOCUS fällt jedoch leider völlig weg. Die richtig wichtigen Fragen dort lauten doch zum Beispiel: Wer sind Deutschlands beste Hüftspezialisten oder Gerontopsychiater?



